Küste · Deutschland
Nordseeküste mit dem Wohnmobil
Deich, Watt und Wind von Ostfriesland bis zur dänischen Grenze: Sielhäfen, Krabbenkutter, Halligen und der breiteste Strand Deutschlands.
Die Stationen
-
1
Greetsiel · 1 Tag
Der schönste Sielhafen Ostfrieslands, mit Kutterflotte und den Zwillingsmühlen am Ortseingang. Morgens hinfahren, bevor die Busse kommen, und mit dem Rad zum schiefen Pilsumer Leuchtturm. Wohnmobile bleiben auf dem Platz am Ortsrand, das Dorf ist zu eng.
Sehenswert: Greetsieler Zwillingsmühlen, Pilsumer Leuchtturm
-
2
Norden · 1 Tag
Norden ist die Stadt, Norddeich der Hafen davor: Fähren nach Juist und Norderney, Seehundstation, Drachenwiese und ein langer Grünstrand. Wer eine Insel mitnehmen will, fährt als Fußgänger nach Norderney, das Wohnmobil bleibt in Norddeich.
Sehenswert: Ludgeri-Kirche (Norden), Seehundstation Norddeich
-
3
Carolinensiel · 1 Tag
Museumshafen mit alten Plattbodenschiffen, dahinter Harlesiel mit Strand, Hundestrand und Fähre nach Wangerooge. Das Sielhafenmuseum verteilt sich auf mehrere Häuser im Ort, plane zwei Stunden ein.
Sehenswert: Deutsches Sielhafenmuseum Carolinensiel, Harlesiel
-
4
Cuxhaven · 2 Tage
An der Alten Liebe ziehen die Containerschiffe zum Greifen nah vorbei, die Kugelbake markiert die Elbmündung. Von Sahlenburg oder Duhnen fahren bei Ebbe die Wattwagen nach Neuwerk, das ist ein ganzer Tag und ein echtes Erlebnis. Gezeitenkalender vorher ansehen.
Sehenswert: Kugelbake, Alte Liebe (Cuxhaven), Neuwerk
-
5
Büsum · 1 Tag
Krabbenkutterhafen, Familienlagune und ein Deich, auf dem du mit Hund kilometerweit laufen kannst. Abends am Hafen Krabben kaufen und selbst pulen. Von Büsum aus lohnt der Umweg über das Eidersperrwerk nach Eiderstedt.
Sehenswert: Museum am Meer, Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
-
6
Sankt Peter-Ording · 2 Tage
Der Strand ist bis zu zwei Kilometer breit, die Pfahlbauten stehen im Sand, Kitesurfer überall. Nimm das Rad, zu Fuß sind die Wege lang. Ein Abstecher zum Leuchtturm Westerheversand ist Pflicht, vom Parkplatz läuft man etwa eine halbe Stunde.
Sehenswert: Leuchtturm Westerheversand
-
7
Husum · 1 Tag
Theodor Storms ‚graue Stadt am Meer‘ ist bunter als ihr Ruf: Binnenhafen mitten in der Stadt, Schloss mit Krokusblüte im März, kleines Nordsee-Museum. Guter Platz für einen Ruhetag mit Wäsche und Einkauf.
Sehenswert: Schloss vor Husum, Theodor-Storm-Haus
-
8
Dagebüll · 1 Tag
Fährhafen für Föhr und Amrum, sonst Deich, Leuchtturm und Weite. Stell das Wohnmobil am Hafen ab und mach einen Tagesausflug nach Föhr oder Amrum als Fußgänger mit Rad; mit Fahrzeug musst du in der Saison reservieren. Von Schlüttsiel, ein Stück nördlich, geht es zu den Halligen.
Sehenswert: Leuchtturm Dagebüll, Föhr, Amrum
Warum an die Nordsee
Die Nordsee ist kein Badeziel wie das Mittelmeer, und genau das macht sie aus. Zweimal am Tag verschwindet das Wasser und lässt ein Watt zurück, das seit 2009 Weltnaturerbe ist. Der Deich ist die Promenade, der Wind ist immer da, und die Orte sind klein, oft nur ein Siel, ein Hafen, ein paar Backsteinhäuser. Für Wohnmobilfahrer ist das ideal: Die Küste ist flach, die Stellplätze liegen meist direkt hinterm Deich, und von Ostfriesland bis Nordfriesland reiht sich ein Hafen an den nächsten.
Die Route führt über rund 500 Kilometer von der niederländischen Grenze bis fast nach Dänemark. Unterwegs wechseln die Landschaften: Ostfriesland ist Teeland und Sielhäfen, die Wesermündung ist Hafenindustrie und Schiffe, Dithmarschen ist Kohl und Krabben, Eiderstedt ist der riesige Strand von St. Peter-Ording, und Nordfriesland ist Halligen, Inseln und Weite.
Die Route in Kürze
Du startest in Greetsiel, dem Postkartenhafen der Krummhörn, und fährst über Norden und Norddeich nach Carolinensiel. Diese drei Stationen liegen nah beieinander; wer wenig Zeit hat, kann sie auf zwei Tage verteilen. Dann folgt der lange Sprung um den Jadebusen und durch den Wesertunnel nach Cuxhaven, wo Elbe und Nordsee aufeinandertreffen. Cuxhaven ist der Ort für den Ausflug nach Neuwerk: Bei Ebbe ziehen Pferdewagen durchs Watt zur Insel, mit festem Schuhwerk kannst du auch laufen, aber nur mit Wattführer.
Dann wechselst du die Elbseite. Die Fähre Glückstadt–Wischhafen ist der direkte Weg, der Elbtunnel in Hamburg die Alternative. Hinter der Elbe liegt Dithmarschen mit Büsum, danach die Halbinsel Eiderstedt mit St. Peter-Ording und dem Leuchtturm Westerheversand, der auf jeder zweiten Postkarte steht. Husum ist die kleine Stadt zum Durchatmen, und Dagebüll am Ende ist Fährhafen nach Föhr und Amrum. Wer noch Tage übrig hat, hängt Sylt dran: Der Autozug ab Niebüll nimmt auch Wohnmobile mit, du kannst aber ebenso gut von Dagebüll aus als Fußgänger nach Föhr fahren und das Wohnmobil stehen lassen.
Die Reihenfolge lässt sich ohne Verlust umdrehen. Wer aus dem Süden kommt, startet oft in Cuxhaven und fährt erst nach Westen, dann über die Elbe nach Norden.
Beste Zeit
Die Nordsee funktioniert von April bis Oktober. Mai und Juni haben die längsten Tage und noch leere Deiche, der September hat warmes Wasser, mildes Licht und weniger Kinder. Juli und August sind Hochsaison: Die Stellplätze an der Küste sind an Wochenenden früh voll, viele Plätze arbeiten mit Belegungsampeln im Netz, schau da vorher rein. Im Winter ist die Küste leer und grandios, aber viele Plätze schließen, und bei Sturm willst du nicht mit einem hohen Fahrzeug am Deich stehen.
Egal wann: Die Gezeiten bestimmen den Tag. Watt gibt es nur bei Ebbe, Baden und Kutterfahrten nur bei Flut. Einen Gezeitenkalender für den jeweiligen Ort findest du bei jeder Kurverwaltung.
Mit Hund
Die Nordsee ist eine der hundefreundlichsten Küsten Deutschlands, mit einer wichtigen Einschränkung: Fast die ganze Küste ist Nationalpark, und dort gilt Leinenpflicht. In Niedersachsen kommt die Brut- und Setzzeit vom 1. April bis 15. Juli dazu, in der Hunde in der freien Landschaft generell angeleint sein müssen. In St. Peter-Ording und auf Eiderstedt gilt die Leinenpflicht das ganze Jahr, mit Ausnahme der ausgewiesenen Auslaufzonen.
Hundestrände gibt es trotzdem fast überall: Norddeich, Harlesiel, Cuxhaven-Sahlenburg, Büsum und St. Peter-Ording haben eigene Abschnitte, teils mit Freilauf. Auf dem Deich darf der Hund an der Leine kilometerweit laufen, Schafe gehören dort aber zum Alltag und sind kein Spielzeug. Im Watt gilt: Leine dran, auch wenn weit und breit nichts zu sehen ist. Seehunde liegen auf Sandbänken, Vögel brüten im Vorland, und die Flut kommt schneller zurück, als ein Hund hört.
Fahren und Übernachten
Die Küstenstraßen sind flach, breit und unspektakulär. Eng wird es nur in den Orten: Greetsiel, Carolinensiel und die Dörfer auf Eiderstedt sind für große Fahrzeuge nichts, dort parkst du am Ortsrand und läufst. Deichkronen und Deichverteidigungswege sind grundsätzlich gesperrt, auch wenn das Navi sie als Abkürzung anbietet.
Zwei Wasserquerungen prägen die Route. Der Wesertunnel bei Dedesdorf (B437) ist mautfrei und erspart dir Bremen. Die Elbe querst du entweder mit der Fähre Glückstadt–Wischhafen, die in der Saison etwa alle 20 Minuten fährt und an Ferienwochenenden Wartezeit kostet, oder durch den Hamburger Elbtunnel, der im Sommer regelmäßig im Stau steht. An der Fähre in Wischhafen gibt es einen einfachen Stellplatz, falls es spät wird.
Stellplätze sind an der Nordsee meist größere Parkplätze hinterm Deich, oft mit Ver- und Entsorgung, in den Badeorten mit Kurtaxe. Frei stehen ist an der gesamten Küste nicht erlaubt und wird kontrolliert. Wer Ruhe sucht, fährt ein paar Kilometer ins Binnenland: Dort sind die Plätze an Sielen und Höfen leerer und günstiger.
Wind ist das Thema, über das alle reden und auf das sich niemand einstellt. Auf freien Deichstrecken und auf den Brücken über Ems, Jade und Eider zieht es ordentlich am Aufbau. Die Markise bleibt bei Wind eingefahren, auch nachts, und ein hoher Kastenwagen will auf dem Stellplatz mit der Front in den Wind.
Die Inseln sind ein eigenes Kapitel. Nach Föhr und Amrum (ab Dagebüll) sowie nach Sylt (Autozug ab Niebüll) kommst du mit dem Wohnmobil, musst aber in der Saison reservieren. Die ostfriesischen Inseln sind weitgehend autofrei, dort bleibt das Fahrzeug am Hafen. Für einen Tagesausflug ist das ohnehin die bessere Wahl: Rad mitnehmen, früh übersetzen, abends zurück.
Quellen
Nationalparkverwaltungen Niedersächsisches und Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer (Leinenregeln), FRS Elbfähre Glückstadt–Wischhafen (Takt), Wyker Dampfschiffs-Reederei (Fähren ab Dagebüll). Stand Oktober 2026, Details vor der Abfahrt prüfen.