🇵🇹 Portugal mit Wohnmobil und Wohnwagen
Atlantikküste, milde Winter und günstige Plätze; die elektronische Maut braucht eine Registrierung vor der ersten Fahrt, und das freie Übernachten ist seit 2021 auf 48 Stunden je Gemeinde begrenzt, in Schutzgebieten verboten.
Stand 13.10.2026 · Angaben ohne Gewähr, vor der Abfahrt die amtlichen Quellen prüfen.

Steckbrief
- Maut
- Streckenmaut auf fast allen Autobahnen. Zwei Systeme: klassische Mautstationen (Ticket, bar oder Visa/Mastercard, auf einigen Strecken nur bar) und rein elektronische Strecken mit Kennzeichenerfassung (blaues Schild electronic toll only, u. a. A4, A17, A19, A28, A29, A33, A41, A42). Für die elektronischen Strecken müssen ausländische Kennzeichen vorab registriert sein: EasyToll (Kreditkarte, bis 30 Tage, 0,74 € Aktivierung plus 0,32 € je Fahrt), Toll Card (Prepaid 5 bis 40 €, 1 € Aktivierung plus 0,32 € je Fahrt, bei CTT-Postämtern oder online) oder Transponder Via Verde Visitors bzw. ADAC Mautbox. A22 (Algarve), A23, A24 und A25 sind seit 2025 bzw. 2026 mautfrei. Fast alle Wohnmobile zahlen Klasse 2 (Vorderachse ab 1,10 m Höhe), Tandemachsen zählen als zwei Achsen
- Vignette
- Keine
- Tempolimit Wohnmobil bis 3,5 t
- Autobahn 120, Schnellstraße 100, Landstraße 90, Ort 50
- Tempolimit Wohnmobil über 3,5 t
- Autobahn 100, Schnellstraße 90, Landstraße 80, Ort 50
- Tempolimit Gespann
- Autobahn 100, Schnellstraße 80, Landstraße 70, Ort 50
- Frei stehen / Übernachten außerhalb von Plätzen
- Seit 2021 geregelt (Art. 50-A Código da Estrada): Übernachten im Wohnmobil (mit Insassen zwischen 22 und 7 Uhr) außerhalb ausgewiesener Plätze ist nur bis 48 Stunden in derselben Gemeinde erlaubt und nur, wenn die Gemeinde keine strengere Verordnung hat. In Natura-2000-Gebieten, Schutzgebieten und Küstenzonen mit Küstenplan (POOC) ist es ganz verboten, das betrifft den Großteil der Küste. Bußgeld 60 bis 300 €, in Schutzgebieten und Küstenzonen 120 bis 600 € (Art. 50-A Abs. 4)
- Gasflaschen & Adapter
- Deutsche Flaschen werden nicht befüllt oder getauscht. Portugiesische Pfandflaschen (z. B. Repsol) an Tankstellen, mit Clip-on- oder Schraubanschluss plus Euro-Adapter. Tankflaschen an LPG-Tankstellen füllen
- Einreise mit Hund
- EU-Heimtierausweis, Mikrochip, Tollwutimpfung mindestens 21 Tage alt. Leinenpflicht in bewohnten Gebieten, Maulkorb nur für gelistete Rassen. Von Juni bis September sind die meisten Badestrände für Hunde gesperrt, ausgewiesene Hundestrände ganzjährig offen
- Promillegrenze
- 0,5 ‰ (unter drei Jahren Fahrpraxis 0,2 ‰)
- Pflichtausrüstung
- Warnweste ist nur für portugiesisch zugelassene Fahrzeuge Pflicht, trotzdem mitführen und bei Panne tragen. Überstehende Ladung (Fahrradträger) mit rot-weiß schraffierter Warntafel kennzeichnen. Abblendlicht auf der IP5 und beschilderten Strecken. Keine Winterreifenpflicht, Spikes verboten
- Umweltzonen
- Lissabon ZER, werktags 7 bis 21 Uhr: Zone 1 (Avenida da Liberdade, Baixa) sperrt Fahrzeuge mit Erstzulassung vor 2000, Zone 2 (innerhalb der Stadtachsen) vor 1996. Keine Registrierung nötig, Elektrofahrzeuge frei
- Notruf
- 112
- Währung
- Euro
- Beste Reisezeit
- Oktober bis April an der Algarve: mild, Überwinterer, Plätze gut gebucht. April bis Juni und September bis Oktober für Westküste und Norden. Juli und August an der Algarve voll und teuer
Portugal war lange das Land, in dem man mit dem Wohnmobil an jeder Klippe stehen konnte. Das ist seit 2021 vorbei: Die Küste ist weitgehend Schutzgebiet, und dort ist das Übernachten außerhalb ausgewiesener Plätze verboten. Dafür ist das Netz an Stellplätzen gewachsen, die Preise sind moderat, und die Winter sind die mildesten auf dem Festland. Die zweite Hürde ist die Maut: Auf einigen Autobahnen gibt es keine Schranke mehr, und wer dort ohne Registrierung fährt, bekommt Post.
Anreise und Routen
Portugal liegt am Ende Europas, die Anreise ist der lange Teil: ab Süddeutschland rund 2300 Kilometer durch Frankreich und Spanien. Die meisten fahren über Irún, Burgos und Salamanca nach Vilar Formoso oder über Madrid und Badajoz; beide Wege laufen fast nur über mautfreie spanische Autovías. Die französische Maut auf der Anreise ist teurer als alles, was du in Portugal zahlst. Die Fähre ab Spanien (Barcelona, Valencia) spart nichts.
Im Land sind die Entfernungen klein: Porto–Faro sind 550 Kilometer. Die Westküste (Costa Vicentina, Alentejo) ist rau und schön, der Norden (Minho, Douro) grün und weinreich, die Algarve im Winter voll mit Überwinterern. Mit dem Etappenplaner teilst du dir die Anreise ein, der Reisekostenrechner zeigt, was Maut und Diesel bis dorthin kosten.
Maut im Detail
Portugal betreibt zwei Mautsysteme nebeneinander. Auf den klassischen Autobahnen (etwa A1, A2, A3) ziehst du ein Ticket und zahlst an der Ausfahrt, bar oder mit Kreditkarte; auf einigen Strecken (A7, A8, A11, A15, Südteil der A17) geht nur bar. Zwischen zwei Mautpunkten darfst du höchstens 12 Stunden bleiben, sonst wird die längste mögliche Strecke doppelt berechnet.
Die zweite Gruppe sind die früheren Scut-Strecken, die heute rein elektronisch abgerechnet werden: ohne Schranke, mit Kennzeichenkameras unter blauen Portalen und dem Hinweis „electronic toll only“. Dazu gehören Abschnitte der A4, A17, A19, A28, A29, A33, A41 und A42. Hier kannst du nicht bezahlen, du musst vorher registriert sein. Für ausländische Kennzeichen gibt es drei Wege: EasyToll verknüpft dein Kennzeichen mit einer Kreditkarte, gilt 30 Tage und kostet 0,74 € Aktivierung plus 0,32 € je Fahrt (online oder an den Welcome Points hinter der Grenze, etwa Vilar Formoso an der A25, Vila Real de Santo António an der A22). Die Toll Card ist eine Prepaid-Karte mit 5 bis 40 € Guthaben, 1 € Aktivierung plus 0,32 € je Fahrt, erhältlich online und in CTT-Postämtern; sie gilt ein Jahr. Ein Transponder (Via Verde Visitors, ADAC Mautbox) deckt beide Systeme ab und lässt dich an klassischen Stationen durch die grüne Spur fahren, kostet aber Miete.
Gute Nachricht für Küstenreisende: Die A22 entlang der Algarve, die A23, A24 und seit 2026 die A25 sind mautfrei. Die Lissabonner Brücken (25 de Abril, Vasco da Gama) kosten nur Richtung Norden, Wohnmobile etwa das Doppelte eines Pkw. Zur Einstufung: Portugal misst die Höhe an der Vorderachse; ab 1,10 m bist du Klasse 2, und das trifft praktisch jedes Wohnmobil. Dreiachser und Tandemachsen zahlen Klasse 3. Mehr im Maut-Überblick.
Stellplätze und Campingplätze
Seit Januar 2021 regelt Artikel 50-A der Straßenverkehrsordnung das Übernachten im Wohnmobil, und seit August 2021 (Lei 66/2021) gilt die heutige Fassung. Übernachten heißt: Fahrzeug mit Insassen zwischen 22 und 7 Uhr. Außerhalb ausgewiesener Plätze ist das nur für höchstens 48 Stunden in derselben Gemeinde erlaubt, und auch nur, wenn die Gemeinde keine eigene, strengere Verordnung hat; viele Küstengemeinden haben eine. In Natura-2000-Gebieten, Naturschutzgebieten und allen Zonen mit Küstenplan (POOC) ist Übernachten und Abstellen ganz verboten, das umfasst praktisch die gesamte Westküste von Sines bis Sagres und große Teile der Algarve. Kontrolliert wird von GNR, PSP und Gemeinden, das Bußgeld beträgt nach Art. 50-A Abs. 4 zwischen 60 und 300 €, in Schutzgebieten und Küstenzonen 120 bis 600 €. Dass die Durchsetzung regional unterschiedlich streng ist, ändert an der Rechtslage nichts.
Im Gegenzug hat Portugal seit 2021 viele legale Plätze geschaffen: kommunale Áreas de Serviço para Autocaravanas (ASA), private Stellplätze auf Bauernhöfen und bei Weingütern sowie Campingplätze, die im Winter Langzeittarife anbieten. An der Algarve sind die Winterplätze gut gebucht, im Alentejo und im Norden findest du immer etwas.
Fahren
Wohnmobile bis 3,5 t fahren wie Pkw: 120 auf der Autobahn, 100 auf Schnellstraßen, 90 außerorts, 50 im Ort. Schwere Wohnmobile dürfen 100, 90 und 80, Gespanne 100, 80 und 70. Portugiesische Landstraßen sind oft eng und werden sportlich befahren; im Kreisverkehr hat, wer drin ist, Vorfahrt. Bußgelder werden gern sofort kassiert, bei Verweigerung kann das Fahrzeug festgehalten werden. Gelbe Markierungen am Fahrbahnrand sind Park- oder Halteverbot.
Die Warnwestenpflicht gilt nur für portugiesisch zugelassene Fahrzeuge, trotzdem gehört die Weste in Griffweite. Ein Fahrradträger, der hinten übersteht, braucht eine rot-weiß schraffierte Warntafel; die spanische Tafel wird akzeptiert. Lissabon hat eine Umweltzone (ZER) für sehr alte Fahrzeuge (Erstzulassung vor 2000 bzw. 1996), die Wohnmobile selten trifft; registrieren musst du nichts. Mit dem Wohnmobil fährst du ohnehin nicht nach Lissabon hinein, sondern stellst es außerhalb ab.
Mit Hund
Die Einreise ist Standard-EU. In bewohnten Gebieten gilt Leinenpflicht, Maulkorb nur für die gelisteten Rassen (unter anderem Fila Brasileiro; die aktuelle Liste vorher prüfen). Von Juni bis September sind die meisten Badestrände für Hunde gesperrt, dafür gibt es an der Algarve und im Westen ausgewiesene Hundestrände (praias para cães), die ganzjährig offen sind; außerhalb der Badesaison werden Hunde an vielen Stränden geduldet. Portugiesen sind hundefreundlich, Restaurants mit Terrasse und die meisten Stellplätze haben kein Problem. Mehr Ziele im Ratgeber zum Urlaub mit Hund.
Geld sparen
Portugal gehört zu den günstigsten Ländern Westeuropas für Wohnmobilisten. Kommunale Stellplätze kosten wenige Euro, Campingplätze im Winter mit Monatstarif oft unter 15 € am Tag. Die Maut sparst du, indem du die mautfreien Strecken (A22, A23, A24, A25) und die Nationalstraßen nutzt; die N2 und die Küstenstraßen sind ohnehin das Ziel, nicht die Autobahn. Registriere trotzdem vorab EasyToll oder Toll Card, denn ein einziger elektronischer Abschnitt ohne Registrierung bringt ein Bußgeld plus Verwaltungsgebühr. Diesel ist etwa auf deutschem Niveau, Supermarkttankstellen sind günstiger. Gas: Eine Tankflasche, die du an LPG-Tankstellen füllst, ist hier die bequemste Lösung; mit deutschen Flaschen fährst du voll los und rechnest mit dem Gasvorratsrechner, wann du eine portugiesische Pfandflasche brauchst.