🇦🇹 Österreich mit Wohnmobil und Wohnwagen

Alpenland mit Vignettenpflicht ab dem ersten Autobahnkilometer; über 3,5 t technischer Gesamtmasse wird die GO-Box fällig, und Freistehen ist in fast jedem Bundesland verboten.

Stand 12.10.2026 · Angaben ohne Gewähr, vor der Abfahrt die amtlichen Quellen prüfen.

Serpentinen der Großglockner-Hochalpenstraße
Serpentinen der Großglockner-Hochalpenstraße

Steckbrief

Maut
Bis 3,5 t tzGm Vignette plus Sondermaut auf Brenner (A13, 12,50 €), Tauern (A10, 15 €), Pyhrn (Bosruck 7 €, Gleinalm 12 €), Karawankentunnel (9 €) und Arlbergtunnel (13 €), je einfache Fahrt, Stand 2026. Über 3,5 t tzGm fahrleistungsabhängige GO-Maut mit GO-Box nach Achsen, Euro- und CO₂-Klasse, auch auf den Sondermautstrecken
Vignette
Pflicht bis 3,5 t tzGm: 1 Tag 9,60 € (nur digital), 10 Tage 12,80 €, 2 Monate 32,00 €, Jahr 106,80 € (Stand 2026, Klebe- oder Digitalvignette). Anhänger brauchen keine. Online gekaufte 2-Monats- und Jahresvignetten gelten frühestens am 18. Tag nach dem Kauf
Tempolimit Wohnmobil bis 3,5 t
Autobahn 130 (auf A10, A12, A13, A14 nachts 110), Schnellstraße 100, Landstraße 100, Ort 50; IG-L-Schilder mit 100 gelten für alle Verbrenner
Tempolimit Wohnmobil über 3,5 t
Autobahn 80, Schnellstraße 80, Landstraße 70, Ort 50
Tempolimit Gespann
Anhänger bis 750 kg: Autobahn 100, Landstraße 100. Summe der zulässigen Gesamtgewichte bis 3,5 t: Autobahn 100, Landstraße 80. Darüber (das typische Wohnwagengespann): Autobahn 80, Landstraße 70. Ort immer 50
Frei stehen / Übernachten außerhalb von Plätzen
Ländersache und fast überall verboten: Kärnten, Niederösterreich, Burgenland und Tirol untersagen das Übernachten im Wohnmobil außerhalb von Campingplätzen, Salzburg entscheidet je Gemeinde; in Schutzgebieten drohen Strafen bis 14.500 €
Gasflaschen & Adapter
Anschluss und Tauschsystem sind dem deutschen sehr ähnlich; graue deutsche Flaschen tauschen manche Händler, ein Anspruch besteht nicht. Tankflaschen an Autogas-Tankstellen füllbar
Einreise mit Hund
EU-Heimtierausweis mit Chip und Tollwutimpfung; Leinen- und Maulkorbpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und Seilbahnen, sonst regelt es jede Gemeinde (Wien: im öffentlichen Raum Leine oder Maulkorb)
Promillegrenze
0,5 ‰; 0,1 ‰ mit Probeführerschein sowie für Lkw- und Busfahrer
Pflichtausrüstung
Warndreieck, Verbandszeug, Warnweste für den Lenker (beim Aussteigen außerorts anlegen); Winterausrüstung 1. November bis 15. April bei winterlichen Verhältnissen, über 3,5 t Winterreifen auf einer Antriebsachse in diesem Zeitraum
Umweltzonen
Keine Umweltzonen und keine Plakette für Pkw und Wohnmobile; die Abgasplakettenpflicht trifft nur als Lkw (Klasse N) zugelassene Fahrzeuge in Sanierungsgebieten. IG-L-Tempolimits auf Autobahnen beachten
Notruf
112
Währung
Euro
Beste Reisezeit
Juni bis September für Pässe und Hochtäler, Mai und Oktober für Seen, Wein- und Flusslandschaften; im Winter nur mit Winterausrüstung und Gasreserve

Österreich ist für viele das erste Ausland, und es stellt gleich die zwei Fragen, die dich die ganze Reise begleiten: Was wiegt dein Fahrzeug, und wo darfst du nachts stehen? Die Antwort auf die erste entscheidet über Vignette oder GO-Box, die Antwort auf die zweite lautet fast überall „auf dem Campingplatz“. Dafür sind die Straßen hervorragend, die Pässe spektakulär, und das Gasflaschensystem ist dem deutschen so ähnlich wie sonst nirgends.

Anreise und Routen

Die drei klassischen Zufahrten sind die A 8 über Salzburg (nach Kärnten, Slowenien, Kroatien), die A 93 über Kufstein ins Inntal (nach Tirol, über den Brenner nach Italien) und die A 96 über Lindau nach Vorarlberg. Alle drei enden auf vignettenpflichtigen Autobahnen, und auf allen dreien stehst du an Ferienwochenenden im Stau. Wer Zeit hat, fährt die Deutsche Alpenstraße bis Berchtesgaden und wechselt erst dort.

Die Alpenübergänge sind das eigentliche Programm: Großglockner-Hochalpenstraße (eigene Maut, nicht in der Vignette enthalten), Timmelsjoch, Silvretta, Gerlos, Nockalmstraße. Alle verlangen Extragebühren, einige sind für Gespanne oder Fahrzeuge über einer bestimmten Länge gesperrt. Die Tauernautobahn A 10 und die Brennerautobahn A 13 sind die schnellen Wege nach Süden, aber beide sind Sondermautstrecken, bei denen die Vignette nicht reicht. Was dich das insgesamt kostet, rechnest du am besten vorab mit dem Reisekostenrechner durch.

Maut im Detail

Für Fahrzeuge bis 3,5 t technisch zulässiger Gesamtmasse (tzGm, Feld F.1 im Fahrzeugschein) gilt die Vignette auf allen Autobahnen und Schnellstraßen. Preise 2026: 9,60 Euro für einen Tag, 12,80 Euro für zehn Tage, 32 Euro für zwei Monate, 106,80 Euro für das Jahr. Die Tagesvignette gibt es nur digital. Klebe- und Digitalvignette kosten gleich viel; ab dem Vignettenjahr 2027 soll es nur noch die digitale geben. Kaufst du die 2-Monats- oder Jahresvignette online, gilt sie wegen des Verbraucherschutzes frühestens am 18. Tag nach dem Kauf, also rechtzeitig bestellen oder an der Grenze kaufen.

Wichtig seit Dezember 2023: Nicht das zulässige Gesamtgewicht zählt, sondern die technisch zulässige Gesamtmasse. Ein auf 3,5 t abgelastetes Wohnmobil mit 4,25 t tzGm braucht die GO-Box. Für solche Fahrzeuge, die vor Dezember 2023 erstmals zugelassen wurden, gilt eine Übergangsfrist bis Ende Januar 2029, in der die Vignette noch reicht.

Über 3,5 t tzGm zahlst du fahrleistungsabhängig mit der GO-Box (12 Euro Erstausgabe, Guthaben 150 bis 750 Euro) oder einer Mautbox eines Anbieters. Der Tarif hängt von Achsen, Euro-Klasse und CO₂-Klasse ab; Wohnmobile werden derzeit pauschal der teuersten CO₂-Klasse 1 zugeordnet. Die Tariftabelle 2026 der Wirtschaftskammer nennt für zwei Achsen je nach Euro-Klasse rund 28 bis 33 Cent je Kilometer ohne Umsatzsteuer, Sondermautstrecken kosten extra. Ob dein Wohnmobil exakt in der Lkw-Spalte landet, lässt sich öffentlich nicht eindeutig nachlesen; rechne mit dieser Größenordnung und prüfe den Tarif bei der ASFINAG. Für 500 Autobahnkilometer kommen so schnell 150 bis 200 Euro zusammen, und damit ist die Landstraße für schwere Fahrzeuge oft die bessere Wahl.

Die Sondermautstrecken (Stand 2026, einfache Fahrt, bis 3,5 t): Brenner Innsbruck–Brennerpass 12,50 Euro, Tauern Gesamtstrecke 15 Euro, Pyhrn mit Bosruck- und Gleinalmtunnel 19 Euro, Karawankentunnel 9 Euro, Arlbergtunnel 13 Euro. Digitale Streckentickets gibt es im ASFINAG-Shop, sie ersetzen die Vignette nicht. Mehr zum Systemvergleich steht im Maut-Überblick für Europa.

Stellplätze und Campingplätze

Österreich hat deutlich weniger reine Stellplätze als Deutschland, dafür gute Campingplätze, viele davon ganzjährig offen und an Seen gelegen. Winterplätze mit Skibus-Anschluss sind eine eigene Kultur. Die Preise liegen im Sommer meist zwischen 35 und 55 Euro für zwei Personen mit Strom; Ortstaxe und Mülltaxe kommen obendrauf.

Freistehen ist Ländersache, und die Antwort ist fast überall nein. Kärnten verbietet das Abstellen von Wohnwagen und Wohnmobilen außerhalb von Campingplätzen per Naturschutzgesetz, Niederösterreich ebenso im Grünland, das Burgenland in der freien Landschaft, Tirol gilt als streng. In Salzburg entscheidet der Bürgermeister je Gemeinde. Was bundesweit gilt: Auf Privatgrund brauchst du die ausdrückliche Erlaubnis des Eigentümers, im Wald ist nächtliches Lagern nur mit Erlaubnis zulässig, und in Nationalparks und Schutzgebieten reichen die Strafen bis 14.500 Euro. Die einzige geduldete Ausnahme ist eine kurze Pause, um wieder fahrtüchtig zu werden. Wer frei stehen will, sucht sich einen Bauernhof oder einen Gasthof mit Parkplatz und fragt.

Fahren

Bis 3,5 t fährst du 130 auf der Autobahn und 100 auf der Landstraße. Auf der Inntal-, Tauern-, Brenner- und Rheintalautobahn gilt nachts zwischen 22 und 5 Uhr 110. Dazu kommen die IG-L-Abschnitte: Steht unter dem 100er-Schild „IG-L“, gilt das Limit für alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, und die Strafen sind höher als bei normalen Tempoverstößen.

Über 3,5 t wird es gemächlich: 70 auf der Landstraße, 80 auf Schnellstraße und Autobahn. Gespanne richten sich nach der Summe der zulässigen Gesamtgewichte. Bleibt sie unter 3,5 t, darfst du 80 außerorts und 100 auf der Autobahn; das typische Wohnwagengespann mit Pkw und 1,5-Tonnen-Caravan liegt darüber und fährt 70 beziehungsweise 80.

Winterausrüstung ist vom 1. November bis 15. April Pflicht, sobald die Straße winterlich ist: Winterreifen mit mindestens 4 mm (Radial) oder Schneeketten auf den Antriebsrädern. Fahrzeuge über 3,5 t müssen in diesem Zeitraum Winterreifen auf mindestens einer Antriebsachse haben, unabhängig vom Wetter. Die Promillegrenze liegt bei 0,5, mit Probeführerschein bei 0,1. An Bord gehören Warndreieck, Verbandszeug und eine Warnweste für den Lenker.

Mit Hund

Für die Einreise reicht der EU-Heimtierausweis mit Chip und gültiger Tollwutimpfung. Im Land gibt es keine bundesweite Leinen- oder Maulkorbpflicht; das regelt jede Gemeinde selbst, und Tirol hat deshalb so viele Regelungen wie Gemeinden. Verlässlich gilt: In Bussen, Bahnen und Seilbahnen sind Leine und Maulkorb Pflicht. Wien verlangt im öffentlichen Raum Leine oder Maulkorb, für Listenhunde beides. Auf Almen und Wanderwegen gilt wegen des Weideviehs ohnehin Leine, und Mutterkühe sind der häufigste Grund für Unfälle mit Hund. Pack den Maulkorb ein, auch wenn du ihn nie brauchst; an einer Seilbahn ohne ihn abgewiesen zu werden, ist ärgerlicher als das Gewicht.

Geld sparen

Die Vignette ist bei mehr als zwei Einzelreisen im Jahr als Jahresvignette günstiger als drei Zehntagesvignetten. Wer nur durchfährt, kommt mit der Tagesvignette für 9,60 Euro weiter als mit der alten Zehntagesvignette. Sondermautstrecken lassen sich umgehen: Der Brenner über die Bundesstraße B 182 kostet nichts, dauert aber eine Stunde länger, und Tirol verhängt dort zeitweise Fahrverbote gegen den Ausweichverkehr; informiere dich vor der Fahrt. Die Tauernautobahn ersetzt der Weg über den Radstädter Tauern und Katschberg, beides Passstraßen, die ein 3,5-Tonner im Sommer gut schafft.

Für Fahrzeuge über 3,5 t ist die Landstraße fast immer billiger, weil die GO-Maut pro Kilometer abrechnet. Diesel ist in Österreich meist günstiger als in Deutschland, Autobahntankstellen ausgenommen. Campingplätze an kleineren Seen in Kärnten und im Salzkammergut sind außerhalb der Ferien oft 20 Prozent billiger als in der Hauptsaison, und Mai wie Oktober sind an den Seen die schönsten Monate. Den Gasvorrat solltest du vor der Fahrt in die Berge einmal durchrechnen, Heizung im Herbst zieht mehr, als man denkt: Gasvorratsrechner.