Portugal mit dem Wohnmobil: elektronische Maut, die 48-Stunden-Regel, Tempolimits und Reisezeit

Portugal mit dem Wohnmobil: wie die elektronische Maut mit deutschem Kennzeichen funktioniert, was die 48-Stunden-Regel erlaubt und wo Übernachten verboten ist.

Stand 13.10.2026 · 7 Min. Lesezeit

Felsbucht mit Sandstrand und türkisfarbenem Wasser aus der Luft
Felsbucht mit Sandstrand und türkisfarbenem Wasser aus der Luft

Portugal ist das Ziel am Ende der langen Strecke: Atlantikstrände, milde Winter an der Algarve und ein Land, das Wohnmobile gewohnt ist. Zwei Themen sorgen jedes Jahr für Ärger, weil sie anders laufen als erwartet. Das erste ist die Maut, die auf vielen Strecken nur elektronisch erhoben wird und vor Ort gar nicht bezahlt werden kann. Das zweite ist das Übernachten außerhalb von Plätzen, das seit 2021 gesetzlich geregelt ist: weder generell verboten noch so frei, wie es früher an der Küste üblich war.

Anreise: zwei Länder Anlauf

Mit dem Wohnmobil nach Portugal heißt: einmal durch Frankreich und einmal durch Spanien. Von der Mitte Deutschlands bis an die Algarve sind es je nach Startort und Route rund 2.300 bis 2.800 km. Das sind vier bis fünf Fahrtage, wenn du nicht hetzt, und es lohnt sich erst ab drei Wochen Urlaub oder für einen längeren Winteraufenthalt.

  • Nach Nordportugal und Porto fährst du über Bordeaux, Irun, Burgos und Salamanca.
  • An die Algarve führt der schnellste Weg über Madrid oder über Salamanca, Cáceres und Sevilla.

Für die Durchreise gelten die französischen und spanischen Regeln, die in den Beiträgen zu Frankreich und Spanien stehen. Was Diesel und Maut für die ganze Strecke kosten, überschlägst du mit dem Reisekostenrechner.

Maut: zwei Systeme nebeneinander

Portugal hat keine Vignette, sondern Streckenmaut. Es gibt zwei Arten von Mautstrecken:

  • Klassische Mautstellen: Du ziehst ein Ticket und zahlst an der Ausfahrt.
  • Rein elektronische Strecken: Sie sind mit „electronic toll only“ beschildert. Kameras erfassen das Kennzeichen, eine Kasse gibt es nicht. Wer hier ohne Vorbereitung durchfährt, kann nicht nachträglich am Automaten zahlen.

Einige Abschnitte sind seit Januar 2025 mautfrei, die A25 seit 2026 auf ganzer Länge (Stand 2026).

So bezahlst du die elektronischen Strecken

Produkt Für wen Kosten (Stand 2026) Gilt auf
EasyToll Aufenthalte bis 30 Tage; Bankkarte wird dem Kennzeichen zugeordnet 0,74 € Aktivierung, 0,32 € je Strecke nur elektronische Strecken
TollCard Prepaid-Guthaben 5, 10, 20 oder 40 €, ein Jahr gültig 1,00 € Aktivierung, 0,32 € je Strecke nur elektronische Strecken
Via Verde Visitors Leih-Transponder für die Scheibe 1,59 € je Nutzungsmonat alle Strecken, nur Klassen 1 und 2
Go Toll (Via Verde) Abrechnung ohne Transponder 0,75 € je genutztem Monat, 0,32 € je Transaktion siehe Anbieter

Die Mautbeträge selbst kommen jeweils dazu. Die früher verbreiteten virtuellen Prepaid-Karten für Kurzaufenthalte werden nicht mehr verkauft; ältere Reiseberichte, die sie empfehlen, sind überholt. Wer ohnehin mit einer europäischen Mautbox fährt, prüft, ob Portugal enthalten ist: Mautbox fürs Wohnmobil.

Klassen und eine Zeitfalle

Die Klasse richtet sich nach der Höhe an der Vorderachse und der Achszahl:

  • Klasse 1: unter 1,10 m Höhe an der Vorderachse.
  • Klasse 2: zwei Achsen und ab 1,10 m. Das ist fast jedes Wohnmobil.
  • Klasse 3: drei Achsen. Klasse 4: mehr als drei Achsen. Eine Tandemachse zählt als zwei Achsen.

Achtung bei Pausen auf der Autobahn: Liegen zwischen zwei Mautstellen mehr als 12 Stunden, wird die doppelte Gebühr für die längste Strecke berechnet. Wer auf einem Autobahnrastplatz übernachtet und am nächsten Mittag weiterfährt, zahlt drauf.

Tempolimits

Fahrzeug Innerorts Außerorts Schnellstraße Autobahn
Wohnmobil bis 3,5 t 50 90 100 120
Wohnmobil über 3,5 t 50 80 90 100
Gespann 50 70 80 100

Stand 2026 laut ADAC. Bis 3,5 t gelten also die Pkw-Werte.

Übernachten: was die 48-Stunden-Regel wirklich sagt

Seit 2021 regelt das portugiesische Straßenverkehrsgesetz das Übernachten im Wohnmobil ausdrücklich. Der Kern:

  • Außerhalb von Schutzgebieten darfst du bis zu 48 Stunden in derselben Gemeinde im Wohnmobil übernachten, sofern die Gemeinde keine eigene, strengere Regelung hat.
  • In Natura-2000-Gebieten, anderen Schutzgebieten und den Zonen der Küstenordnungspläne ist das Übernachten verboten, außer an Orten, die ausdrücklich dafür zugelassen sind.
  • Auf zugelassenen Stellplätzen und Campingplätzen gilt die 48-Stunden-Grenze nicht.

Als Übernachten gilt, wenn das Fahrzeug zwischen 22 und 7 Uhr mit Insassen abgestellt ist. Verstöße kosten nach Artikel 50-A der Straßenverkehrsordnung 60 bis 300 Euro, in Schutzgebieten und Küstenzonen 120 bis 600 Euro.

Das klingt großzügiger, als es an der Küste ist. Der größte Teil der Algarve und der Westküste liegt in Schutzgebieten oder in der Küstenordnungszone, also genau dort, wo die Klippenparkplätze mit Meerblick sind. Dort wird im Sommer und in der Überwinterungssaison kontrolliert, auch nachts. Im Binnenland, im Alentejo oder im Norden, ist die Regel dagegen eine echte Erleichterung für eine Nacht auf der Durchreise. Wie überall gilt: Parken ist nicht Campen. Stühle, Markise und Grill gehören auf einen Platz.

Manche deutsche Übersichten schreiben pauschal, freies Campen sei in Portugal verboten. Für das Campieren stimmt das, für das reine Übernachten im geparkten Wohnmobil gilt die beschriebene Regel. Maßgeblich sind am Ende die Schilder der Gemeinde.

Portugal hat ein dichtes Netz kommunaler und privater Stellplätze („área de serviço para autocaravanas“), viele mit Ver- und Entsorgung für wenig Geld, dazu Campingplätze in allen Preisklassen. An der Algarve sind die Plätze im Winter gut gebucht. Einzelne Plätze bewerten wir hier nicht.

Umweltzone Lissabon

Lissabon hat eine Umweltzone, die werktags von 7 bis 21 Uhr gilt (Stand 2026). In der inneren Zone um die Avenida da Liberdade und die Baixa dürfen nur Fahrzeuge mit Erstzulassung ab dem 1. Januar 2000 fahren, in der äußeren Zone ab dem 1. Januar 1996. Eine Registrierung brauchst du nicht. Praktisch ist das für Wohnmobile zweitrangig: Die Altstadt ist steil und eng, und die Stellplätze und Campingplätze liegen außerhalb mit Bahn- oder Busanschluss.

Pflichtausrüstung und Heckträger

  • Warntafel: Für überstehende Ladung und Heckträger kannst du dieselbe Tafel verwenden wie in Spanien, also die mit drei roten Streifen. Der Überstand darf höchstens 55 cm nach vorn und 45 cm nach hinten betragen, das Bußgeld beginnt bei 120 Euro (Stand August 2026). Da du ohnehin durch Spanien fährst, brauchst du die Tafel schon dort.
  • Warnweste: Wer außerorts bei einer Panne aussteigt, muss sie tragen, sonst droht ein Bußgeld ab 60 Euro. Nimm für jeden Sitzplatz eine mit.
  • Licht: Eine allgemeine Lichtpflicht am Tag gibt es nicht, nur auf einzelnen beschilderten Strecken.

Reisezeit und Regionen

Zeit Wohin Hinweis
Oktober bis April Algarve Mild, viele Überwinterer, Plätze gut gebucht
April bis Juni, September, Oktober Westküste, Alentejo, Norden Angenehm, wenig Betrieb; Atlantik bleibt kühl
Juli, August Norden und Westküste Algarve voll und teuer, im Binnenland sehr heiß, Waldbrandgefahr

Die Westküste ist auch im Sommer windig und das Wasser kalt; das ist kein Badeurlaub wie am Mittelmeer, sondern Surf- und Wanderküste. Stationen und Fahrhinweise für den Süden findest du unter Algarve, alle Regeln in Kurzform im Steckbrief Portugal.

Was oft vergessen wird

  • Gas: Deutsche Flaschen werden nicht getauscht. Für einen langen Winteraufenthalt brauchst du einen Plan, etwa eine Tankflasche oder eine portugiesische Pfandflasche mit Adapter: Gasvorrat im Ausland.
  • Strom im Winter: Die Tage sind auch an der Algarve kurz. Rechne vorher nach, ob Solar und Batterie für deinen Verbrauch reichen.
  • Enge Ortsdurchfahrten: In den Dörfern des Alentejo und in den Küstenorten führen Navis gern mitten durch die Altstadt. Folge den Schildern für den Durchgangsverkehr, nicht der kürzesten Route.

Häufige Fragen

Wie bezahle ich die Maut in Portugal mit deutschem Kennzeichen?

An klassischen Mautstellen zahlst du vor Ort. Auf den rein elektronischen Strecken geht das nicht, dort muss dein Kennzeichen vorher mit einem Zahlungsmittel verknüpft sein, zum Beispiel über EasyToll, eine TollCard oder einen Transponder von Via Verde.

Darf man in Portugal mit dem Wohnmobil frei stehen?

Eingeschränkt. Das Übernachten im Wohnmobil ist außerhalb von Schutzgebieten bis zu 48 Stunden in derselben Gemeinde erlaubt, wenn die Gemeinde nichts anderes regelt. In Schutzgebieten und in den Küstenzonen ist es verboten, und das betrifft die meisten Orte, an denen man gern stehen würde.

Welche Mautklasse hat ein Wohnmobil in Portugal?

Fast immer Klasse 2. Entscheidend ist die Höhe an der Vorderachse: ab 1,10 Meter mit zwei Achsen ist es Klasse 2. Fahrzeuge mit drei Achsen fallen in Klasse 3, eine Tandemachse zählt als zwei Achsen.

Wann ist die beste Reisezeit für Portugal mit dem Wohnmobil?

Für die Algarve die Monate von Oktober bis April, wenn es mild ist und viele dort überwintern. Für die Westküste und den Norden sind Frühjahr und Frühherbst am angenehmsten. Im Juli und August ist die Algarve voll und teuer.

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