Mautbox fürs Wohnmobil: Welche es gibt, für wen sie sich lohnt und was über 3,5 Tonnen gilt
Mautboxen fürs Wohnmobil im Vergleich: Anbieter, Länder und Preise, Stand Oktober 2026, die 3-Meter-Grenze in Frankreich und die Camper-Boxen über 3,5 Tonnen.
Stand 13.10.2026 · 8 Min. Lesezeit

Eine Mautbox ist ein kleiner Sender hinter der Windschutzscheibe, der die Schranke an der Mautstation öffnet und die Gebühr später abbucht. Für Wohnmobile bis 3,5 Tonnen und unter drei Metern Höhe ist sie Komfort: Du sparst Zeit, aber kein Geld. Über 3,5 Tonnen sieht es anders aus. Dort passen die üblichen Boxen nicht mehr, in Österreich ist ein Mautgerät Pflicht, und es bleiben wenige Anbieter übrig, die schwere Wohnmobile überhaupt bedienen.
Zwei Grenzen entscheiden: 3,5 Tonnen und 3 Meter
Bevor du Anbieter vergleichst, brauchst du zwei Werte aus deinen Papieren und vom Zollstock: das zulässige Gesamtgewicht und die Fahrzeughöhe mit allen Aufbauten.
Der Grund ist die französische Klasseneinteilung. Klasse 2 gilt für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen mit einer Höhe von zwei bis drei Metern, das ist das typische Wohnmobil. Klasse 3 gilt für Zweiachser über 3,5 Tonnen oder ab drei Metern Höhe. Mit drei Achsen landest du in Klasse 4. Die Standardboxen der meisten Anbieter sind in Frankreich nur für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen und unter drei Metern zugelassen. Ein Alkoven mit 3,10 Metern Höhe fällt also heraus, auch wenn er nur 3,5 Tonnen wiegen darf.
Die zweite Grundregel: Eine Mautbox ersetzt keine Vignette. Die Schweiz, Slowenien bis 3,5 Tonnen und Ungarn deckt keine Box ab. Einen Überblick über alle Systeme gibt der Beitrag Maut in Europa.
Boxen für Wohnmobile bis 3,5 Tonnen
Alle Preise Stand Oktober 2026, bei Ulys nach dem ÖAMTC-Vergleich 2026.
| Anbieter und Tarif | Länder | Laufende Kosten | Einmalig | Aufschlag auf die Maut |
|---|---|---|---|---|
| ADAC Mautbox Standard | Frankreich, Spanien, Portugal, Italien ohne Sizilien | 23,90 € pro Jahr | 19,90 € Aktivierung, 3,90 € Versand (Mitglieder frei) | 5 % |
| ADAC Mautbox Premium | Wie Standard, dazu Sizilien und Kroatien ohne Istrien | 5,95 € pro Monat (71,40 € pro Jahr) | 25 € Aktivierung (Mitglieder 5 € weniger) | Keiner |
| maut1 Kleine Mautbox Standard | Italien ohne Sizilien, Frankreich, Spanien, Portugal, A24 Blankenburg (Niederlande) | 23,90 € pro Jahr | 19,90 € Aktivierung, Versand ab 3,90 € | 5 % |
| maut1 Kleine Mautbox Premium | Wie Standard, dazu ganz Italien und Kroatien ohne Istrien | 5,95 € pro Monat | 25 € Aktivierung | Keiner |
| Bip&Go | Frankreich fest; Spanien, Portugal, Italien wählbar | 19,95 € pro Jahr oder ein Monatsbetrag nur in genutzten Monaten | Einrichtung und Versand zusätzlich | Keine Angabe |
| Tolltickets „Pay-as-you-go“ | Wählbar: Dänemark, Frankreich, Italien, Norwegen, Portugal, Schweden, Spanien | 5,90 € je genutztem Monat | 16,00 € Aktivierung | 4 % |
| Tolltickets „Frequent Traveller“ | Wie oben | 13,90 € pro Jahr | 9,90 € Aktivierung | 3 % |
| Ulys (Vinci) | Frankreich fest; Italien, Portugal, Spanien wählbar | 1,90 € pro Monat im Fixtarif | 0 € Aktivierung (15 € mit Italien), 9,90 € Versand | Keine Angabe |
Ein paar Anmerkungen dazu:
- ADAC und maut1 haben nahezu identische Tarife. Technikpartner der ADAC-Box ist die maut1 GmbH aus Rosenheim.
- Bip&Go verkauft sein Gerät nur für die französischen Klassen 1, 2 und 5, also bis 3,5 Tonnen und unter drei Metern. Für Wohnmobile der Klassen 3 und 4 gibt es dort kein Badge. Der Monatsbetrag im Tarif „À la carte“ liegt bei gut zwei Euro je genutztem Monat, Monate ohne Nutzung kosten nichts. Den genauen Betrag und die Einrichtungskosten nennt die Anbieterseite.
- Tolltickets berechnet im Tarif „Pay-as-you-go“ nach zwölf Monaten ohne Nutzung eine Gebühr von 10 Euro. Die Länderliste mit Dänemark, Schweden und Norwegen unterscheidet das Angebot von den anderen. Laut Anbieter gibt es die Box je nach Land auch für schwere Fahrzeuge. Für welche Länder das bei Wohnmobilen über 3,5 Tonnen gilt, musst du vor der Bestellung dort erfragen.
- Weitere Anbieter wie Tollbird, Vintrica oder der italienische Telepass führt der ÖAMTC-Vergleich 2026 auf. Deren Preise für deutsche Kunden haben wir nicht auf den Anbieterseiten prüfen können, deshalb stehen sie nicht in der Tabelle. Telepass ist nach eigenen Angaben auf Zweiachser unter drei Metern und unter 3,5 Tonnen beschränkt.
- Kroatien hat für März 2027 ein digitales System ohne Schranken angekündigt. Wer vor allem wegen Kroatien eine Box kauft, sollte vor der Saison 2027 prüfen, was dann gilt.
Camper-Boxen über 3,5 Tonnen
Für schwere Wohnmobile gibt es in Deutschland zwei Angebote, die ausdrücklich dafür gedacht sind (Stand Oktober 2026).
| ADAC Camper Mautbox | maut1 Große Mautbox | |
|---|---|---|
| Für wen | Wohnmobile mit über 3,5 t tatsächlicher Gesamtmasse (Wortlaut ADAC) | Fahrzeuge über 3 m Höhe und schwere Wohnmobile |
| Länder mit Streckenmaut | Frankreich, Italien ohne Sizilien, Österreich, Portugal, Spanien, Slowenien (mit Karawankentunnel), Tschechien | Österreich, Italien, Frankreich, Spanien, Portugal |
| Einzelne Brücken und Tunnel | Storebælt-Brücke, Øresund-Brücke, Liefkenshoektunnel (Belgien), Warnowquerung und Herrentunnel (Deutschland) | A24 Blankenburg (Niederlande) |
| Jahrespreis | 99 € | 84,90 € |
| Aktivierung | 19,90 € | 19,90 € |
| Versand | 3,90 € | Ab 3,90 € |
| Aufschlag auf die Maut | 5,95 % | 5 % |
| Bedingungen | Deutsche Zulassung, private Nutzung, Wohnsitz und Konto in Deutschland; Leihgerät, Laufzeit 12 Monate, keine Erstattung bei früherer Rückgabe | Kein Fahrzeugwechsel; Österreich nur für Fahrzeuge über 3,5 t |
Der ADAC nennt als Voraussetzung eine „tatsächliche Gesamtmasse von über 3,5 Tonnen“, nicht die zulässige Gesamtmasse aus den Papieren. Die Mautklassen der Länder richten sich dagegen meist nach dem zulässigen Wert. Liegt dein Fahrzeug im Grenzbereich, kläre vor der Bestellung mit dem ADAC, welche Box passt. Die ADAC-Box läuft über das Netz von DKV und Toll4Europe. Der ADAC spricht in seiner Übersicht von zehn Ländern. Echte Flächenabdeckung gibt es in sieben: Frankreich, Italien, Österreich, Portugal, Spanien, Slowenien und Tschechien. In den übrigen Ländern funktioniert sie nur an den genannten Brücken und Tunneln.
Slowenien, wo schwere Fahrzeuge kilometerabhängig zahlen, und Tschechien deckt nur die ADAC-Box ab.
Ungarn ist bei beiden kein Thema mehr: Wohnmobile über 3,5 Tonnen brauchen dort seit Januar 2026 eine Vignette der Kategorie D2 statt der Streckenmaut.
Ab wann brauchst du in Frankreich die große Box?
Amtlich ist die Sache klar: Klasse 3 beginnt über 3,5 Tonnen oder ab drei Metern Höhe. In der Praxis wird an den Stationen laut ADAC oft nur die Höhe gemessen. maut1 nennt für die große Box eigene Praxisgrenzen, die davon abweichen. Bestell die Box, die zur amtlichen Klasse deines Fahrzeugs passt. Mit drei oder mehr Achsen brauchst du in jedem Fall die große Box.
Österreich: Pflicht statt Komfort
In Österreich zahlen Fahrzeuge über 3,5 Tonnen keine Vignette, sondern kilometerabhängige Maut, die über ein Gerät im Fahrzeug abgerechnet wird. Die klassische Lösung ist die GO-Box des Betreibers ASFINAG. Beide Camper-Boxen decken Österreich ebenfalls ab. Welche Fahrzeuge betroffen sind und was die Übergangsfrist für abgelastete Wohnmobile bedeutet, erklärt der Beitrag GO-Box Österreich und Schwerverkehrsabgabe Schweiz.
Norwegen und Portugal: eigene Systeme
In Norwegen gibt es keine Mautstationen mit Kasse. Erfasst wird das Kennzeichen, die Rechnung kommt per Post. Ein AutoPASS-Chip ist für privat genutzte Wohnmobile nicht vorgeschrieben, auch nicht über 3,5 Tonnen. Er bringt aber meist Rabatt und sorgt bei schweren Wohnmobilen der Fahrzeugklasse M1 dafür, dass sie wie leichte Fahrzeuge abgerechnet werden. Gemietete Wohnmobile über 3,5 Tonnen gelten als gewerblich und brauchen den Chip. Mehr im Länder-Steckbrief Norwegen.
In Portugal gibt es Autobahnen, auf denen nur elektronisch kassiert wird. Wer keine Mautbox hat, kann dort für kurze Aufenthalte die Bankkarte mit dem Kennzeichen verknüpfen oder eine Prepaid-Karte kaufen. Diese Lösungen gelten aber nur auf den rein elektronischen Strecken. Die Einzelheiten stehen im Länder-Steckbrief Portugal.
Lohnt sich das? Eine ehrliche Rechnung
Eine Mautbox macht die Maut nicht billiger. Du zahlst die normale Gebühr plus die Kosten der Box. Bei der einfachsten Standardbox sind das im ersten Jahr 23,90 Euro Jahresgebühr und 19,90 Euro Aktivierung, dazu fünf Prozent auf den Mautumsatz. Bei 200 Euro Maut auf einer Frankreich- und Spanienreise macht der Aufschlag also 10 Euro aus. Wie viel Maut auf deiner Strecke anfällt, schätzt der Reisekostenrechner.
Dafür bekommst du:
- eigene Spuren ohne Anhalten an den Stationen, was in der Hauptsaison viel Zeit spart,
- kein Hantieren mit Ticket und Kreditkarte aus dem Fahrerhausfenster,
- automatische Abrechnung auf Strecken ohne Schranke, bei denen du sonst innerhalb einer kurzen Frist online zahlen musst.
Für wen sich das rechnet:
- Einmal im Jahr eine Woche Italien, unter 3,5 Tonnen: Die Box ist Luxus. Kartenzahlung an der Station funktioniert.
- Regelmäßig Frankreich, Spanien, Portugal: Die Box spart spürbar Zeit und Nerven. Wer nur ein- oder zweimal im Jahr fährt, rechnet einen Tarif durch, der nur in genutzten Monaten kostet. Wer oft unterwegs ist, fährt mit einer Jahresgebühr meist günstiger.
- Über 3,5 Tonnen mit Österreich auf der Route: Du brauchst ohnehin ein Gerät. Eine Camper-Box, die Österreich und die Urlaubsländer dahinter abdeckt, erspart dir das zweite Gerät.
Vor der Bestellung prüfen
- Zulässiges Gesamtgewicht, Höhe und Achszahl aus den Papieren notieren.
- Länder der nächsten zwölf Monate auflisten und mit der Länderliste des Tarifs vergleichen. Achte auf Ausnahmen wie Sizilien oder Istrien.
- Laufzeit, Kündigung und Rückgabe des Geräts lesen. Die ADAC Camper Mautbox zum Beispiel ist ein Leihgerät mit zwölf Monaten Laufzeit.
- Die Box rechtzeitig vor der Abfahrt bestellen und nach Anleitung des Anbieters an der Scheibe befestigen.
Häufige Fragen
Welche Mautbox brauche ich für ein Wohnmobil über 3,5 Tonnen?
Eine Box, die ausdrücklich für schwere Wohnmobile freigegeben ist. Die normalen Boxen für Pkw gelten nur bis 3,5 Tonnen und in Frankreich nur unter drei Metern Höhe. In Deutschland bieten der ADAC und maut1 eigene Camper-Boxen an, die auch Österreich abdecken.
Lohnt sich eine Mautbox für eine einzige Urlaubsreise?
Finanziell meist nicht, denn die Maut selbst wird nicht billiger und es kommen Jahresgebühr, Aktivierung und oft ein Aufschlag dazu. Sie spart Zeit an den Stationen und nimmt dir auf Strecken ohne Schranke die Online-Zahlung ab. Über 3,5 Tonnen ist ein Mautgerät in Österreich ohnehin Pflicht.
Gilt eine Mautbox auch für Vignetten?
Nein. Vignettenländer wie die Schweiz, Slowenien bis 3,5 Tonnen oder Ungarn deckt keine Mautbox ab. Die Vignette kaufst du dort getrennt.
Funktioniert eine Pkw-Mautbox im Wohnmobil?
Ja, wenn dein Wohnmobil höchstens 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht hat und unter drei Metern hoch ist. Ist es höher oder schwerer, fällt es in Frankreich in eine andere Mautklasse, und die Standardboxen sind dafür nicht zugelassen.
Kann ich die Mautbox in mehreren Fahrzeugen nutzen?
Das hängt vom Anbieter ab. Boxen für schwere Fahrzeuge sind in der Regel auf ein Kennzeichen und dessen Fahrzeugdaten festgelegt. Bei der großen Box von maut1 ist ein Fahrzeugwechsel ausdrücklich ausgeschlossen.
Quellen und weiterführende Links
- ADAC Mautbox für Fahrzeuge bis 3,5 t
- ADAC Camper Mautbox für Wohnmobile über 3,5 t
- maut1: Kleine und Große Mautbox
- Bip&Go: Welche Fahrzeuge
- Tolltickets: Tarife
- ÖAMTC: Mautbox-Vergleich 2026
- ADAC: Maut in Frankreich (Fahrzeugklassen)
- ADAC: Maut in Ungarn (Vignette D2 für Wohnmobile über 3,5 t)
- AutoPASS: Compulsory tag