🇫🇷 Frankreich mit Wohnmobil und Wohnwagen
Das Land der Aires de camping-cars: Übernachten ist erlaubt, wo Parken erlaubt ist, solange du nicht campst. Maut nach Höhe, Crit'Air in den Städten, und über 3,5 t gehören Toter-Winkel-Aufkleber ans Fahrzeug.
Stand 12.10.2026 · Angaben ohne Gewähr, vor der Abfahrt die amtlichen Quellen prüfen.

Steckbrief
- Maut
- Streckenmaut auf den meisten Autobahnen. Klasse 2 für Wohnmobile bis 3,5 t mit 2 bis 3 m Höhe (auch mit Anhänger), Klasse 3 ab 3 m Höhe oder über 3,5 t bei zwei Achsen, Klasse 4 ab drei Achsen; die Höhe wird oft automatisch gemessen, Einstufung am Automaten prüfen. Free-Flow ohne Schranke auf A13, A14, A79 und einem Abschnitt der A4 (binnen 72 Stunden online zahlen). Viaduc de Millau, Pont de Normandie und Alpentunnel extra
- Vignette
- Keine
- Tempolimit Wohnmobil bis 3,5 t
- Autobahn 130 (bei Regen 110), Schnellstraße 110 (bei Regen 100), Landstraße 80 oder 90 je nach Département, Ort 50 (Paris meist 30)
- Tempolimit Wohnmobil über 3,5 t
- 3,5 bis 12 t: Autobahn 110, Schnellstraße 100, Landstraße 80, Ort 50; Tempo-Aufkleber 110/100/80 am Heck empfohlen
- Tempolimit Gespann
- Gespann bis 3,5 t Gesamtgewicht wie Pkw; über 3,5 t Gesamtgewicht: Autobahn 90, Schnellstraße 90, Landstraße 80, Ort 50
- Frei stehen / Übernachten außerhalb von Plätzen
- Parken ist erlaubt, wo es nicht verboten ist, Campen nicht: nichts rausstellen, nichts ausfahren, nichts ablassen. Gemeinden sperren per Schild, an der Küste, in Strandnähe und bei Sehenswürdigkeiten fast immer; Schutzgebiete tabu, Privatgrund nur mit Erlaubnis
- Gasflaschen & Adapter
- Deutsche Flaschen werden weder getauscht noch gefüllt; französische Flasche (Butagaz, Antargaz, Primagaz) kaufen und mit Adapter anschließen; Autogas (GPL) für Tankflaschen gut verfügbar
- Einreise mit Hund
- Heimtierausweis, Chip, Tollwutimpfung. Hunde der Kategorie 1 (Pitbull-, Mastiff-, Tosa-Typ ohne Stammbaum) dürfen nicht einreisen, Kategorie 2 (American Staffordshire, Rottweiler, Tosa mit Stammbaum, Rottweiler-Typ) nur mit Maulkorb, Leine und Papieren; Strandverbote im Sommer je Gemeinde
- Promillegrenze
- 0,5 ‰; 0,2 ‰ in den ersten drei Führerscheinjahren
- Pflichtausrüstung
- Warnweste griffbereit im Innenraum, Warndreieck; über 3,5 t Toter-Winkel-Aufkleber (Angles morts) an beiden Seiten und am Heck, bei Gespannen sobald Zugfahrzeug oder Anhänger über 3,5 t liegt; Winterreifen (3PMSF) oder Ketten 1. November bis 31. März in ausgeschilderten Berggebieten
- Umweltzonen
- Crit'Air-Plakette Pflicht in rund 40 Umweltzonen (ZFE), u. a. Paris, Lyon, Marseille, Toulouse, Straßburg, Montpellier, Grenoble; die im April 2026 beschlossene Abschaffung hat der Verfassungsrat am 21. Mai 2026 gekippt, die Zonen gelten weiter. Plakette nur über certificat-air.gouv.fr bestellen
- Notruf
- 112
- Währung
- Euro
- Beste Reisezeit
- Mai bis Juni und September: warm, leer, günstiger; Juli und August an den Küsten voll; Aires sind ganzjährig nutzbar
Frankreich hat das Wohnmobil als Reiseform früher ernst genommen als jedes andere Land. Das Ergebnis sind Tausende „Aires de camping-cars“, oft kostenlos oder für ein paar Euro, mit Ver- und Entsorgung, mitten im Dorf oder am Hafen. Dazu kommt ein Rechtsverständnis, das Parken und Campen sauber trennt. Die Kehrseite: Die Autobahnmaut ist teuer, und die Städte verlangen eine Plakette, die du in Deutschland bestellen musst.
Anreise und Routen
Aus dem Westen Deutschlands bist du über Saarbrücken (A 4 Richtung Paris oder A 31 Richtung Süden) oder Straßburg (A 35/A 36 Richtung Burgund und Rhône) schnell im Land. Von Süddeutschland führt der Weg über Basel und Mulhouse. Die französischen Autobahnen sind leer und teuer; die parallelen „Routes nationales“ und Départementstraßen sind kostenlos, gut ausgebaut und führen durch die Dörfer, in denen die Aires liegen.
Die großen Wohnmobilziele: Bretagne und Normandie (Küste, Gezeiten, Cidre), Atlantikküste von der Vendée bis Biarritz (Dünen, Surfplätze, Pinienwälder), Loire-Schlösser, Dordogne, Verdon und Provence, Languedoc, die Alpen mit der Route des Grandes Alpes, die Pyrenäen. Die Mittelmeerküste zwischen Marseille und Menton ist für Wohnmobile im Sommer eng, teuer und mit Übernachtungsverboten gespickt. Korsika erreichst du per Fähre ab Toulon, Nizza oder Marseille, und die Insel gehört zu den besten Wohnmobilzielen Europas, wenn du außerhalb von Juli und August fährst. Mehr Praxis in Wohnmobil-Tipps für Frankreich.
Maut im Detail
Frankreich bemautet nach Strecke, und die Klasse hängt von Höhe, Gewicht und Achsen ab. Klasse 1 sind Fahrzeuge bis 2 m Höhe und 3,5 t, also Pkw und flache Vans. Klasse 2 sind Fahrzeuge bis 3,5 t zwischen 2 und 3 m Höhe, also fast alle Wohnmobile, auch mit Anhänger. Klasse 3 gilt für zweiachsige Fahrzeuge ab 3 m Höhe oder über 3,5 t, Klasse 4 ab drei Achsen oder für Gespanne mit schwerem oder hohem Zugfahrzeug. Zur Höhe zählen feste Aufbauten wie Klimaanlagen, nicht aber Dachboxen und Antennen. An vielen Stationen misst ein Sensor automatisch, und ein hoch beladenes Dach kann dich in Klasse 3 schieben. Prüfe die Anzeige am Automaten, bevor du zahlst, und drück bei falscher Einstufung den Sprechknopf.
Bezahlt wird bar oder mit Kreditkarte, deutsche Girokarten werden nicht überall angenommen. Eine Télépéage-Box (Bip&Go, ADAC-Mautbox) spart Zeit und funktioniert auch in Spanien, Portugal und Italien; für Fahrzeuge über 3,5 t oder 3 m gibt es eigene Camper-Boxen. Einige Strecken laufen ohne Schranke per Kennzeichenerfassung: die ganze A 13 Paris–Caen, die A 14, die A 79 und ein Abschnitt der A 4 bei Boulay. Dort musst du innerhalb von 72 Stunden online, im Tabakladen oder per Box zahlen; wer das vergisst, bekommt Post mit Aufschlag. Extra kosten die Brücken und Bauwerke: Viaduc de Millau (Wohnmobil bis 3,5 t im Sommer 20,70 Euro), Pont de Normandie (6,90 Euro), Île-de-Ré-Brücke (im Sommer 16 Euro hin und zurück), Alpentunnel Fréjus und Mont Blanc (rund 73 bis 75 Euro je Richtung), alle Stand 2026. Einen Vergleich der Systeme gibt der Maut-Überblick für Europa.
Stellplätze und Campingplätze
Die Aire de camping-cars ist die französische Erfindung: ein kommunaler Platz, oft 0 bis 12 Euro, mit Ver- und Entsorgungssäule („borne“), manchmal mit Strom, meist mit einer Nacht Höchstdauer oder deren drei. Dazu kommt „France Passion“, ein Netz von Winzern, Bauern und Käsereien, die Mitglieder kostenlos übernachten lassen. Campingplätze sind klassifiziert von einem bis fünf Sternen, kommunale „Campings municipaux“ sind günstig und oft hübsch gelegen, die Anlagen an der Atlantikküste im Sommer teuer und ohne Reservierung voll.
Freistehen ist in Frankreich keine Grauzone, sondern eine Frage des Verhaltens. Ein Wohnmobil darf parken, wo Parken erlaubt ist, und im geparkten Fahrzeug darfst du schlafen. Was du nicht darfst, ist campen: Stühle, Tisch, Markise, Stützen, Grauwasser ablassen. Gemeinden können per Verordnung Übernachtungsverbote verhängen, und das tun fast alle Küstenorte, Orte mit Sehenswürdigkeiten und die Großstädte, meist mit einem Schild, das ein durchgestrichenes Wohnmobil zeigt. An Stränden, in Schutzgebieten und im Umkreis von Denkmälern gilt das Verbot generell. Im Hinterland, an Flüssen und in den Bergen ist eine Nacht auf dem Parkplatz dagegen normal, und oft steht fünfhundert Meter weiter ohnehin eine Aire.
Fahren
Bis 3,5 t gelten 130 auf der Autobahn, 110 auf Schnellstraßen, bei Regen jeweils 20 weniger, und 80 oder 90 außerorts, je nachdem, was das Département festgelegt hat; im Zweifel 80. Zwischen 3,5 und 12 t sind es 110, 100 und 80. Gespanne bis 3,5 t Gesamtgewicht fahren wie Pkw, darüber 90 auf Autobahn und Schnellstraße und 80 außerorts. Fahranfänger haben 110 und 100 und eine Promillegrenze von 0,2, alle anderen 0,5.
Fahrzeuge über 3,5 t brauchen seit 2021 die „Angles morts“-Aufkleber an beiden Seiten und am Heck, 25 mal 17 Zentimeter, mit dem Bus-Symbol für Wohnmobile. Die Pflicht gilt für ausländische Fahrzeuge, bei Gespannen immer dann, wenn Zugfahrzeug oder Anhänger einzeln über 3,5 t liegt. Ohne Aufkleber kostet es 135 Euro. Zusätzlich sollen schwere Wohnmobile die Tempo-Aufkleber 110/100/80 am Heck tragen; ob das für ausländische Fahrzeuge gilt, ist umstritten, der ADAC rät dazu.
Die Umweltzonen (ZFE) haben ein bewegtes Jahr hinter sich: Im April 2026 hatte das Parlament ihre Abschaffung beschlossen, am 21. Mai 2026 kippte der Verfassungsrat das aus formalen Gründen. Die Crit'Air-Plakette ist damit weiter Pflicht in rund 40 Metropolen, von Paris über Lyon, Marseille und Toulouse bis Straßburg. Sie kostet knapp fünf Euro, kommt per Post und wird nur unter certificat-air.gouv.fr bestellt; alle anderen Seiten sind Zwischenhändler. Wohnmobile über 3,5 t gelten dort als schwere Fahrzeuge und bekommen bei Verstoß 135 statt 68 Euro. Eine neue Abschaffungsinitiative lief im Oktober 2026 im Parlament; wie sie ausgeht, prüfst du vor der Reise.
In den Bergregionen (Alpen, Pyrenäen, Vogesen, Jura, Zentralmassiv, Korsika) gilt vom 1. November bis 31. März in ausgeschilderten Gemeinden Winterausrüstungspflicht; anerkannt sind nur noch Reifen mit Schneeflockensymbol oder mitgeführte Ketten.
Mit Hund
Die Einreise läuft über den EU-Heimtierausweis. Die Hürde ist das Kategoriensystem: Hunde der Kategorie 1, also Pitbull-, Mastiff- und Tosa-Typen ohne Stammbaum, dürfen nicht nach Frankreich gebracht werden; das ist eine Straftat, und der Hund kann beschlagnahmt werden. Beurteilt wird nach Aussehen, nicht nach Papieren. Kategorie 2 umfasst American Staffordshire Terrier, Rottweiler und Tosa mit Stammbaum sowie Rottweiler-Typen ohne; sie dürfen einreisen, müssen aber überall im öffentlichen Raum Maulkorb und Leine tragen und brauchen Versicherungsnachweis. Für alle anderen Hunde gibt es keine landesweite Leinenpflicht, aber Gemeindeverordnungen, und an vielen Stränden gilt von Juni bis September Hundeverbot. Campingplätze nehmen Hunde fast immer, Supermärkte und Museen nicht. Prozessionsspinner im Frühjahr in Pinienwäldern des Südens sind für Hunde lebensgefährlich; Leine an und Nester meiden.
Geld sparen
Die Nationalstraße ist das Sparprogramm: Paris–Bordeaux über die N 10 kostet null Maut und eine Stunde mehr. Wer die Autobahn braucht, fährt sie nur dort, wo sie wirklich Zeit spart, und nimmt für Querverbindungen die Départementstraßen. Diesel ist an Supermärkten (Leclerc, Intermarché, Carrefour) 15 bis 25 Cent günstiger als an Autobahnraststätten, viele Automaten nehmen nur Karten mit Chip.
Aires und France Passion machen die Übernachtung fast kostenlos, Campings municipaux kosten die Hälfte der Sterneanlagen. Markt statt Restaurant, Baguette und Käse statt Menü: Die französische Küche ist im Wohnmobil günstig, wenn du sie selbst zusammenstellst. Mai, Juni und September sind an der Atlantikküste die besten Monate, mit leeren Plätzen und Nebensaisonpreisen. Was die Tour insgesamt kostet, inklusive Maut nach Klasse 2, schätzt der Reisekostenrechner.