Wassertank im Wohnmobil: welche Größe du brauchst und wie du nachrüstest
Wie groß der Frischwassertank sein sollte, was jeder Liter an Zuladung kostet, welche Wege es zum größeren Tank gibt und worauf du beim Nachrüsten achtest.
Stand 13.10.2026 · 7 Min. Lesezeit

Die richtige Tankgröße ist die, die zu deiner Zuladung passt, nicht die größte, die in den Stauraum geht. Jeder Liter wiegt ein Kilogramm, und bei einem Wohnmobil bis 3,5 Tonnen sind 50 Liter mehr oft genau die Reserve, die für Fahrräder oder den zweiten Gasvorrat fehlt. Rechne zuerst, dann rüste nach.
Welche Größen üblich sind
Wohnmobile bis 3,5 Tonnen haben laut PiNCAMP häufig 50 bis 75 Liter Frischwasser an Bord. Bei Fahrzeugen ab 3,5 Tonnen lassen sich nach derselben Quelle fast immer Tanks mit 60 bis 100 Litern, teils bis 150 Litern nachrüsten, wenn sie nicht schon ab Werk eingebaut sind. Campingbusse und Wohnwagen liegen meist darunter und arbeiten oft mit Kanistern.
Die Angabe im Prospekt ist das Fassungsvermögen. Wie viel du davon unterwegs wirklich mitnimmst, ist eine andere Frage.
Wie viel Wasser du brauchst
PiNCAMP nennt für zwei Personen etwa 40 Liter am Tag für Kochen, Spülen, Händewaschen, Zähneputzen und Toilettenspülung. Wird täglich an Bord geduscht, sind es etwa 80 Liter. Daraus ergibt sich, wie lange ein Tank reicht und was er wiegt:
| Tankgröße | Gewicht des Wassers | Reichweite ohne Duschen | Reichweite mit Duschen |
|---|---|---|---|
| 50 Liter | 50 kg | gut 1 Tag | gut ein halber Tag |
| 75 Liter | 75 kg | knapp 2 Tage | knapp 1 Tag |
| 100 Liter | 100 kg | 2,5 Tage | gut 1 Tag |
| 150 Liter | 150 kg | knapp 4 Tage | knapp 2 Tage |
Gerechnet für zwei Personen mit den Verbrauchswerten von PiNCAMP. Wer sparsam spült und draußen duscht, kommt deutlich weiter.
Daran siehst du auch, wo der Hebel liegt: Die Dusche verdoppelt den Verbrauch. Ein Sparduschkopf, Wasser zum Einseifen abstellen und das Spülen in einer Schüssel bringen mehr Standzeit als 30 Liter zusätzlicher Tank, und sie wiegen nichts. Wie Wasser, Strom und Gas beim Stehen ohne Anschluss zusammenpassen, steht im Beitrag Autark stehen.
Das Gewicht ist die eigentliche Grenze
Was im Fahrzeugschein schon drin ist
Das Leergewicht nach § 42 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung umfasst das betriebsfertige Fahrzeug mit vollständig gefüllten Flüssigkeitssystemen, Abwasser ausgenommen, dazu 75 Kilogramm für den Fahrer. Bei der Typgenehmigung von Wohnmobilen legen viele Hersteller die mitgerechnete Wassermenge aber selbst niedrig fest. Dafür gibt es in neueren Fahrzeugen die Fahrstellung: Ein Überlaufventil am Tank lässt für die Fahrt laut Fritz Berger nur etwa 10 bis 20 Liter zu. Erst wenn du es auf Wohnstellung umlegst, füllt sich der Tank ganz.
Für dich heißt das: Steht im Prospekt „Masse in fahrbereitem Zustand mit Fahrfüllung“, dann geht jeder weitere Liter von der Zuladung ab. Ein 120-Liter-Tank, der mit 20 Litern eingerechnet ist, kostet voll 100 Kilogramm Zuladung. Was die Zuladung insgesamt bedeutet und was bei Überladung droht, steht im Beitrag Zuladung und Überladung.
Was ein größerer Tank kostet
Rechne beim Nachrüsten drei Posten:
- das zusätzliche Wasser, ein Kilogramm je Liter,
- den Tank selbst mit Halterung, Schläuchen und gegebenenfalls zweiter Pumpe,
- das zusätzliche Abwasser, wenn du auch den Abwassertank vergrößerst. Auf der Rückfahrt von einem freien Stellplatz ist der Frischwassertank leer und der Abwassertank voll.
Trag die Werte in den Zuladungsrechner ein, bevor du bestellst. Wichtig ist außerdem, wo das Gewicht sitzt: Ein Tank hinter der Hinterachse belastet die Hinterachse stärker, als er wiegt, und entlastet die Vorderachse. Bei Fahrzeugen mit langem Hecküberhang ist die Hinterachslast ohnehin oft am Limit. Nach dem Einbau gehört das Fahrzeug reisefertig auf die Waage, mit Achslasten. Wie das geht, steht unter Wohnmobil und Wohnwagen wiegen.
Reicht die Zuladung nicht, bleiben zwei Wege: den großen Tank nur am Ziel füllen und leer fahren, oder das Fahrzeug auflasten. Letzteres hat Folgen für Führerschein, Maut und Tempolimits, die im Beitrag Auflasten stehen.
Drei Wege zu mehr Wasser
Größerer Ersatztank. Der vorhandene Tank wird gegen einen größeren am selben Ort getauscht. Das klappt, wenn daneben oder darüber Luft ist. Viele Fahrzeuge haben Tanks in Standardmaßen, sonst gibt es Sonderanfertigungen nach Maß. Vorteil: Pumpe, Einfüllstutzen und Leitungen bleiben.
Zusatztank. Ein zweiter Tank an anderer Stelle, etwa in der Heckgarage, im Doppelboden oder unter dem Fahrzeug. Er wird entweder über eine Verbindungsleitung mit dem Haupttank gekoppelt oder bekommt eine eigene Umfüllpumpe. Vorteil: Du verteilst das Gewicht und kannst ihn leer lassen, wenn du ihn nicht brauchst.
Kanister. Zwei Kanister mit je 20 Litern im Stauraum sind die billigste und flexibelste Reserve. Du kannst sie zu Fuß am Hahn füllen, wenn die Station besetzt ist oder das Fahrzeug nicht bewegt werden soll, und zu Hause lassen, wenn es knapp wird mit dem Gewicht. Für Campingbusse und Wohnwagen ist das oft die ganze Lösung, mit einer Tauchpumpe im Kanister.
Innen oder unter dem Boden
| Innen (Sitztruhe, Doppelboden, Garage) | Unterflur | |
|---|---|---|
| Frost | geschützt, solange geheizt wird | gefährdet, wenn nicht isoliert und beheizt |
| Stauraum | geht verloren | bleibt erhalten |
| Größe | durch den Raum begrenzt | laut PiNCAMP bis etwa 100 Liter |
| Risiken | Leck läuft ins Fahrzeug | Steinschlag, Aufsetzen, weniger Bodenfreiheit |
| Schwerpunkt | höher | tief |
| Reinigung | Zugang oft eng | Reinigungsöffnung von unten oder oben nötig |
Wer im Winter fährt, braucht den Tank innen oder einen isolierten und beheizten Unterflurtank. Ein ungeschützter Tank unter dem Boden ist nur etwas für die frostfreie Zeit.
Worauf es beim Einbau ankommt
- Befestigung. Ein voller Tank mit 100 Litern drückt bei einer Vollbremsung mit großer Kraft nach vorn, bei einem Unfall mit einem Vielfachen seines Gewichts. Er braucht Spanngurte oder Halterungen an tragfähigen Punkten, kein Lochband an der Sperrholzwand. Bei Unterflurtanks wird am Rahmen oder an dafür vorgesehenen Punkten befestigt. Bohren und Schweißen am Fahrgestell ist nach den Aufbaurichtlinien des Fahrgestellherstellers geregelt und Sache des Fachbetriebs.
- Schwallwände. Große Tanks ohne Unterteilung schwappen spürbar. Achte auf Tanks mit Schwallwänden, vor allem bei hoher Einbaulage.
- Material. Lebensmittelgeeigneter Kunststoff, für Trinkwasser ausgewiesen. Kein umgewidmeter Behälter.
- Reinigungsöffnung. Groß genug für Hand und Schwamm. Ein Tank, den du nicht von innen erreichst, lässt sich nicht richtig reinigen. Mehr dazu im Beitrag Frischwassertank reinigen.
- Entlüftung und Überlauf. Ohne Entlüftung füllt sich der Tank nicht richtig, und die Pumpe zieht ihn zusammen. Die Entlüftung endet außen und nach unten.
- Ablass am tiefsten Punkt. Sonst bekommst du den Tank im Herbst nicht leer.
- Füllstandsanzeige. PiNCAMP empfiehlt sie besonders bei schlecht zugänglichen Tanks. Die vorhandene Anzeige passt nach einem Tanktausch meist nicht mehr.
- Leitungen sichtbar verlegen. Zuleitungen so führen, dass du sie später kontrollieren kannst, mit Schellen an jeder Verbindung.
- Pumpe prüfen. Längere Wege und ein tiefer liegender Tank verlangen mehr von der Pumpe.
- Abwassertank mitdenken. Er sollte zur neuen Frischwassermenge passen.
Wann du es nicht selbst machen solltest
Einen Tank in der Sitztruhe gegen einen größeren tauschen, einen Zusatztank in der Garage verzurren und anschließen: Das ist mit Sorgfalt machbar. Zur Fachwerkstatt gehört alles, was am Fahrgestell befestigt wird, jeder Durchbruch durch den Boden und die elektrische Tankheizung, wenn du dir bei der Absicherung nicht sicher bist. Ein Unterflurtank, der sich bei Tempo 100 löst, ist kein Wasserschaden mehr.
Frag vor dem Einbau außerdem bei deiner Prüfstelle oder dem Aufbauhersteller nach, ob die Änderung Folgen für die Fahrzeugpapiere oder die Garantie hat. Pauschal lässt sich das nicht sagen, es hängt von Einbauort, Gewicht und Fahrzeug ab.
Wenn es nicht funktioniert
Der Tank wird nicht voll. Das Ventil steht noch auf Fahrstellung, oder die Entlüftung ist verstopft und das Wasser staut sich im Einfüllstutzen zurück.
Der Zusatztank läuft nicht in den Haupttank über. Luft in der Verbindungsleitung oder zu wenig Gefälle. Leitung entlüften, sonst eine Umfüllpumpe einbauen.
Die Pumpe zieht nach dem Umbau Luft. Die Entnahme liegt nicht am tiefsten Punkt, oder die Tauchpumpe hängt zu hoch. Bei wenig Wasser im Tank zeigt sich das zuerst in Kurven und am Hang.
Die Anzeige stimmt nicht. Die Sonden sind für die alte Tankhöhe abgelängt. Sonden anpassen oder tauschen.
Das Fahrzeug liegt hinten tief oder fährt schwammig. Wiegen, und zwar achsweise. Dann den Tank für die Fahrt nur teilweise füllen oder Gewicht nach vorn verlagern.
Häufige Fragen
Wie groß sollte der Wassertank im Wohnmobil sein?
Das hängt vom Verbrauch und davon ab, wie lange du ohne Nachfüllen stehen willst. Der ADAC rechnet für zwei Personen mit etwa 40 Litern am Tag, mit täglichem Duschen mit etwa 80 Litern. Ein Tank mit 100 Litern reicht dann für gut zwei Tage beziehungsweise gut einen Tag.
Was wiegt ein voller Wassertank?
Ein Liter Wasser wiegt ein Kilogramm. Ein voller Tank mit 100 Litern belastet das Fahrzeug also mit 100 Kilogramm, dazu kommen der Tank selbst und seine Halterung. Das volle Abwasser zählt genauso.
Kann man einen größeren Wassertank nachrüsten?
Ja, als größeren Ersatztank, als Zusatztank oder mit Kanistern. Voraussetzung sind Platz, eine tragfähige Befestigung und genug Zuladung. Bei Fahrzeugen bis 3,5 Tonnen scheitert es meist am Gewicht, nicht am Platz.
Was bedeutet Fahrstellung beim Frischwassertank?
Ein Überlaufventil begrenzt die Füllung für die Fahrt auf eine kleine Menge. Der Hersteller hält damit das Gewicht im fahrbereiten Zustand niedrig. Erst in der Wohnstellung lässt sich der Tank ganz füllen, und dieses Wasser geht von deiner Zuladung ab.
Muss der Abwassertank genauso groß sein wie der Frischwassertank?
Er sollte dazu passen. Fast alles, was du aus dem Frischwassertank entnimmst, landet im Abwassertank. Ist der zu klein, begrenzt er die Standzeit, auch wenn noch Frischwasser da ist.