Maut in Europa fürs Wohnmobil: Vignettenländer, Streckenmaut und die Sonderregeln über 3,5 Tonnen

Welche Länder Vignette verlangen, wo nach Strecke abgerechnet wird und warum über 3,5 t GO-Box, Schwerverkehrsabgabe und Klasse 3 gelten. Preise 2026 mit Quelle.

Stand 13.10.2026 · 7 Min. Lesezeit

Autobahn in der Abenddämmerung
Autobahn in der Abenddämmerung

Europa teilt sich bei der Maut in zwei Lager: Länder mit Vignette (du zahlst pauschal für einen Zeitraum) und Länder mit Streckenmaut (du zahlst je Kilometer, meist an Mautstationen). Mit einem Wohnmobil bis 3,5 t zulässiger Gesamtmasse bist du fast überall wie ein Pkw unterwegs, mit zwei Ausnahmen: In Slowenien und Ungarn zählen Höhe beziehungsweise Sitzplätze mit, in Frankreich, Italien, Portugal und Kroatien die Höhe oder die Achsen. Über 3,5 t wechselst du in vielen Ländern in ein ganz anderes System mit eigenem Gerät und eigener Abrechnung. Die Preise unten gelten für 2026 und stammen vom ADAC, ÖAMTC und den Behörden; sie ändern sich jährlich, prüfe sie vor der Abfahrt. Die Details je Land stehen in unseren Länder-Steckbriefen.

Vignettenländer bis 3,5 t

Land Vignette Kurzzeit-Preise 2026 Besonderheit Wohnmobil
Österreich digital oder Klebevignette (2026 letztmals) 1 Tag 9,60 €, 10 Tage 12,80 €, 2 Monate 32 €, Jahr 106,80 € Sondermaut für Brenner, Tauern, Arlberg und weitere Strecken kommt obendrauf
Schweiz nur Jahresvignette, 40 CHF (rund 44,50 €), Kleber oder E-Vignette keine Kurzzeitvignette Anhänger und Wohnwagen bis 3,5 t brauchen eine eigene Vignette
Slowenien E-Vignette 7 Tage 16 €, 1 Monat 32 €, Jahr 117,50 € (Klasse 2A) Klasse 2B (doppelter Preis) bei über 1,30 m Höhe an der Vorderachse, außer das Fahrzeug ist als Wohnmobil eingetragen und fest ausgebaut
Tschechien E-Vignette 10 Tage rund 12,30 €, 1 Monat rund 19,70 €, Jahr rund 105,50 € (Kronen, Wechselkurs) nur über das amtliche Portal kaufen, viele Betrugsseiten
Slowakei E-Vignette 1 Tag 8,10 €, 10 Tage 10,80 €, 1 Monat 17,10 €, Jahr 90 € gilt auch für Wohnmobile bis 3,5 t
Ungarn E-Vignette, Klasse D1 10 Tage rund 18 €, 1 Monat rund 29,20 € (Forint, Wechselkurs) D1 nur bis 3,5 t und bis 7 Sitzplätze, sonst D2
Bulgarien E-Vignette 1 Tag 4,10 €, 7 Tage rund 7,70 €, 1 Monat rund 15 € Preise in Lewa, Wechselkurs
Rumänien E-Vignette (Rovinieta) 1 Tag rund 3,50 €, 10 Tage rund 6 €, 1 Monat rund 9,50 € Preise in Lei, Wechselkurs

Drei Dinge, die bei Vignetten immer wieder Geld kosten:

  • Nicht bei Wiederverkäufern kaufen. Die digitale Vignette gibt es bei der jeweiligen Behörde (ASFINAG, Via-Portal, DARS, edalnice.cz, eznamka.sk, ematrica) oder bei autorisierten Partnern wie dem ADAC. Drittseiten verlangen Aufschläge und liefern manchmal gar nichts.
  • Wartefrist beachten. Online gekaufte österreichische Zwei-Monats- und Jahresvignetten gelten aus Verbraucherschutzgründen erst ab dem 18. Tag nach dem Kauf. Die Tages- und 10-Tages-Vignette kannst du sofort nutzen, und an einer Verkaufsstelle gekaufte Vignetten gelten ebenfalls sofort.
  • Fehlende Vignette ist teuer. Österreich verlangt seit Januar 2026 eine Ersatzmaut von 200 Euro (so übereinstimmend österreichische und deutsche Presse; ASFINAG und ADAC nennen online keinen Betrag). Laut ADAC: Schweiz rund 217 Euro plus Vignette, Slowenien 300 bis 800 Euro, Tschechien ab rund 205 Euro.

Streckenmaut bis 3,5 t

In Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Kroatien und Polen zahlst du je gefahrener Autobahn-Strecke. Die Einstufung ist das, worauf du achten musst:

  • Frankreich: Klasse 1 für Pkw bis 2 m Höhe, Klasse 2 für Fahrzeuge bis 3,5 t mit 2 bis 3 m Höhe, also fast alle Wohnmobile. Klasse 3 ab 3 m Höhe oder über 3,5 t bei zwei Achsen, Klasse 4 bei drei und mehr Achsen (eine Tandemachse zählt als zwei) oder bei einem Gespann mit Zugfahrzeug über 3,5 t. Dachboxen, Antennen und Solarmodule zählen laut ADAC in der Regel nicht zur Höhe, feste Aufbauten wie Klimaanlagen schon. Zeigt die Schranke fälschlich Classe 3, hilft die Gegensprechanlage. Auf einigen Strecken gilt Free-Flow ohne Schranke, dann musst du innerhalb von 72 Stunden online zahlen.
  • Italien: Einstufung nach Achsen und Höhe an der Vorderachse (über 1,30 m: Klasse B). Zwillingsachsen zählen als zwei Achsen. Kassierautomaten, Karte oder Mautbox (Telepass-Spur).
  • Spanien: Viele Autobahnen sind inzwischen mautfrei, die verbleibenden Mautstrecken rechnen Wohnmobile ohne Zwillingsbereifung als leichte Fahrzeuge („Ligeros“) wie Pkw ab. Hat dein Wohnmobil Zwillingsbereifung an der Hinterachse, fällt es laut ADAC unabhängig vom Gewicht in die teurere Klasse „Pesados 1“.
  • Portugal: Einstufung nach Achsen, Wohnmobile sind meist Klasse 2. Auf reinen Elektronik-Strecken ohne Schranke brauchst du ein Gerät oder eine Registrierung, sonst drohen später Nachforderungen.
  • Kroatien: Komplett mautpflichtiges Autobahnnetz. Gruppe 1 unter 1,90 m Höhe, Gruppe 2 für Fahrzeuge bis 3,5 t über 1,90 m Höhe, also Wohnmobile. Zahlung an der Station oder mit Mautbox.
  • Polen: Staatliche Autobahnen sind für Fahrzeuge bis 3,5 t seit 2023 frei. Mautpflichtig sind drei private Konzessionsabschnitte (A1 Danzig–Toruń, A2 Świecko–Konin, A4 Katowice–Krakau), bezahlt an der Station oder per App.

Deutschland verlangt von Wohnmobilen im Normalfall keine Maut, auch nicht über 3,5 t. Die Lkw-Maut gilt seit Juli 2024 zwar ab 3,5 t technisch zulässiger Gesamtmasse, aber nur für Fahrzeuge, die für den Güterverkehr bestimmt sind oder dafür verwendet werden. Eine ausdrückliche Befreiung für Wohnmobile steht nicht im Gesetz, deshalb gibt es Grenzfälle: Fahrzeuge auf Lkw- oder Bus-Basis, die als Lkw zugelassen oder von außen nicht als Wohnmobil erkennbar sind, Fahrzeuge, deren Wohnbereich weniger als die Hälfte der Nutzfläche ausmacht, und große Anhänger, etwa ein Bootsanhänger mit mehr Ladefläche, als das Wohnmobil Wohnfläche hat. Die Beweislast liegt laut ADAC beim Halter; wer betroffen sein könnte, kann sich vorab bei Toll Collect registrieren.

Über 3,5 Tonnen: Andere Systeme

Hier wird es teuer und bürokratisch, weil viele Länder Wohnmobile über 3,5 t wie Lkw behandeln.

Österreich: GO-Box

Statt Vignette gilt die kilometerabhängige GO-Maut, abgerechnet über eine GO-Box, die du an Vertriebsstellen (meist Autobahntankstellen) mit dem Fahrzeugschein bekommst. Der Tarif hängt von Achszahl, Euro-Klasse und seit 2024 auch von der CO₂-Klasse ab. Die Falle: Seit dem 1. Dezember 2023 zählt die technisch zulässige Gesamtmasse (Feld F.1), nicht die eingetragene zulässige Gesamtmasse (F.2). Die Regel gilt für alle Fahrzeuge, nicht nur für neue. Ein auf 3,5 t abgelastetes Wohnmobil mit F.1 über 3,5 t braucht deshalb die GO-Box. Ausgenommen sind bis zum 31. Januar 2029 nur Fahrzeuge, deren zulässiges Gesamtgewicht schon vor dem 1. Dezember 2023 auf höchstens 3,5 t festgelegt war; sie fahren so lange weiter mit Vignette. Ab dem 1. Februar 2029 gilt die GO-Box für alle über 3,5 t technisch zulässiger Gesamtmasse. Ein Wohnmobil, das auch in F.2 über 3,5 t liegt, brauchte sie schon immer. Für schwere Wohnmobile gelten außerdem die vignettenfreien Grenzabschnitte (etwa Kiefersfelden bis Kufstein-Süd) nicht. Rechne für eine Alpenquerung mit einem zweistelligen Eurobetrag je Richtung, die ASFINAG hat einen Mautrechner.

Schweiz: Pauschale Schwerverkehrsabgabe (PSVA)

Über 3,5 t gibt es keine Vignette, sondern die PSVA. Sie gilt auf allen Straßen und für jeden Tag im Land, auch wenn das Fahrzeug nur auf dem Campingplatz steht. Tarife 2026 für Wohnmobile laut ADAC und BAZG: 3,25 CHF je Tag bei 1 bis 30 Tagen, mindestens 25 CHF, höchstens 58,50 CHF; 58,50 CHF je Monat; 650 CHF je Jahr. Bezahlt wird vor der Einreise online im Via-Portal oder per App, der Mindestbetrag je Zahlung sind 25 CHF. Ein angehängter Wohnwagen bis 3,5 t braucht zusätzlich die normale Vignette.

Frankreich: Klasse 3 oder 4

Über 3,5 t oder ab 3 m Höhe fällst du mit zwei Achsen in Klasse 3 mit deutlich höheren Sätzen, mit drei Achsen oder Tandemachse in Klasse 4. Oft wird nur die Höhe gemessen, sodass ein 3,85-Tonner unter 3 m als Klasse 2 durchrutschen kann; korrekt ist das nicht, und bei Free-Flow-Strecken wird nach Kennzeichen abgerechnet.

Weitere Länder

  • Slowenien: Streckenmaut mit DarsGo-Gerät statt Vignette.
  • Ungarn: Seit Januar 2026 brauchen Wohnmobile über 3,5 t die Vignette der Klasse D2 statt des Lkw-Systems HU-GO.
  • Tschechien, Slowakei, Polen, Bulgarien: Elektronische Lkw-Maut mit Bordgerät oder App, Registrierung nötig.
  • Italien, Kroatien, Portugal, Spanien: Höhere Klasse an der Station, teils eigene Mautbox-Produkte für Camper.

Der ADAC bietet eine Camper-Mautbox an, die in mehreren Ländern für Fahrzeuge über 3,5 t abrechnet. Prüfe vor der Reise, welche Länder gerade abgedeckt sind; Ungarn ist 2026 herausgefallen.

So planst du die Maut

  1. Fahrzeugschein ansehen: F.1, F.2, Höhe, Achsen, Sitzplätze. Daraus ergibt sich deine Klasse.
  2. Vignetten vor der Abfahrt digital bei der Behörde kaufen, Österreich mit Blick auf die 18-Tage-Frist.
  3. Für Streckenmaut Kreditkarte bereithalten; Bargeld wird nicht überall genommen.
  4. Über 3,5 t: GO-Box und PSVA einplanen, Mautrechner nutzen, Kosten in den Reisekostenrechner eintragen.
  5. Zwei Wochen vor der Fahrt die Länderseite beim ADAC prüfen, ob sich etwas geändert hat.

Wer die Maut ganz sparen will, fährt Landstraße. In Frankreich und Spanien ist das oft schöner als die Autobahn, in Kroatien und Slowenien kostet es viel Zeit. Die Rechnung lohnt sich nur, wenn du sie ehrlich gegen Kraftstoff und Nerven stellst.

Häufige Fragen

In welchen Ländern braucht ein Wohnmobil eine Vignette?

Bis 3,5 t unter anderem in Österreich, der Schweiz, Slowenien, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Bulgarien und Rumänien. In Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Kroatien und Polen wird dagegen nach gefahrener Strecke abgerechnet.

Muss ein Wohnmobil in Deutschland Maut zahlen?

Im Normalfall nicht, auch nicht über 3,5 t, weil die Lkw-Maut nur für Fahrzeuge des Güterverkehrs gilt. Grenzfälle sind Fahrzeuge, die als Lkw zugelassen oder nicht als Wohnmobil erkennbar sind, und große Anhänger.

Braucht mein Wohnmobil in Österreich eine GO-Box?

Ja, wenn die technisch zulässige Gesamtmasse im Feld F.1 über 3,5 t liegt. Ausgenommen sind bis zum 31. Januar 2029 nur Fahrzeuge, deren zulässiges Gesamtgewicht schon vor dem 1. Dezember 2023 auf höchstens 3,5 t festgelegt war.

Welche Mautklasse hat ein Wohnmobil in Frankreich?

Bis 3,5 t und mit 2 bis 3 m Höhe Klasse 2, das trifft auf fast alle Wohnmobile zu. Ab 3 m Höhe oder über 3,5 t ist es mit zwei Achsen Klasse 3, mit drei und mehr Achsen Klasse 4.

Was kostet die Schweiz mit einem Wohnmobil über 3,5 t?

Statt der Vignette gilt die pauschale Schwerverkehrsabgabe: 2026 sind das 3,25 CHF je Tag, mindestens 25 CHF, oder 58,50 CHF je Monat und 650 CHF je Jahr. Bezahlt wird vor der Einreise online oder per App.

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