🇩🇪 Deutschland mit Wohnmobil und Wohnwagen

Dichtes Stellplatznetz, keine Maut, aber ein Tempolimit-Geflecht nach Gewicht: Ab 3,5 t zählt der Eintrag „Wohnmobil“ im Fahrzeugschein, sonst gilt 80 auf der Autobahn.

Stand 12.10.2026 · Angaben ohne Gewähr, vor der Abfahrt die amtlichen Quellen prüfen.

Schloss Neuschwanstein im Herbst
Schloss Neuschwanstein im Herbst

Steckbrief

Maut
Keine Pkw-Maut. Die Lkw-Maut ab 3,5 t gilt nicht für Wohnmobile mit fester Wohneinrichtung, die nur privat genutzt werden; Selbstausbauten und Lkw-Umbauten müssen das im Zweifel nachweisen (freiwillige Registrierung bei Toll Collect möglich)
Vignette
Keine
Tempolimit Wohnmobil bis 3,5 t
Autobahn ohne Limit (Richtgeschwindigkeit 130), Kraftfahrstraße 100, Landstraße 100, Ort 50
Tempolimit Wohnmobil über 3,5 t
3,5 bis 7,5 t: Autobahn und Kraftfahrstraße 100, aber nur mit Eintrag „Wohnmobil“ in der Zulassungsbescheinigung Teil I (sonst 80), Landstraße 80, Ort 50. Über 7,5 t: Autobahn 80, Landstraße 60
Tempolimit Gespann
Autobahn und Kraftfahrstraße 80, mit Tempo-100-Zulassung und Plakette am Anhänger 100; Landstraße 80; Ort 50
Frei stehen / Übernachten außerhalb von Plätzen
Wildcampen ist verboten; eine Nacht zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit ist geduldet, wo Parken erlaubt ist, aber ohne Campingverhalten (keine Stühle, keine Markise, keine Stützen)
Gasflaschen & Adapter
Graue 11-kg-Pfandflaschen überall tauschbar (rote Schutzkappe mitbringen); Tankflaschen an Autogas-Tankstellen füllbar. Deutsche Flaschen werden im Ausland meist weder getauscht noch gefüllt, also voll losfahren
Einreise mit Hund
Im Fahrzeug gilt der Hund als Ladung und muss gesichert sein (§ 22 StVO); Leinenpflicht regeln Länder und Gemeinden, im Wald meist während der Brut- und Setzzeit (etwa April bis Mitte Juli), in manchen Ländern ganzjährig
Promillegrenze
0,5 ‰; 0,0 ‰ in der Probezeit und unter 21 Jahren
Pflichtausrüstung
Warndreieck, Verbandskasten nach DIN 13164, eine Warnweste je Fahrzeug (Tragen empfohlen); über 3,5 t zusätzlich Warnleuchte; situative Winterreifenpflicht nur mit Alpine-Symbol
Umweltzonen
Gut drei Dutzend Umweltzonen, Einfahrt nur mit grüner Plakette (auch für ausländische Fahrzeuge); zusätzlich Dieselfahrverbote unter anderem in Stuttgart, München, Hamburg und Darmstadt
Notruf
112
Währung
Euro
Beste Reisezeit
Mai bis September; Küsten in den Sommerferien voll, Mittelgebirge, Alpenvorland und Flusstäler bis in den Oktober angenehm

Deutschland ist das bequemste Wohnmobilland Europas: keine Maut, keine Vignette, Tausende Stellplätze, Gasflaschen an jeder Ecke. Die Fallen liegen woanders, nämlich im Gewicht. Ab 3,5 t gelten andere Tempolimits, ab 3,5 t fragt die Lkw-Maut nach, und ab 3,5 t brauchst du eine Warnleuchte an Bord. Wer ein 3,5-Tonner fährt, muss dafür die Zuladung im Griff haben, die bei vielen Teilintegrierten knapper ist, als der Prospekt verspricht. Rechne das einmal nach mit dem Zuladungsrechner.

Anreise und Routen

Du bist schon da. Deshalb lohnt der Blick auf die Strecken, die Wohnmobilisten wirklich fahren: die Küsten (Nordsee mit Deichen und Fähren, Ostsee mit Bodden und Kreidefelsen), die Flusstäler (Mosel, Rhein, Elbe, Donau), die Mittelgebirge (Harz, Eifel, Schwarzwald, Bayerischer Wald) und das Alpenvorland mit der Deutschen Alpenstraße. Die Autobahnen sind frei, aber voll: Freitags ab 13 Uhr und in den Ferienwellen von Nordrhein-Westfalen und Bayern stehst du auf der A 1, A 7 und A 8. Plane Etappen nicht nach Kilometern, sondern nach Stunden, am besten mit dem Etappenrechner.

Für die Weiterfahrt nach Süden sind Deutschlands Nachbarn der Grund, sich vorher Gedanken zu machen: Österreich und die Schweiz kosten ab dem ersten Autobahnkilometer, Italien und Frankreich streckenweise. Einen Überblick, was wo fällig wird, gibt der Maut-Überblick für Europa.

Maut im Detail

Für Pkw und Wohnmobile bis 3,5 t gibt es keine Straßengebühr. Seit Juli 2024 beginnt die Lkw-Maut zwar bei 3,5 t technisch zulässiger Gesamtmasse, aber sie zielt auf den Güterverkehr. Ein Wohnmobil mit fester Wohneinrichtung (Betten, Küche, Toilette), das nur privat gefahren wird, bleibt mautfrei, auch mit 4,5 oder 7,5 t. Das gilt laut ADAC und dem Bundesamt für Logistik und Mobilität auch für dauerhaft umgebaute Lkw mit Kofferaufbau.

Zwei Gruppen müssen aufpassen. Erstens Fahrzeuge, die von außen nicht als Wohnmobil erkennbar sind: Expeditionsmobile, Unimog-Koffer, Pickups mit Absetzkabine. Hier kann die Kontrolle einen Nachweis verlangen, und das Bundesamt rät zur Eintragung als „Sonstiges Kfz Wohnmobil“ oder zur freiwilligen Registrierung bei Toll Collect, die zwei Jahre gilt. Zweitens Wohnmobile mit Ladefläche oder Anhänger: Der Wohnbereich muss mindestens die Hälfte der Nutzfläche ausmachen. Ist der Bootsanhänger größer als die Wohnfläche, wird Maut fällig, auch wenn das Boot privat ist.

Stellplätze und Campingplätze

Das deutsche Stellplatznetz ist das dichteste in Europa. Kommunale Plätze an Hallenbädern, Sportplätzen und Ortsrändern kosten meist 5 bis 15 Euro, oft mit Automat für Strom und Frischwasser. Dazu kommen Winzer- und Bauernhofplätze, Hafenplätze an der Küste und Plätze an Thermen. Bezahlt wird zunehmend per App oder Parkscheinautomat, Bargeld hilft trotzdem.

Freistehen ist rechtlich eine Grauzone mit klarer Kante: Eine Nacht im Fahrzeug, um wieder fahrtüchtig zu werden, ist auf jedem Parkplatz geduldet, auf dem dein Fahrzeug überhaupt parken darf. Sobald Stühle, Markise, Stützen oder Grill draußen sind, ist es Campen, und das ist im öffentlichen Raum eine Sondernutzung ohne Erlaubnis. Achte auf Zusatzschilder: Viele Kommunen sperren Parkplätze per Zeichen für Wohnmobile oder begrenzen die Parkdauer. Nationalparks, Naturschutzgebiete, Dünen und Strandwälle sind tabu.

Campingplätze reichen vom Fünf-Sterne-Resort an der Ostsee bis zum Vereinsplatz am Baggersee. In den Sommerferien der bevölkerungsreichen Länder sind Küste und Alpenrand ohne Reservierung kaum zu bekommen. Die Nebensaison beginnt mit dem Schulstart im September, und dann wird es schlagartig leer und günstiger.

Fahren

Die Tempolimits richten sich nach der zulässigen Gesamtmasse, und hier passieren die teuren Fehler. Bis 3,5 t fährst du wie ein Pkw: 100 auf der Landstraße, auf der Autobahn gilt die Richtgeschwindigkeit 130. Zwischen 3,5 und 7,5 t sind es außerorts 80 km/h. Auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen erlaubt die StVO für diese Klasse eigentlich nur 80 km/h; die Ausnahme auf 100 km/h gilt nur für Fahrzeuge, die in der Zulassungsbescheinigung Teil I ausdrücklich als Wohnmobil eingetragen sind. Prüfe das Feld, bevor du dich auf die 100 verlässt. Über 7,5 t sind es 60 außerorts und 80 auf der Autobahn.

Gespanne fahren 80 km/h, außerorts wie auf der Autobahn. Die Tempo-100-Zulassung bringt dich nur auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen auf 100, nicht auf der Landstraße, und sie setzt unter anderem Reifen mit Geschwindigkeitsindex L (120 km/h) und die Plakette am Heck des Anhängers voraus.

Dazu kommen die Winterregeln: Seit Oktober 2024 zählen bei Glätte, Schnee oder Reif nur noch Reifen mit Alpine-Symbol, reine M+S-Reifen gelten nicht mehr. Wer bei winterlichen Verhältnissen falsch bereift unterwegs ist, zahlt Bußgeld und riskiert bei einem Unfall die Mithaftung. Spikes sind verboten.

In Umweltzonen brauchst du die grüne Plakette, egal ob 3,5 oder 7,5 t und egal ob deutsches oder ausländisches Kennzeichen. Fahrzeuge über 3,5 t bekommen sie bei Prüforganisationen wie DEKRA oder TÜV, nicht über die Clubs. In einigen Städten gelten zusätzlich Dieselfahrverbote für ältere Euro-Klassen, Stuttgart hat das größte Gebiet.

Mit Hund

Rechtlich ist dein Hund im Fahrzeug Ladung und muss nach § 22 StVO gesichert sein: Box, Gurt oder Trenngitter. Bei einer Kontrolle kostet ein frei herumlaufender Hund 35 Euro, bei Gefährdung 60 Euro und einen Punkt, bei einem Unfall mehr. Für Reisen innerhalb Deutschlands brauchst du keinen Heimtierausweis, für jede Grenze dahinter schon, also nimm ihn mit.

Die Leinenpflicht ist Ländersache und obendrein Gemeindesache. Faustregel: Im Wald und in der Feldflur während der Brut- und Setzzeit (je nach Land ab März oder April bis Mitte Juli) gehört der Hund an die Leine, in Thüringen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen abseits der Wege ganzjährig. In Jagdrevieren und Schutzgebieten ist Freilauf praktisch immer verboten, und Niedersachsen droht mit Bußgeldern bis 5.000 Euro. An Strände dürfen Hunde oft nur an ausgewiesenen Abschnitten. Campingplätze nehmen Hunde meist auf, viele verlangen Impfpass und Haftpflichtnachweis an der Rezeption.

Geld sparen

Der größte Posten ist Diesel, nicht der Stellplatz. Mit 10 bis 14 Litern auf 100 km bei einem 3,5-Tonner entscheidet die Route über mehr Geld als jede Platzwahl. Die Autobahn ist frei, aber Autobahntankstellen sind 20 bis 30 Cent teurer als der Supermarkt im Ort. Rechne deine Tour vorab mit dem Reisekostenrechner durch; er zeigt dir, ob die Landstraße mit Tempo 80 am Ende günstiger ist.

Kommunale Stellplätze mit Automat schlagen jeden Campingplatz, und viele Winzer- und Hofplätze nehmen für die Nacht nichts, wenn du etwas kaufst. Gasflaschen tauschst du am günstigsten im Baumarkt oder an Tankstellen, nicht auf dem Platz. Und die Nebensaison ist in Deutschland lang: Von Mitte September bis Ende Oktober sind Plätze halb leer und oft zehn Euro billiger als im August, bei gleicher Landschaft. Weitere Länder mit ihren Steckbriefen findest du unter Länder.