Frankreich mit dem Wohnmobil: Mautklasse 2, Aires, France Passion, Crit'Air und die Regionen
Mautklasse 2 ab 2 m Höhe, Aires, France Passion und Camping-Car Park, Crit'Air-Plakette für Umweltzonen, Bretagne, Atlantik, Provence und Regeln für Hunde.
Stand 13.10.2026 · 7 Min. Lesezeit

Frankreich ist das Wohnmobilland Europas: Tausende kommunale Stellplätze (Aires), ein Netz aus Winzern und Bauern, die dich kostenlos übernachten lassen, und Küsten, die für jede Jahreszeit etwas haben. Drei Dinge musst du vorher klären: die Mautklasse deines Fahrzeugs, die Crit'Air-Plakette für Städte und die Frage, wo du im Sommer an der Küste überhaupt noch stehen darfst.
Maut: Klasse 2 ab 2 m Höhe
Französische Autobahnen sind fast alle mautpflichtig, abgerechnet nach Strecke und Fahrzeugklasse. Die Klasse hängt von Höhe und zulässigem Gesamtgewicht ab:
| Klasse | Fahrzeug |
|---|---|
| 1 | Höhe bis 2 m, bis 3,5 t (Pkw, flache Campingbusse) |
| 2 | Höhe über 2 m bis 3 m, bis 3,5 t (die meisten Wohnmobile und Kastenwagen) |
| 3 | Höhe über 3 m oder über 3,5 t, zwei Achsen |
| 4 | Höhe über 3 m oder über 3,5 t, drei und mehr Achsen |
| 5 | Motorräder |
Ein Kastenwagen mit Hochdach ist bereits Klasse 2. Ein Wohnmobil über 3,5 t oder mit Dachklimaanlage, die die 3-m-Marke überschreitet, zahlt Klasse 3, und das ist teuer: Die Tarife liegen deutlich über Klasse 2. Da die Einstufung an automatischen Mautstellen per Sensor erfolgt, werden Klasse-2-Fahrzeuge mit Antenne oder Dachbox gelegentlich als Klasse 3 erfasst. Prüfe die Anzeige, bevor du zahlst; bei falscher Klasse drückst du die Sprechtaste und sagst „camping-car, classe deux“.
Eine Mautbox (Télépéage, etwa von bip&go, Ulys oder über den ADAC) erspart das Anhalten und ordnet die Klasse per Vertrag zu; sie lohnt sich ab ein paar Fahrten pro Jahr. Einzelne Autobahnen (A79 in der Auvergne, A13 und A14 in der Normandie) laufen inzwischen ohne Mautstationen über Kennzeichenerfassung; dort musst du innerhalb von 72 Stunden online bezahlen, sonst gibt es eine Strafgebühr. Die Preise je Strecke zeigen die Betreiber auf ihren Seiten; für die Gesamtkalkulation hilft der Reisekostenrechner. Wer Zeit hat, fährt auf den Nationalstraßen: kostenlos, langsamer, oft schöner.
Aires: das französische Stellplatzsystem
Eine „aire de camping-car“ oder „aire de services“ ist ein Stellplatz, oft von der Gemeinde betrieben, mit Entsorgung, Frischwasser und manchmal Strom. Viele sind kostenlos oder kosten wenige Euro, der Aufenthalt ist meist auf 24 bis 72 Stunden begrenzt. Nicht zu verwechseln mit den „aires“ an der Autobahn, den Rastplätzen; dort zu übernachten ist erlaubt, aber wegen Diebstählen nicht zu empfehlen.
Zwei Netzwerke ergänzen die kommunalen Plätze:
- France Passion: Winzer, Bauern, Käsereien und Handwerksbetriebe (rund 2.200 Gastgeber, Stand 2026) bieten autarken Wohnmobilen eine kostenlose Übernachtung auf ihrem Gelände an. Du kaufst einmal im Jahr den Führer mit Mitgliedskarte, App und Vignette (gültig jeweils von März bis März des Folgejahres), meldest dich beim Gastgeber an und bleibst eine Nacht. Erwartet wird kein Kauf, aber jeder tut es. Es gibt keine Infrastruktur: kein Strom, keine Entsorgung, kein Sanitär.
- Camping-Car Park: Ein kommerzielles Netz von Stellplätzen mit Schranke, Strom und Entsorgung, zugänglich mit einer Kundenkarte, die du einmal kaufst und online auflädst. Die Belegung siehst du in Echtzeit in der App, die Preise liegen unter denen eines Campingplatzes. Praktisch für die Durchreise; manche Plätze liegen weit außerhalb der Orte.
Einzelne Plätze bewerten wir hier nicht; die Verzeichnisse und Apps sind aktueller.
Freistehen in Frankreich
Freistehen ist nicht landesweit verboten. Ein Wohnmobil darf parken, wo ein Pkw parken darf, und im geparkten Fahrzeug zu schlafen ist erlaubt, solange du nicht campierst. Die Gemeinden dürfen aber per Verordnung Wohnmobile ausschließen, und entlang der Küsten tun sie das im Sommer fast alle: Parkverbotsschilder mit Wohnmobil-Piktogramm, Höhenschranken von 2 m an Strandparkplätzen, nächtliche Parkverbote. Im Binnenland und außerhalb der Saison ist es deutlich entspannter. Wo ein Schild steht, gilt es; Bußgelder werden vollstreckt.
Crit'Air: die Plakette für Umweltzonen
Für die Umweltzonen (ZFE) in Städten wie Paris, Lyon, Grenoble, Marseille, Montpellier, Straßburg und Toulouse brauchst du eine Crit'Air-Plakette, auch mit deutschem Kennzeichen; die deutsche Umweltplakette gilt nicht. Die Plakette gibt es ausschließlich auf der amtlichen Seite certificat-air.gouv.fr für wenige Euro plus Versand ins Ausland; alle anderen Anbieter verlangen ein Vielfaches. Die Lieferung dauert etwa zehn Werktage, die Bestellbestätigung gilt als vorläufiger Nachweis. Die Farbe richtet sich nach Euro-Norm und Erstzulassung, und ältere Diesel bekommen eine Klasse, mit der sie in Paris und Lyon nicht mehr einfahren dürfen. Ohne Plakette in einer Zone drohen Bußgelder, für schwere Fahrzeuge höhere.
Politisch ist das Thema in Bewegung: Das französische Parlament hat im April 2026 die Abschaffung der ZFE beschlossen, der Verfassungsrat hat die Bestimmung im Mai 2026 aus verfahrensrechtlichen Gründen gekippt. Stand Sommer 2026 bestehen die Zonen weiter, und die Plakette bleibt Pflicht. Prüfe vor einer Städtetour den aktuellen Stand beim ADAC. Praktisch gilt ohnehin: Mit dem Wohnmobil in die Innenstadt von Paris oder Lyon zu fahren, ist keine gute Idee; Campingplatz am Rand und Bahn sind der bessere Weg.
Regionen: Bretagne, Atlantik, Provence
| Region | Was sie ausmacht | Beste Zeit | Worauf achten |
|---|---|---|---|
| Bretagne | Zerklüftete Küste, Gezeiten, Steinkreise, viele Aires | Mai bis September; im Sommer milder als der Süden | Westwind und Regen auch im Sommer, enge Küstenstraßen |
| Atlantikküste (Vendée bis Baskenland) | Endlose Sandstrände, Dünen, Surfen, Pinienwälder | Juni, September; Juli und August voll | Sommer-Parkverbote an fast allen Stränden, Campingplätze reservieren |
| Provence | Lavendel (Juni, Juli), Lichter, Märkte, Hinterland | April bis Juni, September, Oktober | Hitze im Hochsommer, Mistral, Waldbrandgefahr mit Zufahrtssperren |
| Loire, Burgund, Dordogne | Schlösser, Flüsse, Wein, France-Passion-Dichte | Mai bis Oktober | Entspannt, kaum Verbote, Nationalstraßen mautfrei |
Wer Frankreich zum ersten Mal mit dem Wohnmobil bereist, startet am besten im Binnenland oder in der Bretagne außerhalb der Ferien; die Atlantikküste im August und die Côte d'Azur generell sind die schwierigsten Pflaster.
Mit Hund in Frankreich
Für die Einreise gilt der EU-Standard: Mikrochip, gültige Tollwutimpfung, EU-Heimtierausweis. Frankreich hat außerdem ein Rassengesetz mit zwei Kategorien: Hunde der Kategorie 1 (Pitbull-Typen und ähnliche ohne Stammbaum) dürfen nicht einreisen; Kategorie 2 (unter anderem Rottweiler sowie American Staffordshire und Tosa mit Stammbaum) nur mit Auflagen wie Maulkorb und Leine in der Öffentlichkeit und Nachweisen, die für Urlauber praktisch kaum zu erbringen sind. Wenn dein Hund in diese Richtung geht, kläre es mit der Botschaft, bevor du fährst.
Strände regeln die Gemeinden; im Sommer sind Hunde an den meisten Badestränden verboten, oft mit Ausnahmen früh morgens und abends. Die Bretagne ist am entspanntesten, die Provence im Sommer wegen der Hitze schwierig. Auf Campingplätzen sind Hunde üblich, Aires haben keine Beschränkung. Mehr dazu in den Beiträgen Camping mit Hund und Reiseziele mit Hund.
Fahren: Tempo, Pflichten, Gas
Wohnmobile bis 3,5 t fahren auf der Autobahn 130, bei Regen 110, auf Schnellstraßen 110, außerorts 80 (auf manchen Départementstraßen wieder 90), innerorts 50. Über 3,5 t gelten 110 auf der Autobahn, 100 auf Schnellstraßen und 80 außerorts. Die Promillegrenze liegt bei 0,5. Warnweste und Warndreieck sind Pflicht. Blitzerwarner sind verboten, auch als App-Funktion.
Gas: Deutsche graue Flaschen werden in Frankreich nicht getauscht. Entweder du fährst mit vollen Flaschen los (der Gasvorrat-Rechner sagt dir, wie lange sie reichen), oder du kaufst vor Ort eine französische Flasche mit Adapter. Die aktuellen Werte zu Maut, Tempo und Pflichtausrüstung stehen im Steckbrief Frankreich.
Häufige Fragen
Welche Mautklasse hat ein Wohnmobil in Frankreich?
Die meisten Wohnmobile und Kastenwagen bis 3,5 t mit über 2 m bis 3 m Höhe fahren in Klasse 2. Über 3 m Höhe oder über 3,5 t gilt Klasse 3, mit drei und mehr Achsen Klasse 4.
Darf man in Frankreich mit dem Wohnmobil frei stehen?
Landesweit verboten ist es nicht: Ein Wohnmobil darf parken, wo ein Pkw parken darf, und du darfst darin schlafen, solange du nicht campierst. Die Gemeinden dürfen Wohnmobile aber ausschließen, und an den Küsten tun sie das im Sommer fast alle.
Brauche ich für Frankreich eine Umweltplakette?
Für die Umweltzonen in Städten wie Paris, Lyon, Grenoble oder Straßburg brauchst du die Crit’Air-Plakette, auch mit deutschem Kennzeichen. Es gibt sie nur auf der amtlichen Seite certificat-air.gouv.fr; die deutsche Umweltplakette gilt nicht.
Was ist France Passion?
Ein Netz aus Winzern, Bauern und Handwerksbetrieben, bei denen autarke Wohnmobile eine Nacht kostenlos stehen dürfen. Du kaufst einmal im Jahr den Führer mit Mitgliedskarte. Strom, Entsorgung und Sanitär gibt es dort nicht.
Kann ich deutsche Gasflaschen in Frankreich tauschen?
Nein, deutsche graue Flaschen werden in Frankreich nicht getauscht. Fahr mit vollen Flaschen los oder kauf vor Ort eine französische Flasche mit Adapter.
Quellen und weiterführende Links
- Autopay: Mit dem Camper durch Frankreich (Mautklassen)
- Camperstyle: Maut für Wohnmobile in Frankreich
- Service-public.fr: Crit'Air beantragen (amtlich)
- promobil: Die Crit'Air-Falle für Camper
- Sud Radio: ZFE nach der Entscheidung des Verfassungsrats (Juni 2026)
- France Passion: Wer wir sind
- France.fr: Mit dem Hund nach Frankreich
- PiNCAMP: Camping mit Hund in Frankreich