Dänemark mit dem Wohnmobil: Brückenmaut, Tempolimits, Freistehen-Verbot, Umweltzonen und Strände
Dänemark mit dem Wohnmobil: keine Vignette, aber teure Brücken nach Fahrzeuglänge, Tempo 80 außerorts, Freistehen verboten, Umweltzonen und Regeln am Strand.
Stand 13.10.2026 · 7 Min. Lesezeit

Dänemark ist das einfachste Auslandsziel für die erste größere Tour: keine Vignette, keine Mautstationen, kurze Wege, breite Strände und ein dichtes Netz an Campingplätzen. Teuer wird es nur an den zwei großen Brücken, und dort zählt jeder Zentimeter Fahrzeuglänge. Freies Übernachten ist nicht erlaubt, auch nicht in den Dünen, auch nicht auf den bekannten Naturlagerplätzen.
Anreise: Jütland über die A7, die Inseln per Fähre oder Brücke
Nach Jütland, also an die Nordsee, nach Aarhus oder hinauf nach Skagen, fährst du über die A7 und den Grenzübergang bei Flensburg. Ab der Grenze kostet die Straße nichts mehr. Wer nach Fünen will, bleibt ebenfalls auf dem Landweg, die Brücke über den Kleinen Belt ist frei.
Für Seeland mit Kopenhagen und für die Inseln Lolland, Falster und Møn gibt es drei Wege:
- Über Jütland, Fünen und die Storebæltbrücke. Der längste Weg, dafür ohne Fahrplan. Die Brücke ist gebührenpflichtig.
- Mit der Fähre von Puttgarden nach Rødby. Die kürzeste Verbindung, die Fähren fahren im dichten Takt. Der Preis hängt von Länge und Abfahrt ab.
- Mit der Fähre von Rostock nach Gedser. Für alle aus dem Osten und der Mitte Deutschlands der direktere Weg.
Welche Variante günstiger ist, hängt von deiner Fahrzeuglänge und vom Startort ab. Rechne Diesel, Brücke und Fähre gegeneinander, am schnellsten mit dem Reisekostenrechner.
Brückenmaut: die Länge entscheidet
An beiden Brücken wird das Fahrzeug bei der Einfahrt vermessen. Fahrradträger, Anhängerkupplung und Heckbox zählen zur Länge. Ein Wohnmobil mit 5,99 m Aufbau und Fahrradträger ist damit ein Fahrzeug über 6 m und zahlt an der Øresundbrücke das Doppelte.
| Brücke | Fahrzeug | Preis je einfache Fahrt |
|---|---|---|
| Øresund (Kopenhagen–Malmö) | Wohnmobil bis 6 m | 470 DKK an der Mautstation, 420 DKK online |
| Øresund | Wohnmobil 6 bis 10 m | 940 DKK an der Mautstation, 840 DKK online |
| Øresund | Wohnmobil über 10 m oder über 6 m mit Anhänger | 1.655 DKK an der Mautstation, 1.485 DKK online |
| Storebælt (Fünen–Seeland) | Wohnmobil bis 3,5 t, 6 bis 10 m | 645 DKK |
| Storebælt | dasselbe Fahrzeug mit Wohnmobilvertrag | 314 DKK |
Stand: Øresund ab 14. September 2026, Storebælt 2026. Die Øresundbrücke rechnet nur nach Länge, das Gewicht spielt keine Rolle. Am Storebælt zählen Länge und Gewicht: Den günstigen Wohnmobilvertrag gibt es nur für Fahrzeuge über 6 m Länge mit höchstens 3.500 kg, er setzt einen Bizz-Transponder oder die Kennzeichenzahlung mit Storebælt-Privatvertrag voraus und gilt nicht, wenn du mit Anhänger über 10 m kommst. Wohnmobile unter 6 m zahlen weniger als den Tabellenwert. Für Wohnmobile über 3,5 t konnten wir keinen verlässlichen Preis finden; frag ihn vor der Fahrt direkt beim Betreiber ab.
Wer öfter nach Schweden fährt, schaut sich den Jahresvertrag ØresundGO an: 370 DKK Jahresgebühr, dafür kostet die einfache Fahrt mit einem Wohnmobil von 6 bis 10 m nur 364 DKK statt 940 DKK. Das rechnet sich bereits bei einer Hin- und Rückfahrt. Mehr zur Weiterreise steht in den Beiträgen zu Schweden und Norwegen.
Die dänische Kilometermaut betrifft bislang nur Lkw. Eine Ausweitung auf leichtere Güterfahrzeuge ist für 2027 geplant; ob Wohnmobile irgendwann darunterfallen, ist offen.
Tempolimits und Regeln beim Fahren
| Fahrzeug | Innerorts | Außerorts | Schnellstraße | Autobahn |
|---|---|---|---|---|
| Wohnmobil bis 3,5 t | 50 | 80 | 80 | 130 |
| Wohnmobil 3,5 bis 7,5 t | 50 | 70 | 80 | 80 |
| Gespann | 50 | 80 | 80 | 80 |
Zum Wert außerorts für schwere Wohnmobile widersprechen sich die Quellen: Der ADAC nennt 70, der ÖAMTC 80. Fahr 70, dann bist du in jedem Fall auf der sicheren Seite. Die deutsche Tempo-100-Plakette für Gespanne gilt in Dänemark nicht. 100 auf der Autobahn darf ein Gespann nur fahren, wenn es in einer dänischen Prüfstelle abgenommen wurde und die dänische Plakette trägt.
Dazu kommt:
- Licht: Abblendlicht oder Tagfahrlicht ist ganzjährig auch tagsüber Pflicht.
- Warnweste: nicht vorgeschrieben, aber empfohlen. Nimm sie trotzdem für jeden Sitzplatz mit.
- Maße: höchstens 12 m lang, 2,55 m breit und 4 m hoch, Gespanne bis 18,75 m.
Die Bußgelder sind deutlich höher als in Deutschland, und geblitzt wird auch auf schnurgeraden Landstraßen, auf denen 80 gefühlt zu langsam ist.
Freistehen: nicht erlaubt, auch nicht für eine Nacht
Freies Campen ist in Dänemark grundsätzlich nicht erlaubt. Ein verbreiteter Irrtum betrifft die Naturlagerplätze, die in vielen Reiseberichten auftauchen: Sie sind für Wanderer und Radfahrer mit Zelt gedacht, motorisierte Fahrzeuge sind dort nicht gestattet. Auf Privatgrund darfst du nur stehen, wenn der Eigentümer es erlaubt.
Was stattdessen funktioniert:
- Campingplätze gibt es an beiden Küsten in großer Zahl, viele mit sehr guter Ausstattung und entsprechendem Preis. In den dänischen und deutschen Sommerferien solltest du an der Nordsee reservieren.
- Stellplätze an Häfen, bei Bauernhöfen und an Gasthöfen sind in den letzten Jahren mehr geworden. Die kleinen Yachthäfen an der Ostsee sind oft die schönsten Übernachtungsorte: Strom, Sanitär und Blick aufs Wasser, bezahlt wird am Automaten.
- Kurzaufenthalte: Viele Campingplätze bieten einen vergünstigten Tarif für späte Ankunft am Abend und Abreise am nächsten Vormittag. Für Durchreisende auf dem Weg nach Norden ist das oft die einfachste Lösung.
Einzelne Plätze empfehlen wir bewusst nicht. Was die Nacht ungefähr kostet, steht im Beitrag Was kostet ein Stellplatz?.
Autostrände: fahren ja, übernachten nein
An der Nordsee sind einige Strände ausdrücklich für Fahrzeuge freigegeben, etwa auf Rømø und Fanø und an Abschnitten der Jammerbucht. Du darfst dort tagsüber auf dem festen Sand parken. Übernachten ist verboten und wird abends kontrolliert. Fahr nur auf dem festgefahrenen Bereich, bleib weg von der Wasserkante und achte auf die Flut: Ein Wohnmobil mit drei Tonnen und mehr gräbt sich in weichem Sand in Sekunden ein, und der Abschleppdienst am Strand ist teuer.
Umweltzonen in vier Städten
Aalborg, Aarhus, Kopenhagen mit Frederiksberg und Odense haben Umweltzonen, die rund um die Uhr gelten und per Kamera überwacht werden. Gesperrt sind Diesel-Pkw und Diesel-Wohnmobile ohne Partikelfilter mit Erstzulassung vor Januar 2011, also Euro 0 bis Euro 4.
- Diesel ab Euro 5: freie Fahrt, keine Registrierung, keine Plakette.
- Älterer Diesel mit nachgerüstetem Filter: vorher auf miljoezoner.dk registrieren.
- Benziner: frei.
Mit einem älteren Diesel ohne Filter bleibst du am Stadtrand und nimmst Bus oder Bahn. Für Kopenhagen ist das ohnehin der bequemere Weg.
Nordsee oder Ostsee?
Die dänische Nordseeküste ist Wind, Dünen und Weite: lange Sandstrände, Ferienhausgebiete, Surfspots, wenige Städte. Die dänische Ostsee mit Fünen, Seeland und den kleinen Inseln ist ruhiger, mit flachem Wasser für Kinder, Hafenstädtchen und kurzen Etappen. Wer beides sehen will, schafft in zwei Wochen eine Runde von Rømø die Westküste hinauf bis Skagen und über Aarhus und Fünen zurück, ohne an einem Tag mehr als zwei Stunden zu fahren.
Juni und September sind die angenehmsten Monate: lange Tage, leere Strände, niedrigere Platzpreise. Im Juli und August ist es voll, an der Nordsee auch windig und selten wirklich heiß.
Was oft vergessen wird
- Währung: Dänemark hat die Krone behalten. Bezahlt wird fast überall mit Karte, auch an Stellplatzautomaten; Bargeld brauchst du kaum.
- Gas: Deutsche graue Flaschen werden nicht getauscht. Fahr mit vollen Flaschen los oder lies vorher, welche Lösungen es im Ausland gibt: Gasvorrat im Ausland.
- Hund: Dänemark verbietet eine Reihe von Hunderassen samt Mischlingen, auch für Urlauber. An den Stränden gilt im Sommerhalbjahr Leinenpflicht. Die Liste und die Zeiten stehen im Steckbrief Dänemark.
- Preise: Lebensmittel und Restaurant kosten spürbar mehr als in Deutschland. Die meisten Wohnmobilisten kaufen den Grundvorrat vor der Grenze.
Häufige Fragen
Braucht man in Dänemark eine Vignette fürs Wohnmobil?
Nein. Dänemark hat keine Vignette und keine allgemeine Straßenmaut. Gebühren fallen nur an der Storebæltbrücke und an der Øresundbrücke an, und dort entscheidet die Fahrzeuglänge über den Preis.
Darf man in Dänemark mit dem Wohnmobil frei stehen?
Nein, freies Campen ist grundsätzlich nicht erlaubt. Die bekannten Naturlagerplätze sind nur für Zelte gedacht, motorisierte Fahrzeuge sind dort nicht gestattet. Auf Privatgrund brauchst du die Erlaubnis des Eigentümers.
Wie schnell darf ein Wohnmobil in Dänemark fahren?
Bis 3,5 Tonnen gelten die Pkw-Werte: 50 innerorts, 80 außerorts und auf Schnellstraßen, 130 auf der Autobahn. Über 3,5 Tonnen ist auf der Autobahn bei 80 Schluss, außerorts solltest du dich an 70 halten.
Gibt es in Dänemark Umweltzonen für Wohnmobile?
Ja, in Aalborg, Aarhus, Kopenhagen mit Frederiksberg und Odense. Gesperrt sind alte Diesel ohne Partikelfilter. Diesel ab Euro 5 und Benziner fahren ohne Plakette und ohne Registrierung hinein.
Darf man in Dänemark mit dem Wohnmobil am Strand übernachten?
Nein. An einigen Stränden der Nordsee darfst du tagsüber mit dem Fahrzeug auf den Sand fahren, das Übernachten ist dort aber wie überall außerhalb von Plätzen verboten.