Solaranlage fürs Wohnmobil: Wie viel Watt du wirklich brauchst
Realistischer Ertrag je Jahreszeit, MPPT oder PWM, Kleben oder Schrauben und was eine Nachrüstung grob kostet. Mit Faustformel für deinen Tagesbedarf.
Stand 13.10.2026 · 7 Min. Lesezeit

Für ein Paar mit Kompressorkühlschrank, Licht, Wasserpumpe und ein paar Ladegeräten reichen in der Saison von April bis September meist 200 bis 300 Wp auf dem Dach plus 100 Ah Lithium. Im Winter liefert dieselbe Anlage nur einen Bruchteil, dann hilft nur Landstrom oder Fahren. Alles dazwischen hängt von drei Zahlen ab: deinem Tagesverbrauch, der Jahreszeit und dem Laderegler.
Schritt 1: Den Tagesverbrauch ehrlich zusammenrechnen
Bevor du Module kaufst, brauchst du eine Zahl in Wattstunden pro Tag. Der Strom-Rechner nimmt dir das Addieren ab, hier die Größenordnungen, mit denen du rechnen kannst:
| Verbraucher | Verbrauch je Tag | Anmerkung |
|---|---|---|
| Kompressorkühlschrank 80 bis 90 l | 300 bis 700 Wh | Läuft nur etwa ein Drittel der Zeit, bei Hitze mehr |
| Absorberkühlschrank auf 12 V | nicht sinnvoll | Zieht im Fahrbetrieb über 100 W, nur über Lichtmaschine |
| LED-Licht | 20 bis 60 Wh | Drei Stunden abends |
| Wasserpumpe | 10 bis 30 Wh | |
| Heizungsgebläse (Truma Combi) | 150 bis 400 Wh | Nur in der kalten Jahreszeit, im Dauerbetrieb mehr |
| Handy, Tablet, Laptop laden | 50 bis 150 Wh | |
| Wechselrichter-Leerlauf | 50 bis 200 Wh | Wenn er den ganzen Tag an bleibt |
Ein typisches Reisepaar ohne Heizung kommt so auf 600 bis 1000 Wh am Tag. Mit Heizung im Herbst sind es schnell 1200 Wh und mehr.
Schritt 2: Was ein Modul im Jahresverlauf wirklich bringt
Die Watt-Zahl auf dem Modul ist die Leistung unter Laborbedingungen (1000 W/m² bei 25 °C Modultemperatur). Auf einem flach liegenden Wohnmobildach in Deutschland erreichst du sie praktisch nie. Als Richtwert gibt Reimo für 100 Wp einen Jahresertrag von 60 bis 100 kWh an, davon rund zwei Drittel im Sommerhalbjahr. Flache Montage statt Südausrichtung kostet nochmal etwa ein Viertel.
Überschlägig je 100 Wp bei flacher Montage:
| Jahreszeit | Ertrag je Tag (100 Wp) | Ertrag je Tag (300 Wp) |
|---|---|---|
| Juni, Juli, klarer Himmel | 400 bis 500 Wh | 1200 bis 1500 Wh |
| Mai bis August, Durchschnitt | 250 bis 350 Wh | 750 bis 1050 Wh |
| April und September | 150 bis 250 Wh | 450 bis 750 Wh |
| Oktober und März | 80 bis 150 Wh | 250 bis 450 Wh |
| November bis Februar | 30 bis 80 Wh | 100 bis 250 Wh |
Das sind Erfahrungswerte, keine Messreihe. Der Winterwert ist so niedrig, dass er in der Planung nichts rettet: 300 Wp liefern im Dezember an einem trüben Tag kaum mehr als der Kühlschrank zieht. Wer im Winter frei stehen will, braucht eine große Batterie, einen Ladebooster für die Fahrt oder regelmäßig Landstrom.
Die Faustformel für die Modulgröße
Tagesverbrauch in Wh geteilt durch die nutzbaren Sonnenstunden geteilt durch 0,75 für Verluste. Beispiel Sommer: 800 Wh / 5 h / 0,75 = rund 215 Wp. Beispiel Herbst mit Heizung: 1200 Wh / 2,5 h / 0,75 = 640 Wp, was auf den meisten Dächern nicht mehr unterzubringen ist. Deshalb gilt: Solar für die Saison auslegen, für Übergangszeit und Winter andere Quellen einplanen.
Was die Zahl schnell kaputt macht: Schatten. Ein Dachlüfter, eine Sat-Antenne oder ein Ast über einem Teil des Moduls reduzieren den Ertrag nicht anteilig, sondern können einen ganzen Modulstrang fast lahmlegen. Lieber zwei kleinere Module mit getrennten Reglereingängen als ein großes, wenn das Dach verbaut ist.
MPPT oder PWM: Der Regler entscheidet mit
Der Laderegler sitzt zwischen Modul und Batterie und bestimmt, wie viel vom Modulertrag ankommt.
PWM (Pulsweitenmodulation) verbindet das Modul praktisch direkt mit der Batterie. Das Modul wird auf die Batteriespannung heruntergezogen, etwa 13 bis 14 V. Ein 12-V-Modul liefert seine maximale Leistung aber bei 17 bis 19 V. Die Differenz ist verloren. Bei einem 120-W-Modul kommen so an einer 12-V-Batterie typischerweise nur um die 85 W an.
MPPT (Maximum Power Point Tracking) sucht ständig den Punkt, an dem das Modul die meiste Leistung abgibt, und wandelt die höhere Modulspannung in Ladestrom um. Je nach Bedingungen holt das 10 bis 30 Prozent mehr heraus, am meisten bei kühlen Temperaturen und schwachem Licht, also genau dann, wenn du jedes Watt brauchst. Außerdem kannst du am MPPT-Regler Module mit höherer Spannung (Hausmodule mit 30 bis 40 V) betreiben und sie in Reihe schalten, was dünnere Kabel erlaubt.
Die Preisdifferenz ist in den letzten Jahren geschrumpft. Ein vernünftiger MPPT-Regler für 300 Wp liegt um 100 Euro, PWM-Regler gibt es ab 20 Euro. Für alles über 100 Wp ist MPPT die bessere Wahl, PWM ist nur noch bei Kleinstanlagen und knappstem Budget vertretbar. Achte bei Lithium-Batterien darauf, dass der Regler ein passendes Ladeprofil hat (14,2 bis 14,4 V Ladeschlussspannung, keine Erhaltungsladung auf hohem Niveau).
Starr oder flexibel, Kleben oder Schrauben
Starre Module mit Alurahmen und Glas sind robust, halten 20 Jahre und bleiben kühler, weil Luft unter ihnen zirkuliert. Sie brauchen Haltespoiler oder Profile, die auf das Dach geklebt werden, bei schweren Modulen zusätzlich verschraubt. Jede Bohrung ins Dach ist eine künftige Undichtigkeit, deshalb: so wenig wie möglich bohren, jede Schraube in dauerelastische Dichtmasse setzen.
Flexible Module werden flächig verklebt und tragen nur 5 bis 8 mm auf. Sie passen auf gewölbte Dächer und wiegen weniger. Der Nachteil: Sie liegen direkt auf dem Dach, werden deutlich heißer und verlieren dadurch Leistung. Viele Nutzer berichten von kürzerer Lebensdauer durch Mikrorisse in den Zellen. Für Kastenwagen mit gewölbtem Dach oder als Ergänzung sind sie sinnvoll, als Hauptanlage eher nicht.
Zum Kleben wird üblicherweise ein dauerelastischer Montagekleber verwendet, etwa Sikaflex 252i beziehungsweise dessen Nachfolger 554 oder Dekasyl MS-5. Das Dach muss sauber, trocken und fettfrei sein, auf GFK und Alu gehört ein Primer darunter. Bei Temperaturen unter 5 °C oder auf feuchtem Dach klebt nichts dauerhaft, das ist ein Job für einen trockenen Sommertag. Die Kabeldurchführung kommt als fertige Dachdurchführung mit Abdeckung, ebenfalls eingeklebt.
Komplett-Klebesets mit Kleber, Reiniger, Primer und Schleifvlies kosten um 60 Euro. Rechne für die Montage einen halben Tag, wenn du zu zweit bist.
Was eine Anlage grob kostet
Die Preise schwanken stark, hier die Größenordnung für Material (Stand Oktober 2026, Preise vorher im Handel prüfen):
| Bauteil | Grober Preis |
|---|---|
| Starres Modul 200 Wp | 150 bis 250 Euro |
| MPPT-Regler 20 bis 30 A | 80 bis 150 Euro |
| Halter, Kleber, Dachdurchführung | 80 bis 150 Euro |
| Kabel, Sicherungen, Stecker | 40 bis 80 Euro |
| Summe 200 bis 300 Wp, Selbstmontage | 400 bis 700 Euro |
| Einbau in der Werkstatt | 300 bis 600 Euro Arbeitszeit zusätzlich |
Fairgarage nennt für eine komplette Nachrüstung 600 bis 2000 Euro, die obere Grenze mit Werkstatt und größerer Anlage. Nicht in der Rechnung: eine neue Batterie. Ohne ausreichend Speicher bringt die beste Anlage nichts, weil der Strom mittags nicht gebraucht und abends nicht da ist. Was sie kostet, schwankt stark: promobil nannte im Mai 2024 rund 900 Euro für eine LiFePO4-Batterie mit etwa 100 Ah, seither sind die Preise in Bewegung. Vergleiche aktuelle Angebote; mehr dazu im Beitrag Aufbaubatterie: AGM, Gel oder Lithium.
Typische Fehler bei der Planung
- Zu wenig Speicher: 300 Wp auf 80 Ah Blei-Säure ist ein Missverhältnis, die Batterie nimmt mittags nicht mehr an, was das Dach liefert.
- Regler zu klein: Ein 10-A-Regler begrenzt 300 Wp im Sommer. Reglerstrom mindestens Modulleistung geteilt durch 12, besser etwas Reserve.
- Kabel zu dünn: 10 m Weg mit 2,5 mm² bei 20 A kostet spürbar Spannung. 6 mm² ist bei größeren Anlagen Standard.
- Keine Sicherung zwischen Regler und Batterie. Die Batterie ist die gefährlichste Stromquelle im Fahrzeug.
- Module im Schatten der Dachklimaanlage oder des Dachlüfters montiert.
Wann du eine Werkstatt brauchst
Die 12-V-Seite darfst du selbst anschließen, wenn du mit Sicherungen, Kabelquerschnitten und Polung sicher umgehst. Sobald ein Wechselrichter mit 230-V-Ausgang fest ins Bordnetz eingebunden wird, inklusive Vorrangschaltung und Schutzleiter, gehört das in die Hand eines Elektrofachbetriebs. Das Gleiche gilt für Fahrzeuge, bei denen das Dach eine tragende Sandwichkonstruktion mit unklarem Aufbau ist: Dort kann eine falsche Bohrung in die Dämmung Wasser ziehen, was du erst Jahre später bemerkst. Wie du Feuchteschäden erkennst, steht im Beitrag Reparatur selbst oder Werkstatt.
Wer die Anlage vor allem für eine Klimaanlage plant, sollte vorher den Beitrag Klimaanlage im Wohnmobil lesen: Das klappt mit Solar allein nicht.
Häufige Fragen
Wie viel Watt Solar brauche ich auf dem Wohnmobil?
Für ein Paar mit Kompressorkühlschrank, Licht, Wasserpumpe und Ladegeräten reichen von April bis September meist 200 bis 300 Wp plus 100 Ah Lithium. Entscheidend ist dein Tagesverbrauch in Wattstunden.
Reicht eine Solaranlage im Winter?
Nein. Im Winter liefert dieselbe Anlage nur einen Bruchteil des Sommerertrags. Wer dann frei stehen will, braucht eine große Batterie, einen Ladebooster für die Fahrt oder regelmäßig Landstrom.
MPPT oder PWM: Welcher Laderegler ist besser?
Für alles über 100 Wp ist MPPT die bessere Wahl. Der Regler holt je nach Bedingungen 10 bis 30 Prozent mehr aus dem Modul, am meisten bei kühlen Temperaturen und schwachem Licht. PWM ist nur noch bei Kleinstanlagen vertretbar.
Was kostet es, eine Solaranlage nachzurüsten?
Das Material für 200 bis 300 Wp kostet bei Selbstmontage grob 400 bis 700 Euro, der Einbau in der Werkstatt 300 bis 600 Euro Arbeitszeit zusätzlich (Stand Oktober 2026). Eine neue Batterie ist darin nicht enthalten.
Solarmodule kleben oder schrauben?
Starre Module sitzen auf Haltern, die aufs Dach geklebt und bei schweren Modulen zusätzlich verschraubt werden; flexible Module werden flächig verklebt. Jede Bohrung ist eine mögliche Undichtigkeit, deshalb so wenig wie möglich bohren.
Quellen und weiterführende Links
- Reimo: Solaranlagen für Wohnmobile (Ertragsangaben)
- promobil: 13 Antworten zur Solaranlage fürs Wohnmobil
- photovoltaik.info: PV-Anlage auf dem Wohnmobil – Kleben oder Schrauben
- promobil: AGM- vs. Lithiumakku, Vergleichsmessung (30.05.2024)
- Fairgarage: Solaranlage beim Wohnmobil nachrüsten (Kostenrahmen)
- Campercontact: Kühlschrank im Wohnmobil (Verbrauchswerte)