Wohnmobil winterfest machen: Schritt für Schritt einwintern

Wasser ablassen, Frostschutz, Batterie, Reifen, Gas, Lüften und Mäuse: die Reihenfolge fürs Einwintern, und was anders ist, wenn du im Winter weiterfährst.

Stand 13.10.2026 · 8 Min. Lesezeit

Wohnwagen im Schnee
Wohnwagen im Schnee

Einwintern heißt: alles Wasser raus, Strom gesichert, Gas zu, Innenraum trocken und mäusefrei. In dieser Reihenfolge dauert das an einem Nachmittag zwei bis drei Stunden, und der teuerste Schaden, der geplatzte Boiler, ist damit ausgeschlossen. Wenn du im Winter weiterfahren willst, gilt das Gegenteil: Wasser bleibt drin, dafür muss die Heizung durchlaufen und das Gas winterfest sein. Beide Varianten stehen hier.

Einwintern oder Winterbetrieb: Entscheide zuerst

Es gibt keinen Mittelweg. Ein Fahrzeug mit halb entleertem Wassersystem, das bei minus acht Grad unbeheizt steht, ist der Normalfall für Frostschäden an Pumpe, Boiler und Armaturen. Entweder du entleerst komplett oder du hältst das Fahrzeug durchgehend frostfrei. Wer zwischen November und März nur einmal für ein Wochenende losfährt, wintert ein und füllt dafür kurz wieder auf. Das ist weniger Arbeit, als eine Woche nach der Fahrt den Boiler zu tauschen.

Einwintern Schritt für Schritt

1. Wassersystem: reinigen, dann vollständig entleeren

Vor dem Entleeren den Frischwassertank mit einem Tankreiniger durchspülen, sonst überwintert der Biofilm und begrüßt dich im Frühjahr. Wie das geht, steht im Beitrag Frischwassertank reinigen. Danach:

  1. Frischwassertank über den Ablass leeren. Abwassertank leeren und mit klarem Wasser nachspülen.
  2. Boiler entleeren. Bei Truma-Heizungen öffnet das FrostControl-Ventil bei etwa 3 °C von selbst, du kannst es aber auch per Hand ziehen. Bei Alde und anderen Boilern den Ablasshahn öffnen. Das Entlüftungsventil oder einen Warmwasserhahn öffnen, sonst läuft der Boiler nicht leer.
  3. Alle Wasserhähne auf Mittelstellung öffnen (warm und kalt), Dusche einschließlich Außendusche nicht vergessen. Die Pumpe kurz laufen lassen, bis nur noch Luft kommt, dann sofort abschalten.
  4. Restwasser aus den Leitungen drücken. Der ÖCC empfiehlt Druckluft, ein Kompressor mit wenig Druck (unter 1 bar) am Tankanschluss reicht. Wer keinen hat, lässt alle Hähne über Winter offen stehen, damit Eis Platz hat.
  5. Wasserfilter ausbauen, Pumpe bei Tauchpumpen aus dem Tank nehmen und trocken lagern.
  6. Toilette: Spülwassertank leeren, Kassette leeren, reinigen und mit etwas Pflegemittel für die Dichtung offen lagern. Der Schieber bleibt offen.
  7. Siphons unter Spüle und Dusche: Wasser absaugen oder einen Schluck lebensmittelechten Frostschutz hineingeben.

Frostschutzmittel gehört nur dort hinein, wo kein Trinkwasser fließt: Siphons, Abwassertank, Toilette. Niemals Kfz-Frostschutz ins Frischwassersystem. Lebensmittelechte Mittel für Frischwasserleitungen gibt es, sie sind aber ein Notbehelf für Fahrzeuge, deren System sich nicht vollständig entleeren lässt. Wer sie nutzt, muss im Frühjahr gründlich spülen.

Edelstahlspülen sofort trockenwischen, Reste von Reiniger und Wasser hinterlassen über Monate Flecken.

2. Basisfahrzeug: Frostschutz und Tank

Kühlmittel-Frostschutz prüfen oder prüfen lassen, Scheibenwaschanlage mit Winterkonzentrat füllen. Dieseltank vollfüllen: Ein leerer Tank zieht Kondenswasser, das im Frühjahr als Rost und Bakterienschlamm im Filter landet. Der TCS rät ausdrücklich zum vollen Tank. Ölwechsel vor dem Winter ist sinnvoll, wenn er sowieso fällig ist, weil gebrauchtes Öl Säuren enthält, die über Monate wirken.

3. Batterien: laden und lebendig halten

Beide Batterien, Starter und Aufbau, vollständig laden. Dann hast du zwei Möglichkeiten:

  • Fahrzeug steht mit Landstrom: Ladegerät auf Erhaltungsladung lassen. Bei Lithium-Batterien vorher nachlesen, ob der Hersteller Dauerladung empfiehlt, manche raten zu 50 bis 80 Prozent Ladestand und abgeschaltetem Lader.
  • Fahrzeug steht ohne Strom: Hauptschalter aus, besser Minuspol abklemmen, alle vier bis sechs Wochen nachladen. Blei-Batterien verlieren bei Kälte weniger Ladung als bei Wärme, aber Alarmanlage, Gasalarm, Bedienpanel und Uhr ziehen auch im Stand.

Eine tiefentladene Blei-Säure-Batterie ist im Frühjahr Schrott. Das ist der zweithäufigste Winterschaden nach Frost im Wassersystem.

4. Reifen: Standplatten vermeiden

Am besten aufbocken, sodass die Räder entlastet sind. Geht das nicht: Luftdruck um 0,5 bar über den Normalwert erhöhen (ÖCC-Empfehlung) und das Fahrzeug alle zwei bis drei Wochen einen halben Meter bewegen, damit die Aufstandsfläche wechselt. Beim Wohnwagen Stützen nur so weit herunterkurbeln, dass das Fahrzeug stabil steht, nicht, um die Räder zu entlasten, die Stützen sind dafür nicht gebaut. Reifen über 6 Jahre im Frühjahr kritisch anschauen, über 10 Jahre tauschen.

Handbremse lösen und Fahrzeug mit Unterlegkeilen sichern. Eine über Monate angezogene Handbremse kann festrosten.

5. Gasanlage

Flaschenventile schließen, Regler abschrauben, Schutzkappen auf die Flaschen. Ob die Flaschen im Gaskasten bleiben dürfen, sehen die Quellen unterschiedlich: Dethleffs verlangt in seinem Handbuch, sie bei Stilllegung immer herauszunehmen, auch leere. Der ADAC rät, sie abzuklemmen und kühl, trocken und gut belüftet zu lagern. Maßgeblich ist das Handbuch deines Fahrzeugs. In Keller oder geschlossene Räume ohne Lüftung gehören Gasflaschen nie. Lebensmittel, die im Gaskasten gelagert werden, raus. Gleich den Termin für die Gasprüfung im Frühjahr notieren, falls sie fällig wird.

6. Innenraum: Mäuse und Feuchtigkeit

Alles raus, was Mäuse anzieht oder Feuchtigkeit zieht: Lebensmittel komplett, auch Gewürze und Tee, Toilettenpapier, Küchenrolle, Zeitungen, Textilien, Handtücher, Bettzeug. Kissen und Matratzen hochkant stellen, damit Luft dahinter kommt. Schränke und Klappen offen lassen.

Kühlschrank abtauen, reinigen, Tür mit einem Keil oder Tuch einen Spalt offen halten.

Gegen Mäuse hilft nur Sauberkeit und Zugang verhindern: Öffnungen an Kabeldurchführungen, Abwasserrohr und Bodenlüftungen mit feinem Drahtgitter sichern (nicht verschließen, die Lüftung muss offen bleiben). Duftstoffe und Ultraschallgeräte haben wechselhafte Erfolge, ein Raumentfeuchter mit Granulat hilft dagegen sicher gegen Kondenswasser. Zwangsbelüftungen in Dachhauben und Fenstern offen lassen, Dachhauben auf Lüftungsstellung, wenn das Fahrzeug unter Dach steht.

7. Außen

Fahrzeug waschen, Dichtungen an Türen und Klappen mit Gummipflege behandeln, Markise ausfahren, trocknen lassen, erst dann einrollen. Dach auf Schäden und offene Nähte ansehen, gerade im Winter dringt Wasser über Frostsprengung ein. Eine atmungsaktive Abdeckplane ist besser als eine dichte Plane, unter der sich Kondenswasser sammelt. Scheibenwischer abklappen.

Vor dem Einwintern lohnt eine Fahrt zur Waage: Wer weiß, wie das Fahrzeug leer wiegt, plant im Frühjahr die Zuladung besser.

Winterbetrieb: Wenn das Wasser drinbleibt

Fährst du im Winter, muss das Fahrzeug durchgehend über Null bleiben, auch während der Fahrt und beim Einkaufen. Was dafür nötig ist:

  • Heizung im Dauerbetrieb, auch nachts und wenn du unterwegs bist. Dethleffs gibt für seine Fahrzeuge bei Frostgefahr mindestens 15 °C vor; welcher Wert für dein Fahrzeug gilt, steht im Handbuch. Die Warmluftverteilung muss alle Wasserleitungen erreichen, die meisten Fahrzeuge sind so gebaut, aber nicht alle. Mehr zu den Heizsystemen im Beitrag Heizungen im Wohnmobil.
  • FrostControl im Blick behalten. Das Ventil öffnet selbständig bei etwa 3 °C am Boiler und lässt das Wasser ab. Bei kalter Heizungsnische passiert das auch, wenn der Innenraum warm ist. Wenn plötzlich kein Wasser kommt, zuerst nachsehen, ob das Ventil offen steht. Pumpe sofort abschalten, sonst läuft sie trocken.
  • Gasvorrat. Eine 11-kg-Flasche reicht bei einer Truma Combi 6 rechnerisch für 24 Brennstunden auf Volllast bis 69 Stunden auf kleinster Stufe; wie viele Tage das sind, hängt von Frost, Isolierung und Wunschtemperatur ab. Plane bei Dauerfrost so, dass du alle paar Tage tauschen kannst. Zwei Flaschen mit automatischer Umschaltung sind Standard, eine beheizte Reglereinheit (Eis-Ex) verhindert Vereisung im Regler. Butan verdampft unter 0 °C nicht mehr, du brauchst Propan. Den Bedarf rechnet der Gasvorrat-Rechner aus.
  • Abwassertank. Er hängt meist unisoliert unter dem Boden und friert als Erstes. Ablassschieber offen lassen und einen Eimer darunterstellen, der auch gefroren entleert werden kann. Oder etwas Frostschutz in den Tank und häufig entleeren.
  • Batterie. Das Heizungsgebläse zieht über 24 Stunden 150 bis 400 Wh, Solar liefert im Winter kaum etwas. Ohne Landstrom reicht eine 100-Ah-Batterie zwei, drei Tage.
  • Lüften. Vier Personen produzieren mehrere Liter Wasserdampf am Tag. Morgens und abends stoßlüften, sonst läuft das Kondenswasser an den Fenstern herunter und zieht in die Wände.

Checkliste zum Abhaken

Die Punkte oben gibt es als Checkliste zum Abhaken am Fahrzeug. Zwei Dinge, die immer wieder vergessen werden: die Außendusche (bleibt voll, friert, reißt) und die Pumpe, die nach dem Entleeren noch einmal anläuft, weil jemand den Hahn aufdreht.

Was du im Frühjahr als Erstes prüfst

Batterie laden, Wassersystem füllen und auf Undichtigkeiten absuchen, Boiler erst füllen, dann heizen (trocken geheizt ist er hinüber), Reifendruck wieder auf Normalwert, Gasflaschen anschließen und alle Verschraubungen mit Lecksuchspray prüfen, Heizung und Kühlschrank einmal auf Gas laufen lassen, Dach und Nähte nach dem Winter absuchen. Wenn das Fahrzeug älter als fünf Jahre ist, ist das Frühjahr auch der Zeitpunkt für die Dichtigkeitsprüfung.

Häufige Fragen

Wie mache ich mein Wohnmobil winterfest?

Alles Wasser raus, Batterien laden und sichern, Gas zu, Innenraum trocken und mäusefrei. In dieser Reihenfolge dauert das zwei bis drei Stunden.

Muss ich das Wasser im Winter komplett ablassen?

Ja, wenn das Fahrzeug unbeheizt steht: Frischwasser- und Abwassertank, Boiler, Leitungen, Toilette und Siphons. Ein halb entleertes System ist der Normalfall für Frostschäden an Pumpe, Boiler und Armaturen.

Darf Frostschutzmittel ins Frischwassersystem?

Kfz-Frostschutz niemals. Frostschutz gehört nur dorthin, wo kein Trinkwasser fließt, also in Siphons, Abwassertank und Toilette. Lebensmittelechte Mittel für Frischwasserleitungen sind ein Notbehelf und müssen im Frühjahr gründlich ausgespült werden.

Was mache ich im Winter mit der Batterie?

Vollständig laden. Mit Landstrom bleibt das Ladegerät auf Erhaltungsladung, ohne Strom wird der Hauptschalter ausgeschaltet oder der Minuspol abgeklemmt und alle vier bis sechs Wochen nachgeladen.

Wie vermeide ich Standplatten an den Reifen?

Am besten aufbocken. Geht das nicht, den Luftdruck um 0,5 bar erhöhen und das Fahrzeug alle zwei bis drei Wochen einen halben Meter bewegen.

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