Aufbaubatterie im Wohnmobil: AGM, Gel oder Lithium?

Was von 100 Ah wirklich nutzbar ist, wie viele Zyklen AGM, Gel und Lithium halten, was sie wiegen und was du beim Umstieg auf LiFePO4 mit umrüsten musst.

Stand 13.10.2026 · 7 Min. Lesezeit

Fahrzeugbatterie mit Polklemmen in Nahaufnahme
Fahrzeugbatterie mit Polklemmen in Nahaufnahme

Von einer 100-Ah-Bleibatterie, egal ob AGM oder Gel, kannst du im Alltag etwa die Hälfte nutzen, also rund 600 Wattstunden. Eine gleich große Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LiFePO4) liefert gut 1.000 Wattstunden, wiegt weniger als die Hälfte und hält ein Vielfaches an Ladezyklen. Dafür kostet sie mehr und verlangt, dass alle Ladegeräte im Fahrzeug zu ihr passen. Welche Technik sich für dich lohnt, hängt davon ab, wie oft du ohne Landstrom stehst.

Erst rechnen: Amperestunden sind keine Energie

Auf der Batterie stehen Amperestunden (Ah). Was deine Verbraucher brauchen, sind Wattstunden (Wh). Die Umrechnung ist einfach: Amperestunden mal Spannung.

  • Blei (AGM, Gel): 100 Ah × 12 V = 1.200 Wh Nennenergie
  • LiFePO4: 100 Ah × 12,8 V = 1.280 Wh Nennenergie

Entscheidend ist, wie viel davon du entnehmen darfst, ohne die Batterie zu ruinieren. Das nennt sich Entladetiefe. Hersteller geben die Lebensdauer immer zusammen mit einer Entladetiefe an, und genau daran sieht man den Unterschied. Die folgenden Werte stammen aus den Datenblättern von Victron Energy, andere Markenhersteller liegen in derselben Größenordnung:

AGM Gel LiFePO4
Zyklen bei 80 % Entladetiefe 400 500 2.500
Zyklen bei 50 % Entladetiefe 600 750 5.000
Sinnvolle Entladetiefe im Alltag 50 % 50 % 80 %
Nutzbar aus 100 Ah 50 Ah = 600 Wh 50 Ah = 600 Wh 80 Ah = 1.024 Wh
Gewicht (110 Ah Blei, 100 Ah Lithium) 32 kg 33 kg 14 kg
Empfohlener Ladestrom bei 100 Ah bis 20 A bis 20 A bis 50 A
Wirkungsgrad Laden und Entladen rund 80 % rund 80 % 92 %

Die 50 Prozent bei Blei sind keine technische Sperre, sondern eine Abwägung: Du kannst eine AGM-Batterie auch tiefer entladen, bezahlst das aber mit Lebensdauer. In einer Vergleichsmessung von promobil (Mai 2024) lieferte eine 120-Ah-AGM-Batterie unter Last 72 Ah, eine 110-Ah-LiFePO4-Batterie die vollen 110 Ah.

Wie viel du am Tag brauchst, rechnet dir der Strom-Rechner aus. Ein Paar mit Kompressorkühlschrank kommt auf 600 bis 1.000 Wh am Tag, die Herleitung steht im Beitrag zur Solaranlage. Das heißt: Eine einzelne 100-Ah-Bleibatterie ist nach einem Tag ohne Nachladung am Ende, eine 100-Ah-Lithium-Batterie schafft einen bis knapp zwei Tage.

Was das über die Lebensdauer bedeutet

Multipliziere nutzbare Energie mit der Zyklenzahl, dann siehst du, was eine Batterie in ihrem Leben insgesamt abgibt:

  • AGM: 600 Wh × 600 Zyklen = 360 kWh
  • Gel: 600 Wh × 750 Zyklen = 450 kWh
  • LiFePO4: 1.024 Wh × 2.500 Zyklen = 2.560 kWh

Das ist eine Rechnung mit Datenblattwerten bei 20 bis 25 °C, keine Garantie. Sie zeigt aber die Größenordnung: Die Lithium-Batterie setzt über ihr Leben rund siebenmal so viel Energie um wie die AGM-Batterie. Wer nur drei Wochen im Jahr fährt und fast immer am Strom hängt, erreicht diese Zyklenzahlen nie. Dann altert die Batterie nach Kalender statt nach Zyklen, und der Vorteil schrumpft.

AGM, Gel und Lithium im Einzelnen

AGM (Absorbent Glass Mat): Die Säure ist in einem Glasvlies gebunden. Die Batterie ist wartungsfrei, auslaufsicher und kann kurzzeitig hohe Ströme liefern. Deshalb ist sie unter den Bleibatterien die bessere Wahl, wenn ein Wechselrichter dranhängt. Hohe Temperaturen mag sie nicht: Victron nennt für den Bereitschaftsbetrieb 7 bis 10 Jahre bei 20 °C, aber nur noch 4 Jahre bei 30 °C.

Gel: Die Säure ist als Gel festgelegt. Gel-Batterien halten mehr Zyklen und länger im Bereitschaftsbetrieb (12 Jahre bei 20 °C laut Victron), liefern bei hohen Strömen aber weniger. Sie laden langsamer und brauchen eine eigene, etwas niedrigere Ladespannung als AGM.

LiFePO4 (Lithium-Eisenphosphat): Vier Zellen in Reihe ergeben 12,8 V. Ein eingebautes oder externes Batteriemanagement (BMS) überwacht jede Zelle und schaltet bei Unterspannung, Überspannung oder falscher Temperatur ab. Die Spannung bleibt beim Entladen fast bis zum Schluss stabil, das freut Kompressorkühlschrank und Wechselrichter.

Zwei Eigenschaften von Blei werden oft unterschätzt:

  • Hoher Strom kostet Kapazität. Die Nennkapazität einer Bleibatterie gilt für eine Entladung über 20 Stunden. Ziehst du die Batterie in einer Stunde leer, bleiben laut Victron-Datenblatt bei AGM nur 65 Prozent, bei Gel 61 Prozent der Nennkapazität übrig. Für Lithium nennt der Hersteller die volle Kapazität bis zu einem Strom, der die Batterie in einer Stunde entlädt.
  • Teilladung schadet. Bleibatterien sulfatieren, wenn sie lange halb voll stehen oder selten ganz voll werden. Genau das passiert beim Freistehen mit Solar und im Winterlager. Einer LiFePO4-Batterie macht Teilladung nichts aus, sie muss nicht regelmäßig vollgeladen werden.

Gewicht: 18 Kilo mehr Zuladung

Der Tausch von einer 110-Ah-AGM-Batterie auf 100 Ah Lithium spart nach den Datenblattwerten 18 kg, und die Lithium-Batterie liefert dabei mehr nutzbare Energie. Wer zwei Bleibatterien durch eine größere Lithium-Batterie ersetzt, gewinnt schnell 40 kg. Bei einem 3,5-Tonner ist das relevant, wie du im Zuladungs-Rechner nachvollziehen kannst.

Kälte: Entladen ja, Laden nein

Bleibatterien verlieren bei Kälte deutlich an Kapazität, lassen sich aber weiter laden. Bei Lithium ist es umgekehrt heikel: Entladen geht bis weit unter null (Victron: bis −20 °C, dann mit halber Kapazität), Laden aber nicht. Victron gibt als Ladebereich +5 bis +50 °C an, andere Hersteller ziehen die Grenze beim Gefrierpunkt. Maßgeblich ist das Datenblatt deiner Batterie. Ein ordentliches BMS sperrt die Ladung von selbst, manche Batterien haben eine eingebaute Heizung.

In der Praxis heißt das: Sitzt die Batterie im beheizten Wohnraum, etwa unter der Sitzbank, ist das Thema im bewohnten Fahrzeug erledigt. Sitzt sie in einem unbeheizten Außenstaufach, lädt sie an einem Frostmorgen erst, wenn sie warm genug ist. Für die Planung im Winter siehe Wintercamping.

Umstieg auf Lithium: Was mit umgerüstet werden muss

Die Batterie zu tauschen ist der kleinste Teil. Jede Ladequelle im Fahrzeug muss zur neuen Chemie passen:

  1. Bordladegerät (Landstrom). Es braucht eine Lithium-Kennlinie mit rund 14,2 V Ladespannung und niedriger Erhaltungsspannung. Viele Elektroblöcke älterer Fahrzeuge kennen nur Blei-Kennlinien. In der Anleitung des Elektroblocks steht, welche Batterietypen einstellbar sind.
  2. Solarregler. Meist umschaltbar, siehe Solaranlage.
  3. Ladung während der Fahrt. Eine Lithium-Batterie nimmt sehr hohe Ströme an. Hängt sie nur über das Trennrelais an der Lichtmaschine, ist der Strom unkontrolliert und die Kennlinie falsch. Ein Ladebooster begrenzt den Strom und lädt mit der passenden Spannung.
  4. Sicherung und Kabel. Lithium kann im Kurzschlussfall enorme Ströme liefern. Die Hauptsicherung gehört so nah wie möglich an den Pluspol, die Batterie muss fest verzurrt sein.
  5. Anzeige. Weil die Spannung fast gleich bleibt, sagt ein einfaches Voltmeter über den Füllstand einer Lithium-Batterie wenig aus. Ein Batteriecomputer mit Messwiderstand (Shunt) oder die App der Batterie zeigt den echten Stand.

Zu den Kosten: Lithium ist in der Anschaffung deutlich teurer als Blei. promobil nannte im Mai 2024 rund 170 Euro für eine 95-Ah-AGM-Batterie und rund 900 Euro für eine LiFePO4-Batterie ähnlicher Kapazität. Die Preise sind stark in Bewegung, vergleiche aktuelle Angebote und rechne ein neues Ladegerät und einen Booster mit ein, falls sie fehlen.

Wenn die Batterie nicht mehr durchhält

  • Bleibatterie ist nach wenigen Stunden leer: Meist Kapazitätsverlust durch Sulfatierung oder Alter. Volladen, alle Verbraucher abschalten, einige Stunden ruhen lassen und dann die Spannung messen. Fällt sie unter einer kleinen, bekannten Last schnell ab, ist die Batterie verbraucht.
  • Batterie wird beim Fahren nicht voll: Das liegt häufig nicht an der Batterie, sondern an der Lichtmaschine oder an zu dünnen Leitungen. Die Ursachen stehen beim Ladebooster.
  • Lithium-Batterie schaltet plötzlich ab: Das BMS hat getrennt. Typische Auslöser sind Unterspannung, ein zu hoher Strom (Wechselrichter mit großer Last) oder Laden bei Kälte. Die App oder die Anleitung nennt den Grund.
  • Lithium wird am Landstrom nie ganz voll: Das Ladegerät läuft noch mit einer Blei-Kennlinie oder schaltet zu früh auf Erhaltung.
  • Bleibatterie wird heiß oder riecht: Sofort vom Ladegerät trennen, lüften, nicht weiter benutzen.

Was du selbst machen kannst und was nicht

Eine Batterie gleichen Typs gegen eine neue zu tauschen, ist eine 12-Volt-Arbeit und für geübte Schrauber machbar: Verbraucher aus, Landstrom ab, zuerst den Minuspol lösen, beim Einbau den Minuspol zuletzt anschließen. Nichts Metallisches auf die Pole legen, die Batterie ist die stärkste Stromquelle im Fahrzeug.

Sobald das Bordladegerät oder der Elektroblock getauscht wird, arbeitest du an einem Gerät mit 230-Volt-Eingang. Der Anschluss an die 230-Volt-Seite, also Zuleitung, Schutzleiter und Absicherung, gehört in die Hand einer Elektrofachkraft. Das Gleiche gilt für Kombigeräte aus Ladegerät und Wechselrichter. Lass dir beim Umstieg auf Lithium außerdem bestätigen, dass Leitungsquerschnitte und Sicherungen zum höheren Ladestrom passen. Viele Fachbetriebe für Reisemobil-Elektrik bieten die Umrüstung als Paket an.

Häufige Fragen

Wie viel Strom kann ich aus einer 100-Ah-Batterie wirklich entnehmen?

Bei AGM und Gel solltest du im Alltag nur etwa die Hälfte entnehmen, sonst altert die Batterie schnell. Eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie verträgt 80 Prozent und mehr, ohne dass die Lebensdauer einbricht.

Kann ich eine AGM-Batterie einfach gegen Lithium tauschen?

Die Batterie selbst passt meist an denselben Platz, aber Ladegerät, Solarregler und die Ladung über die Lichtmaschine müssen eine Lithium-Kennlinie haben. Prüfe das vor dem Kauf in den Anleitungen deiner Geräte oder lass es vom Fachbetrieb prüfen.

Ist eine Lithium-Batterie im Winter ein Problem?

Entladen funktioniert auch bei Frost, das Laden nicht: Unterhalb der Grenze aus dem Datenblatt sperrt das Batteriemanagement die Ladung. Sitzt die Batterie im beheizten Innenraum, spielt das im bewohnten Fahrzeug kaum eine Rolle.

AGM oder Gel: Was ist besser?

Gel hält bei gleicher Entladetiefe mehr Zyklen aus, AGM kommt besser mit hohen Strömen zurecht, etwa für einen Wechselrichter. Bei der nutzbaren Kapazität und beim Gewicht unterscheiden sich die beiden kaum.

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