Autark stehen mit Wohnmobil und Wohnwagen: Strom, Wasser und Gas zusammen gerechnet

Wie viele Tage du ohne Landstrom und Versorgung stehen kannst, entscheidet der knappste Vorrat. Ein durchgerechnetes Beispiel für Strom, Wasser und Gas.

Stand 13.10.2026 · 7 Min. Lesezeit

Wohnmobil allein in einer weiten Landschaft an einem Salzsee
Wohnmobil allein in einer weiten Landschaft an einem Salzsee

Autark stehst du so viele Tage, wie dein knappster Vorrat reicht. Das ist fast nie nur die Batterie: Im Sommer sind meist Frischwasser und Toilette zuerst am Ende, im Herbst und Winter der Strom, bei Frost das Gas. Wer wissen will, wie lange das eigene Fahrzeug durchhält, rechnet vier Vorräte einzeln in Tagen aus und nimmt den kleinsten Wert. Wie das geht, zeigt das Beispiel weiter unten.

Die vier Vorräte und was sie begrenzt

Vorrat Wovon er abhängt Womit du nachfüllst
Strom nutzbare Batteriekapazität, Tagesverbrauch, Nachladung Solar, Fahrt mit Ladebooster, Landstrom, Brennstoffzelle
Frischwasser Tankgröße, Duschen, Spülen, Toilettenspülung Versorgungsstation, Kanister
Abwasser und Toilette Größe von Abwassertank und Kassette nur an der Entsorgungsstation leeren
Gas Flaschengröße, Außentemperatur, Kühlschrankart Flaschentausch, Tankflasche

Beim Strom zählt nicht die Zahl auf der Batterie, sondern das, was du entnehmen kannst. Der Strom-Rechner setzt bei Blei, AGM und Gel 50 Prozent an und bei Lithium 85 Prozent. Aus 100 Ah Lithium werden so rund 1.090 Wh, aus 100 Ah AGM nur 640 Wh. Warum das so ist, steht im Beitrag Aufbaubatterie: AGM, Gel oder Lithium.

Beim Abwasser gibt es keinen Spielraum: Grauwasser und Toiletteninhalt gelten rechtlich als Abwasser und gehören an eine Entsorgungsstation, nicht in den Gully und nicht in die Natur. Ist der Abwassertank voll, ist der Aufenthalt zu Ende, auch wenn noch Frischwasser da ist. Mehr dazu im Beitrag Grauwasser entsorgen.

Das Beispiel: Zwei Personen, vier Tage ohne Versorgung

Angenommen wird ein Wohnmobil für zwei Personen mit dieser Ausstattung: 100 Ah Lithium, 200 Wp Solar auf dem Dach, Kompressorkühlschrank, 100 Liter Frischwasser, eine volle 11-kg-Gasflasche. Die Strom- und Gaswerte sind die Voreinstellungen der beiden Rechner, du kannst sie also eins zu eins nachstellen und dann durch deine eigenen ersetzen.

Strom

Verbrauch je Tag laut Strom-Rechner:

Verbraucher Leistung Laufzeit Verbrauch
Kompressorkühlschrank 45 W 8 h 360 Wh
Licht (LED) 10 W 4 h 40 Wh
Wasserpumpe 50 W 0,3 h 15 Wh
Handys laden 10 W 3 h 30 Wh
Laptop 50 W 3 h 150 Wh
Summe Sommer 595 Wh
Heizungsgebläse (nur Herbst) 25 W 6 h 150 Wh
Summe Herbst 745 Wh

Dagegen steht die Nachladung. Der Rechner setzt für Solar 75 Prozent der Nennleistung mal Sonnenstunden an: Im wechselhaften Sommer sind das 200 Wp × 3 h × 0,75 = 450 Wh, im Herbst 200 Wp × 2 h × 0,75 = 300 Wh.

  • Sommer: 450 Wh minus 595 Wh ergibt ein Minus von 145 Wh am Tag. Die Batterie mit 1.088 Wh nutzbarer Energie fängt das 7,5 Tage lang ab.
  • Herbst: 300 Wh minus 745 Wh ergibt ein Minus von 445 Wh am Tag. Jetzt reicht dieselbe Batterie nur noch 2,4 Tage.
  • Ohne Solar und im Schatten: 1.088 Wh geteilt durch 595 Wh sind 1,8 Tage.

Gas

Der Gasvorrat-Rechner rechnet mit 40 Minuten Kochen (100 g) und einer Dusche aus dem Boiler (60 g) am Tag. Der Kompressorkühlschrank braucht kein Gas.

  • Sommer ohne Heizen: 160 g am Tag. Eine 11-kg-Flasche reicht damit rechnerisch über 60 Tage. Das passt zur Faustregel des Deutschen Verbands Flüssiggas, nach der eine 11-kg-Flasche im Sommer für zwei Wochen Familienurlaub reichen sollte.
  • Herbst bei 0 bis 10 °C: Der Rechner setzt 220 g je Brennerstunde und 8 Brennerstunden an, also 1.760 g fürs Heizen. Mit Kochen und Dusche sind es 1.920 g am Tag, die Flasche reicht 5,7 Tage.
  • Frost: Bei 350 g je Stunde und 12 Brennerstunden sind allein fürs Heizen 4.200 g am Tag weg. Eine Flasche hält dann keine drei Tage.

Zur Einordnung: Truma gibt für die Combi 4 einen Verbrauch von 160 bis 335 g je Stunde an, für die Combi 6 bis 460 g. Die 220 g liegen also im unteren Mittelfeld. Wie viele Stunden der Brenner an einem Tag wirklich läuft, hängt von Außentemperatur, Isolierung und Wunschtemperatur ab und lässt sich nicht pauschal belegen. Nimm die Tage als Schätzung und plane Reserve ein.

Hat dein Fahrzeug einen Absorberkühlschrank, kommt dessen Gasverbrauch dazu. Truma nennt als Richtwert 14 bis 20 g je Stunde, das sind rund 340 bis 480 g am Tag. Dafür entfallen beim Strom die 360 Wh des Kompressors, was im Herbst viel ausmacht. Den Vergleich der beiden Bauarten findest du unter Kühlschrank: Absorber oder Kompressor.

Wasser

Für den Wasserverbrauch im Wohnmobil gibt es keine belastbare amtliche Zahl, er hängt fast nur von deinen Gewohnheiten ab. Für das Beispiel gilt als Annahme: 40 Liter am Tag für zwei Personen, mit Kochen, Spülen, Toilettenspülung und einer kurzen Dusche. Der 100-Liter-Tank reicht dann 2,5 Tage. Ohne Dusche an Bord kommst du deutlich weiter.

So findest du deinen eigenen Wert: Tank füllen, zwei Tage normal leben, Füllstand ablesen oder beim Nachfüllen mit dem Kanister mitzählen. Dasselbe gilt für die Toilettenkassette: Notiere einmal, nach wie vielen Tagen sie bei euch voll ist. Das ist dein vierter Wert.

Das Ergebnis

Vorrat Sommer Herbst (0 bis 10 °C)
Strom 7,5 Tage 2,4 Tage
Gas über 60 Tage 5,7 Tage
Frischwasser 2,5 Tage 2,5 Tage
Engpass Wasser Strom und Wasser

Das Wohnmobil aus dem Beispiel schafft im Sommer also zweieinhalb Tage, nicht siebeneinhalb. Eine zweite Batterie würde daran nichts ändern. Wer vier Tage stehen will, muss am Wasser ansetzen. Im Herbst liegen Strom und Wasser gleichauf, und erst wenn beide gelöst sind, rückt das Gas in den Blick.

Wo du ansetzt, wenn ein Vorrat nicht reicht

Wasser: Der billigste Hebel ist das Verhalten: Dusche auf dem Platz oder mit Wasserstopp, Geschirr in der Schüssel spülen statt unter laufendem Hahn. Ein oder zwei Faltkanister zum Nachfüllen verlängern den Aufenthalt, ohne dass du umparken musst. Ein größerer Tank ist möglich, kostet aber Zuladung: 100 Liter Wasser wiegen 100 kg. Prüfe das vorher mit dem Zuladungsrechner. Details stehen unter Wassertank nachrüsten.

Toilette: Eine zweite Kassette verdoppelt die Reichweite. Wer oft und lange frei steht, schaut sich die Trenntoilette an.

Strom: Zuerst den Verbrauch senken, dann die Nachladung erhöhen, zuletzt die Batterie vergrößern. Die Reihenfolge ist wichtig, weil eine größere Batterie ein tägliches Minus nur länger abfängt, aber nicht ausgleicht. Mehr Solar hilft in der Saison (Solaranlage fürs Wohnmobil), ein Ladebooster bei jeder Fahrt. Der Strom-Rechner setzt dafür 20 A Ladestrom an, das sind rund 270 Wh je Fahrstunde. Wer im Winter lange an einem Ort steht, braucht eine wetterunabhängige Quelle, etwa eine Brennstoffzelle.

Gas: In der kalten Jahreszeit gehört die zweite Flasche an Bord, am besten mit Umschaltanlage. Was im Ausland mit deutschen Flaschen geht, steht im Beitrag zum Gasvorrat.

Besonderheiten beim Wohnwagen

Ein Wohnwagen ist ab Werk meist für den Campingplatz mit Landstrom gebaut. Für das autarke Stehen fehlen dann drei Dinge:

  • Aufbaubatterie mit Ladegerät. Ohne sie laufen Licht, Pumpe und Heizungsgebläse nur am Landstrom oder über das Zugfahrzeug.
  • Nachladung. Das Zugfahrzeug lädt über die 13-polige Steckdose nur dann nennenswert, wenn die Ladeleitung belegt und ausreichend dimensioniert ist. Zuverlässig klappt es mit einem Ladebooster im Wohnwagen. Dazu kommen Solar auf dem Dach oder ein tragbares Modul, das du in die Sonne stellst, während der Wohnwagen im Schatten steht.
  • Wasser und Abwasser. Viele Wohnwagen haben nur einen kleinen Frischwasserbehälter und einen rollbaren Abwassertank. Rechne hier besonders knapp.

Ein Mover zieht beim Rangieren kurzzeitig hohe Ströme aus derselben Batterie. Plane das ein, wenn du nach ein paar Tagen ohne Nachladung wieder vom Platz musst. Mehr dazu unter Mover am Wohnwagen.

Wo autark stehen erlaubt ist

Autark sein heißt nicht, überall stehen zu dürfen. Was in Deutschland gilt, steht im Beitrag Wildcampen und Freistehen. Viele Stellplätze ohne Strom und Wasser, Hofstellplätze und Winzerplätze setzen ein autarkes Fahrzeug mit Toilette und Abwassertank an Bord ausdrücklich voraus. Stellplätze mit und ohne Versorgung findest du in der Stellplatzsuche.

Wann du eine Werkstatt brauchst

Batterie tauschen, ein Solarmodul an einen vorhandenen Regler hängen oder Kanister mitnehmen kannst du selbst. In den Fachbetrieb gehören:

  • alles an der Gasanlage hinter dem Regler, auch der Einbau einer Tankflasche oder einer Umschaltanlage mit festen Leitungen. Prüfpflichtige Änderungen lösen eine neue Gasprüfung aus.
  • fest eingebundene Wechselrichter und alles andere an der 230-Volt-Seite,
  • zusätzliche Tanks, wenn dafür Halterungen am Unterboden oder am Rahmen gesetzt werden.

Lass dir nach größeren Umbauten das neue Leergewicht bestätigen oder fahr auf die Waage. Lithiumbatterie, zweite Gasflasche, voller Zusatztank und Solarmodule summieren sich schneller, als die Zuladung es hergibt.

Häufige Fragen

Wie lange kann ein Wohnmobil autark stehen?

So lange, wie der knappste Vorrat reicht. Im Sommer ist das meist das Frischwasser oder die Toilettenkassette, in der kalten Jahreszeit der Strom oder das Gas. Rechne alle vier Vorräte einzeln in Tagen aus, der kleinste Wert gilt.

Was brauche ich, um einen Wohnwagen autark zu machen?

Eine Aufbaubatterie mit Ladegerät, eine Lademöglichkeit ohne Landstrom (Solar, Ladebooster über das Zugfahrzeug oder ein tragbares Solarmodul), einen Frischwasser- und einen Abwasserbehälter sowie Gas für Kocher, Heizung und Kühlschrank. Der Mover braucht ebenfalls Strom aus dieser Batterie.

Was ist beim autarken Stehen zuerst leer?

Das hängt von der Jahreszeit ab. Im Sommer begrenzen in der Regel Wasser und Toilette, im Herbst und Winter der Strom, weil die Solaranlage wenig liefert und das Heizungsgebläse dazukommt. Bei Frost kann auch eine einzelne Gasflasche nach wenigen Tagen leer sein.

Reicht eine Solaranlage, um dauerhaft autark zu sein?

In der Saison von Frühjahr bis Spätsommer oft ja, wenn Verbrauch und Modulgröße zusammenpassen. Im Winter liefert dieselbe Anlage nur einen Bruchteil. Dann brauchst du eine zweite Quelle wie Ladebooster, Landstrom oder Brennstoffzelle.

Passt dazu

Neue Ratgeber und Routen per Mail

Etwa zweimal im Monat: neue Artikel, Länder-Updates (Maut, Vignetten) und, sobald er fertig ist, der Roadtrip-Planer. Kein Spam, Abmeldung mit einem Klick.

Mit dem Eintragen bekommst du eine Bestätigungsmail (Double-Opt-in). Einzelheiten in der Datenschutzerklärung.