Kastenwagen, Teilintegriert, Integriert, Alkoven: Wohnmobil-Bauarten im Vergleich
Vier Bauarten, vier Kompromisse: Maße, Schlafplätze, Zuladung und Preise von Kastenwagen, Teilintegrierten, Integrierten und Alkoven im direkten Vergleich.
Stand 13.10.2026 · 7 Min. Lesezeit

Die vier gängigen Bauarten unterscheiden sich vor allem darin, wie viel vom Basisfahrzeug übrig bleibt. Der Kastenwagen behält die komplette Blechkarosserie des Transporters. Der Teilintegrierte behält nur das Fahrerhaus und bekommt dahinter einen breiteren Wohnaufbau. Der Alkoven setzt auf diesen Aufbau noch eine Schlafnische über das Fahrerhaus. Beim Integrierten stammt nur noch das Fahrgestell vom Transporter, die ganze Hülle baut der Wohnmobilhersteller. Daraus ergibt sich fast alles andere: Breite, Höhe, Gewicht, Schlafplätze und Preis.
Die vier Bauarten in Zahlen
Damit der Vergleich nicht an unterschiedlichen Marken hängt, stammen die Zahlen aus dem Programm eines einzigen Herstellers, der alle vier Bauarten auf demselben Basisfahrzeug anbietet (Carado, technische Daten vom 13. Oktober 2026). Andere Marken weichen ab, die Verhältnisse zueinander sind aber typisch.
| Kastenwagen | Teilintegrierter | Integrierter | Alkoven | |
|---|---|---|---|---|
| Länge | 5,41 bis 6,36 m | 5,96 bis 7,41 m | 7,43 m | 7,26 m |
| Breite | 2,05 m | 2,32 m | 2,32 m | 2,32 m |
| Höhe | 2,58 bis 2,61 m | 2,90 m | 2,90 m | 3,14 m |
| Schlafplätze | 2, mit Option 3 bis 4 | 2 bis 5 | 4 bis 5 | 6 |
| Masse fahrbereit | 2.650 bis 2.962 kg | 2.717 bis 2.911 kg | 2.976 kg | 3.010 kg |
| Grundpreis | ab 48.249 € | ab 57.899 € | ab 76.699 € | ab 60.299 € |
Die Breite ist der Wert, den viele unterschätzen. 27 Zentimeter mehr klingen nach wenig, entscheiden aber darüber, ob du in einer Altstadtgasse oder auf einer schmalen Küstenstraße entspannt bleibst. Umgekehrt sind es genau diese 27 Zentimeter, die im Aufbau ein Längsbett neben einem Gang oder ein Bad mit getrennter Dusche möglich machen.
Kastenwagen
Der Kastenwagen ist ein Transporter mit Fenstern, Isolierung und Möbeln. Die Stahlkarosserie bleibt, Schiebetür und Hecktüren auch.
Dafür spricht: Er ist schmal, fährt sich fast wie ein großer Pkw und passt auf viele normale Parkplätze, jedenfalls in der Länge 5,41 oder 5,99 Meter. Die Blechhülle hat keine Aufbaufugen zwischen Wand und Dach, also weniger Stellen, an denen Wasser eindringen kann. Hecktüren und Schiebetür machen das Fahrzeug im Sommer luftig. Und er ist die günstigste der vier Bauarten.
Dagegen spricht: Innen ist es eng. Das Bad ist meist eine Nasszelle, in der die Toilette in der Dusche steht. Das Bett liegt in der kurzen Version quer und ist für große Menschen knapp, Längsbetten gibt es meist erst in den längeren Versionen. Die runde Blechwand lässt sich schlechter dämmen als eine Sandwichplatte, und die großen Türen sind im Winter Kältebrücken. Zu viert wird es nur mit Aufstelldach oder Schlafdach praktikabel.
Passt zu: Paaren und Alleinreisenden, die viel fahren, oft den Platz wechseln und das Fahrzeug auch im Alltag bewegen wollen. Mehr dazu unter Kleine Wohnmobile für zwei Personen.
Teilintegrierter
Hinter dem Serienfahrerhaus sitzt ein eigener Wohnaufbau aus Sandwichplatten, der breiter und höher ist als das Fahrerhaus. Die Fahrerhaussitze lassen sich drehen und gehören zur Sitzgruppe.
Dafür spricht: Die Bauart bietet am meisten Auswahl bei Längen und Grundrissen, von knapp sechs bis gut sieben Metern. Gerade Wände erlauben vollwertige Betten, ein richtiges Bad und oft eine Heckgarage für Fahrräder. Er ist niedriger als ein Alkoven und verbraucht deshalb weniger. Mit einem Hubbett über der Sitzgruppe schlafen auch vier Personen.
Dagegen spricht: Das Fahrerhaus bleibt eine Blechkabine mit großen, einfach verglasten Scheiben. Im Winter ist das die kälteste Ecke des Fahrzeugs, wenn du es nicht mit Thermomatten oder einem Vorhang abtrennst. Die Verbindung zwischen Fahrerhaus und Aufbau ist außerdem eine Fuge mehr, die dicht bleiben muss.
Passt zu: den meisten. Wer zu zweit reist und Komfort will, landet häufig hier.
Integrierter
Der Hersteller baut auf das Fahrgestell eine komplett eigene Karosserie. Motorhaube, Frontscheibe und Türen stammen nicht mehr vom Transporter. Man sagt auch Vollintegrierter.
Dafür spricht: Das Fahrerhaus ist so breit wie der Wohnraum und genauso gedämmt. Dadurch wirkt der Innenraum deutlich größer, und über den Vordersitzen hat ein Hubbett Platz, ohne dass die Höhe steigt. Die riesige Frontscheibe gibt beim Fahren und im Stand viel Aussicht. Für Wintercamping ist die durchgehend isolierte Hülle ein echter Vorteil.
Dagegen spricht: der Preis und das Gewicht. Im Vergleich oben kostet der Integrierte gut 15.000 Euro mehr als der gleich lange Teilintegrierte desselben Herstellers. Nach oben ist die Bauart offen, der ADAC nennt bis zu 150.000 Euro und mehr. Eine Fahrertür fehlt oft, die Frontscheibe ist ein teures Sonderteil, und die Übersicht nach vorn unten ist anfangs gewöhnungsbedürftig.
Passt zu: Vielfahrern, Überwinterern und allen, die das Fahrzeug über lange Zeiträume bewohnen.
Alkoven
Der Alkoven ist ein Teilintegrierter mit einer Schlafnische über dem Fahrerhaus. Das ist die klassische Familienbauart.
Dafür spricht: Zwei feste Betten sind immer aufgebaut, ohne dass abends jemand eine Sitzgruppe umbauen muss. Im Beispiel oben bietet der Alkoven sechs Schlafplätze auf 7,26 Metern Länge. Kinder lieben die Höhle über dem Fahrerhaus, und der Einstiegspreis liegt nahe am Teilintegrierten.
Dagegen spricht: die Höhe. Mit über drei Metern passt du unter manche Brücke, Schranke und Tankstellenüberdachung nicht mehr, und der Kasten über dem Fahrerhaus fängt Fahrtwind und Seitenwind. Das merkst du am Verbrauch und am Lenkrad.
Passt zu: Familien mit zwei oder mehr Kindern. Details stehen im Beitrag Wohnmobil für Familien.
Der Punkt, den Prospekte kleinreden: Zuladung
Fast alle Fahrzeuge in der Tabelle sind auf 3.500 Kilogramm zugelassen, damit sie mit dem Führerschein Klasse B gefahren werden dürfen. Je größer der Aufbau, desto weniger bleibt für Menschen, Wasser und Gepäck. Aus den Herstellerangaben oben ergibt sich rechnerisch:
| Fahrzeug | Masse fahrbereit | Rest bis 3.500 kg |
|---|---|---|
| Kastenwagen 5,41 m | 2.650 kg | 850 kg |
| Teilintegrierter 7,41 m | 2.911 kg | 589 kg |
| Integrierter 7,43 m | 2.976 kg | 524 kg |
| Alkoven 7,26 m | 3.010 kg | 490 kg |
In der Masse im fahrbereiten Zustand sind der Fahrer mit 75 Kilogramm und ein fast voller Dieseltank enthalten, aber keine Mitfahrer, keine Sonderausstattung und kein Gepäck. Der Hersteller weist außerdem eine Toleranz von fünf Prozent nach oben und unten aus. Beim Alkoven sind das rund 150 Kilogramm, die im ungünstigen Fall schon fehlen, bevor Markise und Fahrradträger montiert sind. Sechs Schlafplätze heißen also nicht, dass sechs Personen mit Urlaubsgepäck legal mitfahren können.
Rechne vor dem Kauf mit dem Zuladungsrechner nach und lies den Beitrag Zuladung und Überladung. Wenn es nicht reicht, bleibt die Auflastung über 3,5 Tonnen, die aber Folgen bei Führerschein, Tempo und Maut hat. Die stehen unter Wohnmobil bis oder über 3,5 Tonnen.
Was es sonst noch gibt
- Campingbus: kleiner als der Kastenwagen, rund fünf Meter lang und mit Aufstelldach unter zwei Meter hoch. Alltagstauglich, aber ohne Bad.
- Van: ein schmaler Teilintegrierter, der in der Breite zwischen Kastenwagen und normalem Teilintegrierten liegt.
- Liner: sehr große Integrierte auf Lkw- oder Busfahrgestell, weit über 3,5 Tonnen.
- Absetzkabine: eine Wohnkabine auf der Ladefläche eines Pickups, die sich abstellen lässt.
Rechtlich macht die Bauart keinen Unterschied
Für Steuer, Tempolimit, Maut und Verkehrszeichen ist egal, ob du Kastenwagen oder Alkoven fährst. Entscheidend sind die Zulassung als Wohnmobil und die zulässige Gesamtmasse. Als Wohnmobil gilt nach EU-Recht ein Fahrzeug mit fest eingebauten Sitzen und Tisch, Schlafgelegenheiten, Kochmöglichkeit und Stauraum. Eine Mindeststehhöhe steht in dieser Definition nicht.
Wenn die Bauart feststeht, ist der Grundriss die nächste Entscheidung: Einzelbetten, Queensbett oder Hecksitzgruppe.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen teilintegriert und vollintegriert?
Beim Teilintegrierten bleibt das originale Fahrerhaus des Basisfahrzeugs erhalten, dahinter sitzt ein breiterer Wohnaufbau. Beim Integrierten baut der Hersteller die gesamte Karosserie selbst, das Fahrerhaus gehört vollständig zum Wohnraum.
Welche Wohnmobil-Bauart eignet sich für Familien?
Der Alkoven bietet die meisten festen Schlafplätze, weil über dem Fahrerhaus ein Doppelbett sitzt. Teilintegrierte und Integrierte mit Hubbett sind die Alternative, wenn das Fahrzeug niedriger bleiben soll.
Ist ein Kastenwagen ein richtiges Wohnmobil?
Ja. Rechtlich zählt nicht die Bauart, sondern die Zulassung als Wohnmobil mit Sitzen, Tisch, Schlafplätzen, Kochgelegenheit und Stauraum. Ein ausgebauter Kastenwagen erfüllt das genauso wie ein Integrierter.
Welche Bauart hat die meiste Zuladung?
Bei 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse bleibt beim kurzen Kastenwagen am meisten übrig, weil er am wenigsten wiegt. Lange Teilintegrierte, Integrierte und Alkoven sind schwerer und kommen mit vier Personen schnell an die Grenze.
Quellen und weiterführende Links
- Carado: technische Daten CV540, CV640, T135, T447, I447, A464 (abgerufen 13.10.2026)
- PiNCAMP (ADAC): Welche Wohnmobilaufbauten gibt es? (23.05.2026)
- Verordnung (EU) 2018/858, Anhang I Teil A Nr. 5.1: Definition Wohnmobil
- Bundestag, Drucksache 19/22803: rechtliche Einordnung von Wohnmobilen
- ADAC: Wohnmobil kaufen (18.05.2026)