🇨🇭 Schweiz mit Wohnmobil und Wohnwagen
Eine Jahresvignette für 40 Franken deckt alles bis 3,5 t ab; darüber zahlst du die Schwerverkehrsabgabe für jeden Aufenthaltstag, auch auf dem Campingplatz. Pässe sind das Ziel, nicht der Weg.
Stand 12.10.2026 · Angaben ohne Gewähr, vor der Abfahrt die amtlichen Quellen prüfen.

Steckbrief
- Maut
- Bis 3,5 t nur Vignette. Über 3,5 t pauschale Schwerverkehrsabgabe (PSVA) für jeden Tag im Land, auf allen Straßen: 3,25 CHF je Tag (1 bis 30 Tage, mindestens 25 CHF), 58,50 CHF je Monat, 650 CHF je Jahr, Stand 2026, vorab online im Via-Portal des BAZG. Extra: Großer St. Bernhard (Wohnmobil bis 3,5 t 50 CHF einfach), Munt la Schera (25 CHF), Autoverladungen
- Vignette
- 40 CHF für 14 Monate (1. Dezember bis 31. Januar des übernächsten Jahres), als Klebevignette oder E-Vignette aufs Kennzeichen; Anhänger und Wohnwagen bis 3,5 t brauchen eine eigene; keine Kurzzeitvignette. Über 3,5 t stattdessen PSVA
- Tempolimit Wohnmobil bis 3,5 t
- Autobahn 120, Autostraße 100, außerorts 80, Ort 50
- Tempolimit Wohnmobil über 3,5 t
- Autobahn 100, Autostraße 100, außerorts 80, Ort 50
- Tempolimit Gespann
- Autobahn und Autostraße 80; 100 nur mit Anhänger bis 3,5 t, der laut Typengenehmigung für 100 km/h zugelassen ist und Reifen ab Index J hat (seit 2021); außerorts 80; Ort 50
- Frei stehen / Übernachten außerhalb von Plätzen
- Nicht generell verboten, aber kantonal und kommunal stark eingeschränkt; in Nationalpark, Schutzgebieten, Jagdbanngebieten und Wildruhezonen verboten; vorher bei der Gemeinde fragen, auf Privatgrund nur mit Erlaubnis
- Gasflaschen & Adapter
- Graue deutsche Flaschen werden nicht getauscht und nur ausnahmsweise gefüllt; Schweizer Flasche (Vitogaz, Flaga) samt Regler mieten oder mit vollem Vorrat einreisen; Autogas-Netz dünn
- Einreise mit Hund
- Heimtierausweis, Chip, Tollwutimpfung mindestens 21 Tage alt; Hunde mit kupierten Ohren oder Rute dürfen nicht einreisen; Listenhunde, Leinenpflicht und Hundesteuer regeln die Kantone
- Promillegrenze
- 0,5 ‰; 0,1 ‰ für Neulenker in den ersten drei Jahren, Fahrlehrer und Berufsfahrer
- Pflichtausrüstung
- Pannendreieck griffbereit; Warnweste nicht Pflicht, aber dringend empfohlen; Wohnmobile über 3,5 t müssen einen 6-kg-Feuerlöscher mitführen; ganzjährig Abblendlicht oder Tagfahrlicht
- Umweltzonen
- Keine landesweiten; Genf und Umlandgemeinden schalten bei Smog eine Zone (Plakette Stick'Air, 6 bis 22 Uhr), die französische Crit'Air wird dort anerkannt
- Notruf
- 112 (außerdem 117 Polizei, 118 Feuerwehr, 144 Rettung, 1414 Rega)
- Währung
- Schweizer Franken (CHF); Euro wird oft angenommen, Wechselgeld kommt in Franken
- Beste Reisezeit
- Juni bis September für die Pässe (viele öffnen erst im Juni), Mai und Oktober für Seen und Täler günstiger und leerer
Die Schweiz ist kein Transitland, auch wenn die Gotthard-Route so tut. Wer nur durchfährt, zahlt 40 Franken Vignette für zwei Stunden Autobahn und verpasst alles, was das Land für Wohnmobilisten ausmacht: Pässe mit Kehren bis über 2.000 Meter, Stellplätze an Seen, die aussehen wie gemalt, und Campingplätze, die auch im Oktober noch offen haben. Teuer ist die Schweiz trotzdem, und zwar beim Essen, beim Diesel und bei allem über 3,5 t.
Anreise und Routen
Aus Deutschland führen vier Wege hinein: Basel (A 5/A 2, Richtung Gotthard und Tessin), Schaffhausen/Thayngen (A 81, Richtung Zürich und Graubünden), Konstanz/Kreuzlingen (Bodensee, Richtung Ostschweiz) und Lindau/St. Margrethen (A 96, Richtung Rheintal und Graubünden). Alle Zollübergänge sind rund um die Uhr besetzt; an Ferienwochenenden staut es in Basel und am Gotthard-Nordportal stundenlang.
Die Pässe sind der Grund für die Reise: Furka, Grimsel, Susten (das klassische Dreieck), Nufenen, Gotthard-Passstraße statt Tunnel, San Bernardino, Flüela, Albula, Julier, Klausen. Die meisten öffnen zwischen Ende Mai und Mitte Juni und schließen im Oktober mit dem ersten Schnee. Für Wohnmobile sind sie fahrbar, wenn die Bremsen in Ordnung sind und du den Motor bergab arbeiten lässt; Gespanne sind auf einigen Pässen eingeschränkt oder verboten. Wo die Straße fehlt, gibt es Autoverladungen durch den Berg: Furka, Lötschberg, Simplon, Vereina. Die Zugfahrt mit dem Wohnmobil ist eine Erfahrung für sich und auf der Furka oft der einzige Weg, wenn der Pass gesperrt ist.
Maut im Detail
Bis 3,5 t zulässiger Gesamtmasse ist die Rechnung einfach: Eine Vignette für 40 Franken, gültig vom 1. Dezember des Vorjahres bis zum 31. Januar des Folgejahres, also 14 Monate. Eine Kurzzeitvignette gibt es nicht, auch nicht für einen Tag. Du kannst sie als Klebevignette an der Grenze kaufen oder als E-Vignette im Via-Portal des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit auf dein Kennzeichen registrieren. Drittanbieter verlangen deutlich mehr für dieselbe Leistung. Ein Wohnwagen oder Anhänger braucht eine zweite Vignette, auch wenn das Zugfahrzeug über 3,5 t liegt.
Über 3,5 t wird es ein anderes System. Dann gilt die pauschale Schwerverkehrsabgabe (PSVA), und die hat zwei Eigenheiten, die Neulinge erwischen: Sie gilt auf allen Straßen, nicht nur auf der Autobahn, und sie wird für jeden Aufenthaltstag fällig, auch wenn das Fahrzeug zwei Wochen auf dem Campingplatz steht. Maßgeblich ist das zulässige Gesamtgewicht im Fahrzeugausweis, nicht die tatsächliche Beladung. Die Sätze 2026: 3,25 Franken je Tag für 1 bis 30 zusammenhängende Tage, mindestens 25 Franken; 58,50 Franken je Monat für 1 bis 11 Monate; 650 Franken für das Jahr. Bezahlt wird online vor der Einreise im Via-Portal. Für zwei Wochen Schweiz sind das 45,50 Franken, also nicht viel mehr als die Vignette; wer das Fahrzeug aber am Wohnort in Grenznähe hat und oft rüberfährt, zahlt schnell mehr.
Dazu kommen einzelne Tunnel und Verladungen mit eigener Gebühr: Großer St. Bernhard (Wohnmobil bis 3,5 t 50 Franken einfach, 80 Franken hin und zurück), Munt la Schera nach Livigno (25 Franken einfach, ganzjährig), Simplon-Verladung (Wohnmobil bis 3,5 t 27 Franken, über 3,5 t 46 Franken). Alle Preise Stand Februar 2026. Wie sich das Schweizer System von den Nachbarn unterscheidet, zeigt der Maut-Überblick für Europa.
Stellplätze und Campingplätze
Der TCS betreibt ein eigenes Netz von Campingplätzen, dazu kommen kommunale und private Plätze, oft an Seen und Flüssen. Die Preise liegen hoch: 40 bis 60 Franken für zwei Personen mit Strom sind in der Hauptsaison normal, am Vierwaldstättersee, Thunersee und im Tessin auch mehr. Reine Stellplätze gibt es weniger als in Deutschland, aber die Zahl wächst, und viele Gemeinden haben inzwischen Plätze mit Automat für 15 bis 30 Franken.
Freistehen ist in der Schweiz nicht generell verboten, aber Kantone und Gemeinden schränken es stark ein, und die Regeln wechseln an jeder Kantonsgrenze. Graubünden und das Wallis sind traditionell nachsichtiger auf abgelegenen Parkplätzen, der Nationalpark, Jagdbanngebiete, Wildruhezonen und Schutzgebiete sind überall tabu. Die verlässliche Methode: Bei der Gemeinde oder dem Tourismusbüro fragen, ob eine Nacht auf dem Parkplatz geduldet wird. Auf Privatgrund gilt wie überall die Erlaubnis des Eigentümers.
Fahren
Die Limits sind niedriger als in Deutschland und werden ernst genommen: 120 auf der Autobahn, 100 auf der Autostraße, 80 außerorts, 50 im Ort, und zwar für Pkw und Wohnmobile bis 3,5 t gleichermaßen. Über 3,5 t sind es 100 auf Autobahn und Autostraße. Gespanne fahren grundsätzlich 80; seit 2021 dürfen Anhänger bis 3,5 t auf Autobahnen und Autostraßen 100, wenn sie laut Typengenehmigung dafür zugelassen sind und Reifen mit mindestens Geschwindigkeitsindex J haben. Eine Prüfung oder Plakette ist nicht nötig, die Verantwortung liegt beim Fahrer.
Die Bußgelder sind die höchsten Europas und werden nach Einkommen bemessen, sobald es über eine Ordnungsbuße hinausgeht. Radarwarner sind verboten, auch als App-Funktion. Licht ist ganzjährig Pflicht, Tagfahrlicht reicht außerhalb von Tunneln. Ein Pannendreieck muss griffbereit sein, die Warnweste nicht, auch wenn der TCS sie dringend empfiehlt. Wohnmobile über 3,5 t müssen einen 6-kg-Feuerlöscher an leicht zugänglicher Stelle mitführen. Die Promillegrenze liegt bei 0,5, für Neulenker in den ersten drei Jahren bei 0,1.
Winterreifen sind nicht vorgeschrieben, aber wer mit Sommerreifen stecken bleibt oder einen Unfall verursacht, haftet mit. Wo „Schneeketten obligatorisch“ steht, gehören sie an mindestens zwei Antriebsräder. Spikes sind von November bis April erlaubt, aber nicht auf Autobahnen.
Mit Hund
Die Einreise aus der EU ist unkompliziert: Heimtierausweis, Chip, Tollwutimpfung mindestens 21 Tage alt. Zwei Dinge sind anders als bei den Nachbarn. Erstens dürfen Hunde mit kupierten Ohren oder kupierter Rute nicht einreisen, auch nicht für den Urlaub; es gibt Ausnahmen, aber die musst du vorab beantragen. Zweitens sind Listenhunde Kantonssache: Einige Kantone verbieten bestimmte Rassen ganz, andere verlangen Maulkorb oder Bewilligung. Wer einen Hund vom Typ American Staffordshire, Rottweiler oder Dogo hat, prüft vorher die Regeln der Kantone auf der Route.
Leinenpflicht gilt in vielen Kantonen während der Brut- und Setzzeit im Wald, in Städten und auf Campingplätzen ohnehin. Auf Bergwegen und Alpen ist der Hund wegen Weidevieh und Herdenschutzhunden an die Leine zu nehmen; begegnest du einer Herde mit Schutzhunden, weiche weit aus. Bahnen und Seilbahnen nehmen Hunde mit, meist gegen halben Fahrpreis.
Geld sparen
Das Fahrzeug unter 3,5 t zu halten, spart in der Schweiz doppelt: keine PSVA und 120 statt 100 auf der Autobahn. Wer ein schweres Fahrzeug fährt, kauft die PSVA tagesgenau und nur für die Tage im Land, nicht pauschal den Monat. Diesel ist teurer als in Deutschland, deshalb vor der Grenze volltanken; Supermärkte und Dörfer sind günstiger als Autobahnraststätten.
Essen gehen ist der große Kostenpunkt. Selbst kochen ist in der Schweiz keine Sparsamkeit, sondern Vernunft; Supermärkte wie Migros, Coop, Aldi und Lidl sind überall. Der Gasvorrat sollte stimmen, bevor du einreist, weil Füllen und Tauschen deutscher Flaschen praktisch nicht geht; rechne vorher mit dem Gasvorratsrechner. Nebensaison lohnt sich hier besonders: Im Oktober sind die Pässe oft noch offen, die Lärchen gelb, und die Plätze kosten ein Drittel weniger. Was die Tour insgesamt kostet, schätzt der Reisekostenrechner.