Was kostet ein Wohnmobil im Unterhalt? Die Posten im Jahr, belegt und zum Selbstrechnen
Steuer, Versicherung, HU, Gasprüfung und Dichtigkeitsprüfung mit belegten Beträgen. Dazu der Rechenweg für Wertverlust, Reifen, Wartung und Unterstellplatz.
Stand 13.10.2026 · 7 Min. Lesezeit

Für ein Wohnmobil mit 3,5 Tonnen lassen sich fünf feste Posten sauber beziffern: Kfz-Steuer, Versicherung, Hauptuntersuchung, Gasprüfung und Dichtigkeitsprüfung. Zusammen sind das je nach Versicherungsschutz rund 480 bis 1.460 Euro im Jahr (Stand Oktober 2026). Die großen Brocken stehen aber auf keiner dieser Rechnungen: Wertverlust, Wartung, Reifen und der Unterstellplatz. Für sie gibt es keine verlässlichen Durchschnittswerte, wohl aber einen Rechenweg.
Die fünf belegten Posten
Die folgende Tabelle gilt für ein Wohnmobil mit 3.500 Kilogramm zulässigem Gesamtgewicht und Schadstoffklasse S 4 oder besser.
| Posten | Betrag | Auf ein Jahr gerechnet | Quelle |
|---|---|---|---|
| Kfz-Steuer | 240 € im Jahr | 240 € | § 9 KraftStG |
| Hauptuntersuchung mit Abgasuntersuchung | rund 160 €, alle zwei Jahre | rund 80 € | ADAC, 2026 |
| Gasprüfung | 40 bis 80 €, alle zwei Jahre | 20 bis 40 € | ADAC, 2026 |
| Dichtigkeitsprüfung | 60 bis 200 €, jährlich | 60 bis 200 € | PiNCAMP, Stand 2024 |
| Versicherung | rund 80 € (nur Haftpflicht) bis über 900 € (Vollkasko) | 80 bis über 900 € | Finanztip, April 2026 |
| Summe | rund 480 bis 1.460 € |
Ein paar Anmerkungen dazu, damit du die Zahlen richtig einordnest:
- Kfz-Steuer: Sie hängt nur vom zulässigen Gesamtgewicht und der Schadstoffklasse ab. Ältere Fahrzeuge mit S 2 oder S 3 zahlen bei 3,5 Tonnen 320 Euro, mit S 1 oder schlechter 480 Euro. Den Rechenweg findest du im Beitrag zur Kfz-Steuer.
- Hauptuntersuchung: Ein neues Wohnmobil bis 3,5 Tonnen muss erst nach 36 Monaten zur ersten HU, danach alle 24 Monate. Die rund 160 Euro sind ein Bundesdurchschnitt für HU und AU zusammen. Die Prüforganisationen haben eigene Preislisten.
- Gasprüfung: Seit dem 19. Juni 2025 Pflicht, alle 24 Monate. Details im Beitrag zur Gasprüfung.
- Dichtigkeitsprüfung: Sie ist keine gesetzliche Pflicht, sondern Bedingung der Dichtigkeitsgarantie des Herstellers. Wer sie auslässt, verliert die Garantie. Nach Ablauf der Garantie ist sie freiwillig, als Feuchtigkeitskontrolle aber weiter sinnvoll. Für 2026 liegt keine neuere Preisangabe vor als die Spanne von 2024.
- Versicherung: Die Spanne ist riesig, weil reine Haftpflicht und Vollkasko für ein neues Fahrzeug kaum vergleichbar sind. Für Teilkasko nennt Finanztip in seiner Untersuchung häufig rund 200 bis 500 Euro im Jahr, in einzelnen Fällen mehr. Was den Beitrag treibt und worauf du im Vertrag achten solltest, steht im Beitrag zur Wohnmobilversicherung.
Die Posten ohne Durchschnittswert: so rechnest du selbst
Für die folgenden Posten kursieren viele Zahlen, aber keine davon stammt aus einer belastbaren Erhebung. Statt eine weitere Schätzung zu liefern, hier der Rechenweg, mit dem du deinen eigenen Wert ermittelst.
Wertverlust
Der Wertverlust ist bei neuen Fahrzeugen der größte Posten. Du bezahlst ihn erst beim Verkauf, aber er entsteht jedes Jahr.
Als Faustformel nennt PiNCAMP (Stand 2024): 20 Prozent im ersten Jahr, 12 Prozent im zweiten, danach 8 bis 10 Prozent im Jahr. Bei einem Neupreis von 60.000 Euro wären das allein im ersten Jahr 12.000 Euro. Die Formel ist grob. Der ADAC weist darauf hin, dass gebrauchte Wohnmobile oft noch teuer sind und ihren Wert gut halten. Nimm die Faustformel deshalb als obere Abschätzung.
Genauer wird es so: Such in den Gebrauchtbörsen dein Modell oder ein vergleichbares mit drei, fünf und zehn Jahren. Die Differenz zum Neupreis, geteilt durch die Jahre, ist dein realistischer Wertverlust je Jahr. Wer ein fünf Jahre altes Fahrzeug kauft, hat die steilste Strecke der Kurve hinter sich.
Wartung des Basisfahrzeugs
Ölwechsel, Bremsen, Zahnriemen und Inspektion richten sich nach dem Wartungsplan des Fahrgestellherstellers, also nach Kilometern oder Zeit. Weil Wohnmobile wenig fahren, greift fast immer das Zeitintervall. Lass dir von einer Werkstatt für Transporter einen Kostenvoranschlag für die Jahresinspektion deines Basisfahrzeugs geben und frag nach den großen Terminen der nächsten Jahre. Teile die Summe durch die Jahre. Was du selbst machen kannst und was nicht, steht im Beitrag Reparatur: selbst oder Werkstatt.
Reifen
Wohnmobilreifen werden selten abgefahren, sie altern. Eine gesetzliche Altersgrenze gibt es für Wohnmobile nicht, nur Empfehlungen: Continental nennt sechs bis acht Jahre, der ADAC allgemein acht bis zehn. Rechne so: Preis eines Satzes mit Montage, geteilt durch die Jahre, die du die Reifen fahren willst.
Unterstellplatz
Steht das Fahrzeug auf dem eigenen Grundstück, kostet es nichts. Sonst zahlst du Miete für einen Freiplatz, einen Platz unter Dach oder eine Halle. Die Preise hängen stark von Region und Art ab, eine Erhebung dazu gibt es nicht. Hol zwei oder drei Angebote in deiner Gegend ein und rechne die Monatsmiete mal zwölf. Ob das Wohnmobil dauerhaft an der Straße stehen darf, klärt der Beitrag zum Parken im Wohngebiet.
Rücklage für den Aufbau
Wasserpumpe, Aufbaubatterie, Kühlschrank, Heizung, Dachhauben und Dichtungen halten nicht ewig. Kein Posten fällt jedes Jahr an, aber irgendeiner fällt fast jedes Jahr an. Leg einen festen Betrag im Monat zurück, den du nach dem Alter des Fahrzeugs wählst. Bei einem zehn Jahre alten Wohnmobil sollte er deutlich höher sein als bei einem neuen.
Deine eigene Jahresrechnung
Trag deine Werte ein und zähl zusammen:
- Kfz-Steuer laut Bescheid
- Versicherungsbeitrag laut Police
- Hauptuntersuchung, geteilt durch zwei
- Gasprüfung, geteilt durch zwei
- Dichtigkeitsprüfung, solange die Garantie läuft
- Jahresinspektion laut Kostenvoranschlag
- Reifensatz, geteilt durch die Nutzungsjahre
- Unterstellplatz, Monatsmiete mal zwölf
- Rücklage für Reparaturen am Aufbau
- Wertverlust je Jahr aus dem Vergleich der Gebrauchtpreise
- Bei Finanzierung: die Zinsen eines Jahres
Teile die Summe durch die Nächte, die du im Jahr tatsächlich unterwegs bist. Das Ergebnis sind deine Fixkosten je Reisenacht. Bei 30 Nächten im Jahr wird aus 3.000 Euro Fixkosten ein Betrag von 100 Euro je Nacht, bevor du einen Liter Diesel getankt hast. Diese Zahl entscheidet darüber, ob sich Kaufen gegenüber Mieten für dich rechnet.
Was unterwegs dazukommt
Die Reisekosten sind keine Unterhaltskosten, gehören aber in dieselbe Überlegung: Kraftstoff, Maut, Fähren, Gas und Übernachtungen. Ein Campingplatz kostet in der Hochsaison 2026 in Deutschland im Schnitt 41 Euro je Nacht, im europäischen Durchschnitt 49 Euro (PiNCAMP, zwei Erwachsene und ein Kind). In der Nebensaison liegen die Preise europaweit im Schnitt 29 Prozent darunter. Für eine konkrete Tour rechnet der Reisekosten-Rechner Kraftstoff, Maut und Übernachtungen zusammen.
Über 3,5 Tonnen wird es etwas teurer
- Die Kfz-Steuer steigt um 10 Euro je angefangene 200 Kilogramm, bei 4,0 Tonnen sind es 260 Euro.
- HU und AU kosten laut ADAC rund 180 Euro. In den ersten sechs Jahren bleibt es beim Zweijahresrhythmus, danach ist die HU jedes Jahr fällig.
- Im Ausland kommen höhere Mautsätze dazu.
Was sich sonst ändert, steht im Beitrag Wohnmobil bis oder über 3,5 Tonnen.
Zum Vergleich: der Wohnwagen
Beim Wohnwagen fehlen Motor, Getriebe und Abgasuntersuchung. Entsprechend klein sind die festen Posten:
| Posten | Wohnwagen mit 1.300 kg |
|---|---|
| Kfz-Steuer | 52,22 € im Jahr |
| Hauptuntersuchung | rund 60 €, alle zwei Jahre |
| Gasprüfung | 40 bis 80 €, alle zwei Jahre |
| Dichtigkeitsprüfung | 60 bis 200 € im Jahr (Stand 2024) |
Für die Versicherung eines Wohnwagens liegt keine vergleichbare Untersuchung vor, hol dir ein Angebot. Vergiss außerdem das Zugfahrzeug nicht: Mehrverbrauch und Verschleiß im Gespannbetrieb gehören in deine Rechnung.
Wo sich sparen lässt
- Saisonkennzeichen: Die Steuer fällt nur für den Zulassungszeitraum an, mindestens zwei und höchstens elf Monate. Außerhalb der Saison darf das Fahrzeug nicht auf öffentlichen Straßen stehen. Du brauchst also einen privaten Platz.
- Versicherung vergleichen: In der Finanztip-Untersuchung bot kein Versicherer und kein Portal immer den besten Preis.
- Termine zusammenlegen: HU und Gasprüfung lassen sich am selben Tag erledigen.
- Gebraucht kaufen: Der Wertverlust der ersten Jahre trifft den Erstbesitzer.
Häufige Fragen
Was kostet ein Wohnmobil im Jahr an festen Kosten?
Die belegbaren Pflichtposten Steuer, Versicherung, Hauptuntersuchung, Gasprüfung und Dichtigkeitsprüfung ergeben für ein 3,5-Tonnen-Fahrzeug je nach Versicherungsschutz einige hundert bis knapp 1.500 Euro im Jahr. Wartung, Reifen, Unterstellplatz und Wertverlust kommen dazu.
Was ist der größte Kostenposten beim Wohnmobil?
Bei neuen und jungen Fahrzeugen fast immer der Wertverlust. Er taucht auf keiner Rechnung auf und wird deshalb gern übersehen.
Ist ein Wohnwagen im Unterhalt günstiger als ein Wohnmobil?
Ja, bei Steuer und Hauptuntersuchung deutlich, weil der Motor fehlt. Dafür trägt das Zugfahrzeug Verschleiß und Mehrverbrauch.
Wie kann ich die Unterhaltskosten senken?
Mit einem Saisonkennzeichen sparst du Steuer und oft Versicherungsbeitrag. Ein Versicherungsvergleich bringt laut Finanztip häufig mehrere hundert Euro. Wer Prüftermine zusammenlegt, spart Wege.
Quellen und weiterführende Links
- Kraftfahrzeugsteuergesetz § 9
- ADAC: Kfz-Steuer für Wohnmobile (13.10.2025)
- ADAC: TÜV-Kosten, HU und AU (2026)
- ADAC: Gasprüfung bei Wohnmobil und Wohnwagen (15.07.2026)
- PiNCAMP (ADAC): Dichtigkeitsprüfung (22.02.2024)
- Finanztip: Wohnmobilversicherung, Pressemitteilung vom 07.04.2026
- PiNCAMP (ADAC): Wohnmobil verkaufen, Faustformel Wertverlust (25.04.2024)
- PiNCAMP (ADAC): Preisanalyse Campingplätze 2026 (12.03.2026)
- ADAC: Auflastung von Wohnmobilen (27.08.2026)