Reparaturen am Wohnmobil: Was du selbst machen kannst und was in die Werkstatt gehört
Feuchtemessung, Dachhaube, Trittstufe, Wasserpumpe, Sicherungen und 12-V-Fehlersuche selbst erledigen. Und die klare Grenze: Gas, 230 Volt und Bremsen.
Stand 13.10.2026 · 8 Min. Lesezeit

Am Aufbau eines Wohnmobils kannst du mehr selbst machen, als die meisten denken: Feuchtigkeit messen, Dachhauben und Fenster tauschen, Pumpe und Stufe reparieren, 12-V-Fehler finden. Drei Bereiche bleiben tabu, egal wie gut du schraubst: alles mit Gas hinter dem Regler, alles mit 230 V und die Bremsen. Hier die Liste, mit dem Grund, warum die Grenze dort liegt.
Die Übersicht
| Arbeit | Selbst? | Werkzeug | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Feuchtigkeit messen | ja | Feuchtemessgerät ab 30 Euro | halbjährlich, nach jedem Winter |
| Dichtigkeitsprüfung für die Garantie | nein | nur beim autorisierten Betrieb, sonst Garantie weg | |
| Nähte und Leisten nachdichten | ja, kleinflächig | Dichtmasse, Reiniger | große Flächen oder Wandöffnungen: Werkstatt |
| Dachhaube tauschen | ja | Akkuschrauber, Dichtmasse, Spachtel | eine Stunde je Haube |
| Fenster tauschen | ja, mit Hilfe | wie Dachhaube | Scheibe allein: einfach |
| Trittstufe | ja, elektrisch und mechanisch | Multimeter, Silikonspray | Mikroschalter und Masse sind die üblichen Verdächtigen |
| Wasserpumpe | ja | Schraubendreher, Schlauchschellen | Tauchpumpe: 10 Minuten |
| Sicherungen, 12-V-Fehlersuche | ja | Multimeter | Hauptsicherung an der Batterie mit Vorsicht |
| Gasanlage | nein | Prüfpflicht, Haftung | |
| 230-V-Installation | nein | Elektrofachkraft, Schutzleiter, FI | |
| Bremsen am Wohnwagen | nein | Auflaufeinrichtung, Bremsbacken: Fachbetrieb | |
| Kältemittel Klimaanlage | nein | Sachkundenachweis nötig |
Dichtigkeit und Feuchte: Die wichtigste Kontrolle überhaupt
Wasser im Aufbau ist der Schaden, der Wohnmobile wirtschaftlich beerdigt. Er kommt leise: Eine Naht am Dach, eine Dachhaube, ein Fensterrahmen oder ein Haltegriff lässt Tropfen durch, die in die Dämmung ziehen. Von innen siehst du monatelang nichts. Wenn Flecken, Geruch oder weiche Wände auffallen, ist der Schaden meist schon groß.
Selbst messen
Ein Feuchtemessgerät für Holz und Baustoffe (Widerstands- oder Kapazitivmessung, ab etwa 30 Euro) ist die beste Investition für jeden Wohnmobilbesitzer. Damit gehst du zweimal im Jahr systematisch durch:
- Innen alle Stellen messen, an denen etwas durch die Außenhaut geht: rund um Fenster, Dachhauben, Kamin, Dachreling, Antennen, Lampen, Haltegriffe, Serviceklappen, Stufen.
- Alle Ecken und Kanten: Wand zu Boden, Wand zu Dach, unter den Betten, hinter den Schränken, im Bad hinter der Dusche.
- Den Boden von unten an Tankhalterungen, Stützen und Radkästen.
Das Gerät liefert einen Wert in Prozent oder auf einer Skala. Trocken liegt bei Sandwichwänden meist unter 20 Prozent, als Richtwert. Einzelne Werte sagen wenig, Unterschiede sagen viel: Wenn eine Ecke 35 anzeigt und der Rest der Wand 15, hast du eine Stelle gefunden. Fotografiere die Werte mit Datum, dann siehst du im nächsten Halbjahr, ob etwas wächst.
Werkstatt: Die Dichtigkeitsprüfung für die Garantie
Die Hersteller geben je nach Marke 6 bis 12 Jahre Dichtigkeitsgarantie auf den Aufbau: Dethleffs und Hymer nennen 6 Jahre, Knaus und Bürstner 10, Hobby und Fendt-Caravan 12 Jahre für aktuelle Modelljahre. Sie gilt nur für Wasser, das von außen eindringt. Bedingung ist in aller Regel eine jährliche Dichtigkeitsprüfung bei einem vom Hersteller autorisierten Betrieb, mit Eintrag im Serviceheft. Wie weit du vom Jahrestag der Erstzulassung abweichen darfst, legt jeder Hersteller selbst fest: Dethleffs und Hymer lassen sechs Monate davor und danach zu, andere Marken sind enger. Maßgeblich sind die Garantiebedingungen deines Fahrzeugs. Verpasst, bedeutet: Garantie weg, und sie lebt auch durch eine spätere Prüfung nicht wieder auf. Die Prüfung kostet laut PiNCAMP 60 bis 200 Euro (Stand 2024) und dauert etwa 45 Minuten. Das ist keine Arbeit, die du durch eigene Messungen ersetzen kannst, weil es um den Eintrag geht, nicht um die Messung.
Selbst nachdichten
Kleine Stellen an Nähten, Leisten und Kederleisten kannst du selbst nachdichten: alte Dichtmasse mit Kunststoffspachtel entfernen, mit Reiniger entfetten, neue dauerelastische Dichtmasse auftragen (Produkte für Caravanbau, kein Bausilikon, das haftet nicht auf den alten Resten und lässt sich später nicht mehr überarbeiten). Großflächige Schäden, offene Sandwichkanten und alles, wo die Wand schon weich ist, gehören zum Fachbetrieb, der die Wand öffnet und die Dämmung tauscht.
Dachhaube tauschen
Dachhauben gehen kaputt durch Hagel, Äste, UV-Versprödung oder festgefrorene Scharniere. Der Tausch ist eine Stunde Arbeit:
- Innenrahmen abschrauben und abnehmen, dann die Schrauben des Außenrahmens von innen lösen.
- Alte Haube mit einem Kunststoffspachtel aus der Dichtmasse lösen. Das dauert und erfordert Geduld, nicht Gewalt.
- Ausschnitt säubern, alte Dichtmasse komplett entfernen, Dachdicke messen. Die Schraubenlänge der neuen Haube richtet sich danach.
- Neue Haube mit Dichtband oder dauerelastischer Dichtmasse auf dem Außenrahmen einsetzen, von innen verschrauben, gleichmäßig und ohne zu überdrehen.
- Außen die Fuge mit Dichtmasse abziehen, nach dem Aushärten mit Wasser prüfen.
Das Standardmaß ist 40 x 40 cm, es gibt auch 28 x 28, 50 x 50 und 70 x 50. Vor dem Kauf messen, nicht schätzen. Die Hersteller empfehlen die Montage durch Fachwerkstätten, bei einem einfachen Tausch im bestehenden Ausschnitt ist das aber gut machbar. Ein neuer Ausschnitt ist etwas anderes: Dort brauchst du die Lage von Dachholmen und Kabeln. Fenster funktionieren nach demselben Prinzip, nur schwerer und zu zweit.
Trittstufe
Die elektrische Stufe fährt nicht aus oder bleibt draußen: In neun von zehn Fällen ist es Strom, nicht Mechanik.
- Sicherung der Stufe prüfen. Sie sitzt am Elektroblock und ist dort beschriftet. Welcher Wert hineingehört, steht auf dem Deckel des Elektroblocks und im Handbuch; Carado nennt für seine Fahrzeuge 25 A. Ersetze sie nur durch denselben Wert.
- Masseanschluss der Stufe: Die Stufe hängt außen im Spritzwasser, die Masseverbindung gammelt. Lösen, blank machen, wieder fest anschrauben.
- Mikroschalter in der Stufe: Er meldet „eingefahren“ an die Warnleuchte. Verschmutzt oder verbogen meldet er falsch, und die Stufe fährt nicht. Reinigen, Hebel richten.
- Stecker am Motor: Abziehen, Kontaktspray, wieder aufstecken.
- Erst dann Mechanik: Gelenke reinigen und sparsam mit einem dünnen Sprühschmierstoff behandeln. Carado empfiehlt zum Beispiel Silikonspray und warnt vor stark haftendem Fett, weil es Schmutz anzieht und die Mechanik auf Dauer blockieren kann. Stufen, die mit Gewalt eingefahren wurden, haben verbogene Hebel, das ist dann ein neues Teil.
Bei manuellen Stufen ist meist nur Dreck und Rost im Spiel.
Wasserpumpe
Eine Tauchpumpe im Tank ist in zehn Minuten getauscht: Tankdeckel oder Revisionsöffnung auf, Pumpe herausziehen, Schlauch und zwei Kabel lösen, neue Pumpe anschließen (Polung beachten), fertig. Kostet 20 bis 40 Euro. Pumpen, die nicht mehr fördern, haben oft nur einen verstopften Vorfilter oder ein eingetrocknetes Laufrad nach dem Winter.
Eine Druckpumpe außerhalb des Tanks ist etwas mehr Arbeit, weil sie mit Schläuchen verschraubt ist und einen Vorfilter hat. Typischer Fehler: Die Pumpe läuft kurz an und aus, immer wieder. Dann ist das System undicht (Luft in der Leitung, ein tropfender Hahn) oder der Druckschalter ist verstellt. Vor dem Tausch alle Hähne auf tropfen prüfen und den Vorfilter reinigen.
Bei der Thetford-Toilette sitzt die Spülpumpe hinter dem Kassettenfach, davor liegt eine eigene kleine Sicherung (meist 2 A). Erst die Sicherung, dann die Pumpe.
Sicherungen und 12-V-Fehlersuche
Das 12-V-Netz im Aufbau läuft über den Elektroblock (EBL): Dort kommen Aufbaubatterie, Ladegerät, Lichtmaschine und alle Verbraucher zusammen, abgesichert mit Flachsicherungen. Wenn etwas nicht geht:
- Sicherung am EBL finden (Belegung steht auf dem Deckel), ziehen, prüfen. Eine Sicherung kann durch sein, ohne dass du es siehst, also Durchgang messen oder einfach tauschen. Immer mit demselben Wert, nie größer.
- Löst die neue Sicherung sofort wieder aus, gibt es einen Kurzschluss im Kabel oder im Gerät. Gerät abstecken, Sicherung neu: Hält sie, ist es das Gerät.
- Multimeter auf Gleichspannung, 12 V am Gerät messen. Kommt Spannung an, ist das Gerät defekt. Kommt keine an, liegt es am Kabel, am Stecker oder an der Masse. Massefehler sind die häufigste Ursache für flackerndes Licht und Geräte, die „manchmal“ gehen.
- Lädt die Batterie nicht während der Fahrt, ist das Trennrelais oder der Ladebooster im EBL der übliche Verdächtige, auch die Sicherung zwischen Starterbatterie und EBL.
- Blinkt das Bedienpanel oder zeigt es Fehler, hilft meist ein Blick ins Handbuch des EBL-Herstellers (Schaudt, Nordelettronica, CBE), die Codes stehen dort.
Die Hauptsicherung direkt an der Batterie (oft 50 bis 100 A) tauschst du nur mit abgeklemmtem Minuspol, ohne Metallwerkzeug in Polnähe und ohne Uhr am Handgelenk. Ein Kurzschluss an der Batterie schweißt.
Die klare Grenze: Gas, 230 Volt, Bremsen
Gas. Jede Arbeit hinter dem Regler (Leitungen, Verschraubungen, Geräteanschlüsse, Abgasführung) ist Sache eines Fachbetriebs und löst nach § 60 StVZO eine neue Gasprüfung aus. Grund: Ein Gasleck ist nicht reparierbar, nachdem es gezündet hat. Selbst darfst du Flaschen wechseln, Regler und Hochdruckschlauch tauschen und mit Lecksuchspray prüfen.
230 V. Landstromeinspeisung, FI-Schalter, Steckdosen, Ladegerät und Wechselrichter mit fester Einbindung gehören zur Elektrofachkraft. Grund: Im Fahrzeug fehlt die Erdung des Hauses, der Schutz hängt am FI-Schalter und an korrektem Schutzleiter. Ein Fehler dort fällt nicht auf, bis jemand am Wasserhahn steht.
Bremsen. Beim Wohnwagen die Auflaufeinrichtung, Bremsbacken, Bremsseile und die Nachstellung, beim Wohnmobil die Betriebsbremse ohnehin. Grund: Ein Fehler zeigt sich erst bei der Vollbremsung mit 3,5 Tonnen hinter dir.
Was im Aufbau sonst noch kaputtgeht und wo du die Teile findest, steht im Beitrag Ersatzteile für Wohnwagen und Wohnmobil finden. Störungen an der Heizung und was du daran selbst prüfen darfst: Heizungen im Wohnmobil.
Häufige Fragen
Was darf ich am Wohnmobil selbst reparieren?
Feuchtigkeit messen, kleine Stellen nachdichten, Dachhauben und Fenster tauschen, Trittstufe und Wasserpumpe reparieren, Sicherungen wechseln und 12-V-Fehler suchen. Tabu sind Gas hinter dem Regler, 230 V und die Bremsen.
Kann ich die Dichtigkeitsprüfung selbst machen?
Selbst messen kannst und solltest du, zweimal im Jahr. Die Prüfung für die Dichtigkeitsgarantie muss aber ein vom Hersteller autorisierter Betrieb machen und im Serviceheft eintragen, sonst ist die Garantie weg.
Warum fährt die elektrische Trittstufe nicht aus?
Meist liegt es am Strom, nicht an der Mechanik. Prüfe der Reihe nach die Sicherung, den Masseanschluss der Stufe, den Mikroschalter und den Stecker am Motor.
Wie tausche ich eine Tauchpumpe im Wassertank?
Tankdeckel oder Revisionsöffnung öffnen, Pumpe herausziehen, Schlauch und zwei Kabel lösen, neue Pumpe anschließen und dabei die Polung beachten. Das dauert etwa zehn Minuten.
Wie tausche ich eine Dachhaube?
Innenrahmen abschrauben, alte Haube aus der Dichtmasse lösen, Ausschnitt säubern, neue Haube mit Dichtband oder dauerelastischer Dichtmasse einsetzen und gleichmäßig verschrauben. Vor dem Kauf das Ausschnittmaß messen.
Quellen und weiterführende Links
- camperstyle: Dichtigkeitsprüfung Wohnwagen und Wohnmobil
- PiNCAMP: Dichtigkeitsprüfung – das musst du wissen
- Dethleffs: Bedienungsanleitung Caravan Modelljahr 2026, Kap. 1.1 (Dichtheitsgarantie)
- Hobby: Dichtigkeitsgarantie 12 Jahre ab Modelljahr 2024 (Pressemitteilung 24.08.2023)
- Carado Helpcenter: Was kann ich tun, wenn die elektrische Trittstufe nicht funktioniert? (Stand 04.10.2026)
- Fritz Berger: Einbaubericht Dachfenster
- Fritz Berger: So funktioniert das Stromnetz im Wohnmobil