Stützrad und Kurbelstützen: Wohnwagen richtig ausrichten und abstützen

Erst quer über die Räder, dann längs mit dem Stützrad, zuletzt die Kurbelstützen: So steht der Wohnwagen gerade. Und warum die Stützen keine Wagenheber sind.

Stand 13.10.2026 · 7 Min. Lesezeit

Abgekuppelter alter Wohnwagen steht mit Trittstufe auf einem Schotterplatz
Abgekuppelter alter Wohnwagen steht mit Trittstufe auf einem Schotterplatz

Ein Wohnwagen wird in drei Schritten gerade gestellt: quer über die Räder, längs über das Stützrad, und erst ganz am Schluss kommen die Kurbelstützen herunter. Die Stützen haben dabei nur eine Aufgabe, nämlich den fertig ausgerichteten Wohnwagen gegen Wackeln und Kippen zu stabilisieren. Sie sind keine Wagenheber und auch kein Werkzeug zum Ausgleichen. Wer das verwechselt, verbiegt im besten Fall eine Stütze und beschädigt im schlechtesten Rahmen und Bodenplatte.

Was welches Teil tut

Teil Aufgabe Nicht dafür gedacht
Räder mit Keil oder Brett Ausgleich quer zur Fahrtrichtung
Stützrad trägt die Deichsel beim Abkuppeln, Ausgleich in Längsrichtung, Rangieren von Hand Fahren über Kanten und weichen Boden unter voller Last
Kurbelstützen stabilisieren den stehenden Wohnwagen an den vier Ecken anheben, ausgleichen, Reifen entlasten, Wagenheber ersetzen
Wagenheber anheben zum Radwechsel, nur an den vorgesehenen Punkten dauerhaftes Abstützen

Ausrichten Schritt für Schritt

Du brauchst eine Wasserwaage, einen Auffahrkeil oder Bretter, Unterlegkeile und die Kurbel. Die Wasserwaage legst du am besten auf die Küchenarbeitsplatte, denn dort merkst du Schräglage später zuerst. Für die Längsrichtung eignet sich auch die Deichsel.

  1. Platz ansehen, bevor du einparkst. Wo ist es am ebensten, wohin fällt das Gelände? Die Tür sollte nicht zur tiefen Seite zeigen, sonst wird der Tritt hoch.
  2. Quer ausrichten. Zeigt die Wasserwaage eine Seitenneigung, kommt das tiefere Rad auf einen Auffahrkeil oder auf Bretter. Fahr mit dem Zugfahrzeug oder dem Mover langsam auf und nicht zu weit, damit der Wohnwagen nicht hinten vom Keil fällt. Rückwärts auf den Keil zu fahren ist sicherer als vorwärts: Beim Vorwärtsauffahren kann der Wohnwagen zurückrollen, weil die Rückfahrautomatik der Auflaufbremse die Bremse in dieser Richtung löst.
  3. Sichern. Handbremse anziehen und Keile vor und hinter das Rad legen. Erst jetzt abkuppeln.
  4. Abkuppeln und längs ausrichten. Stützrad herunterkurbeln, bis es trägt, Kupplung öffnen, Deichsel von der Kugel heben. Dann mit dem Stützrad die Deichsel so weit heben oder senken, bis die Wasserwaage auch in Längsrichtung stimmt.
  5. Kurbelstützen herunterdrehen. Zuerst die beiden hinteren, dann die vorderen. Dreh jede Stütze bis zum festen Bodenkontakt und dann noch ein kleines Stück weiter. PiNCAMP nennt als Anhalt etwa drei Umdrehungen. Der Wohnwagen darf sich dabei nicht heben.
  6. Stützrad entlasten. Zum Schluss das Stützrad eine Spur zurückdrehen, sodass es noch aufsteht, aber nicht mehr die Hauptlast trägt.
  7. Nachziehen. Auf weichem Boden geben die Stützen nach. Kontrolliere nach ein bis zwei Tagen und nach starkem Regen und dreh bei Bedarf nach.

Auf Wiese, Sand und Schotter gehören Platten unter die Stützfüße, sonst sinken sie ein. Kleine Bretter tun es, es gibt auch Kunststoffteller und fest montierte, schwenkbare Füße. Mehr zum Ausgleich über die Räder steht unter Auffahrkeile und gerade stehen. Was du am ersten Abend sonst noch prüfst, zeigt die Checkliste Erste Nacht auf dem Stellplatz.

Kurbelstützen sind keine Wagenheber

Das ist der wichtigste Satz dieses Beitrags, deshalb ausführlich.

Eine Kurbelstütze ist eine leichte Scherenkonstruktion mit Gewindespindel, die an den Ecken des Fahrgestells oder der Bodenplatte verschraubt ist. Diese Ecken sind Leichtbau. Sie sind dafür ausgelegt, einen Teil der Last zu übernehmen, wenn jemand im Wohnwagen von einer Ecke in die andere geht. Sie sind nicht dafür ausgelegt, einen Wohnwagen anzuheben.

Daraus folgt:

  • Nicht mit den Stützen ausgleichen. Wer die tiefe Ecke hochkurbelt, bis die Wasserwaage stimmt, verwindet Rahmen und Aufbau. Die Folgen zeigen sich oft erst später: klemmende Türen und Klappen, Risse an Dichtnähten, verbogene Stützen, beschädigte Bodenplatte.
  • Nicht die Reifen entlasten. Auch im Winterlager bleibt das Gewicht auf den Rädern. Die Stützen werden nur angelegt.
  • Nicht zum Radwechsel benutzen. Dafür ist der Wagenheber da.
  • Den Wagenheber nicht an oder unter die Stützen setzen. Wo er hingehört, steht in der Betriebsanleitung des Wohnwagens. Üblich sind markierte Aufnahmen am Rahmen oder Punkte am Achsrohr nahe dem Rad. Bleche, Stützen und die Bodenplatte sind keine Hebepunkte. Vor dem Anheben: ankuppeln oder sehr gut sichern, Handbremse an, Keile am anderen Rad.

Die einzige Ausnahme sind nachgerüstete hydraulische Anlagen mit eigenen Stützen an der Achse, die den Wohnwagen tatsächlich heben dürfen. Elektrische Antriebe für die vier Eckstützen nehmen dir nur das Kurbeln ab. Auch sie stabilisieren nur. Hubstützen am Wohnmobil sind ein anderes Thema, siehe Hubstützen.

Akkuschrauber: ja, aber mit Gefühl

Mit einem Adapter für den Sechskant lassen sich die Stützen mit dem Akkuschrauber drehen. Das spart Zeit, hat aber einen Haken: Ein kräftiger Schrauber bringt mehr Drehmoment auf als deine Hand an der Kurbel, und du spürst den Widerstand nicht. Fahr die Stützen mit dem Schrauber nur bis kurz vor den Boden und dreh den Rest von Hand. Fahrgestellhersteller raten vom Akkuschrauber teils ganz ab. Schau in deine Anleitung.

Das Stützrad

Das Stützrad trägt beim Abkuppeln die Stützlast und wird beim Rangieren von Hand über den Platz geschoben. Die Bauarten unterscheiden sich im Rad und in der Tragfähigkeit:

Merkmal Varianten
Bereifung Vollgummi: pannensicher, gut für lange Standzeiten und hohe Lasten. Luftbereift: breiter und größer, rollt leichter über weichen oder nassen Boden, braucht Luftdruckkontrolle
Tragfähigkeit hängt vom Rohrdurchmesser ab. PiNCAMP nennt als Beispiele 35 mm für höchstens 120 kg und 60 mm für 400 kg statische Last
Mit Stützlastanzeige eingebaute Waage im Stützrad, praktisch als Orientierung beim Beladen

Beim Ersatz müssen Rohrdurchmesser und Tragfähigkeit zum Klemmhalter und zur Stützlast deines Wohnwagens passen. Die eingebaute Anzeige ersetzt keine Messung am Kupplungsmaul, weil unter dem Stützrad ein höherer Wert anliegt als an der Kupplung. Wie du richtig misst, steht unter Stützlast und richtig beladen.

Vor der Abfahrt

  1. Alle vier Kurbelstützen ganz hochdrehen. Eine vergessene Stütze reißt an der ersten Bordsteinkante ab.
  2. Ankuppeln und prüfen, ob die Kupplung eingerastet ist: Stützrad ein Stück herunterdrehen. Hebt sich das Heck des Autos leicht mit an, sitzt die Kupplung.
  3. Stützrad vollständig hochkurbeln. Das Rad zeigt nach hinten in Richtung Aufbau, sodass es unter der Deichsel liegt.
  4. Klemmhebel lösen, das ganze Stützrad im Halter so weit wie möglich nach oben schieben und den Knebel fest anziehen, aber nicht mit Gewalt überdrehen.
  5. Keile einsammeln, Handbremse lösen, Abreißseil und Stecker anschließen.

Die vollständige Liste für den Aufbruch findest du im Abfahrtscheck. Zum Rangieren mit dem Auto siehe Gespann fahren und rangieren.

Wenn es nicht funktioniert

  • Stütze lässt sich schwer drehen: Spindel und Gelenke sind trocken oder verschmutzt. Reinigen und mit einem dünnflüssigen Öl behandeln, das nicht verharzt. Schmierfett ist an dieser Stelle ungünstig, weil es Sand und Schmutz bindet.
  • Stütze dreht durch oder steht schief: Gewinde verschlissen oder Stütze verbogen, meist nach Gebrauch als Wagenheber. Da hilft nur der Tausch. promobil nannte dafür rund 100 Euro je Stütze (Stand 2019). Weil die Stütze am Fahrgestell sitzt, ist das eine Arbeit für den Fachbetrieb, wenn auch die Befestigung gelitten hat.
  • Wohnwagen wackelt trotz Stützen: Stützen stehen auf weichem Boden und sind eingesunken, oder das Stützrad trägt noch die volle Last. Platten unterlegen, nachdrehen, Stützrad leicht entlasten.
  • Stützrad sinkt beim Stehen ab: Der Knebel der Klemmung ist nicht fest genug, oder die Klemmschale ist verschlissen. Nachziehen, bei Verschleiß den Halter tauschen.
  • Stützrad lässt sich kaum schieben: Luftbereiftes Rad hat zu wenig Druck, oder das Rad versinkt im weichen Boden. Ein Brett als Fahrbahn hilft. Auf Dauer ist ein Mover die bequemere Lösung, siehe Mover am Wohnwagen.
  • Kurbel des Stützrads dreht leer: Spindel oder Mutter im Rohr defekt. Das Stützrad wird komplett ersetzt.

Häufige Fragen

In welcher Reihenfolge richte ich den Wohnwagen aus?

Erst quer, indem das tiefer stehende Rad auf einen Keil oder ein Brett kommt. Dann längs mit dem Stützrad. Zuletzt die Kurbelstützen herunterdrehen, zuerst die hinteren, dann die vorderen.

Kann ich den Wohnwagen mit den Kurbelstützen anheben?

Nein. Kurbelstützen stabilisieren nur den bereits ausgerichteten Wohnwagen. Wer mit ihnen anhebt oder ausgleicht, riskiert Schäden an Rahmen, Bodenplatte und Aufbau.

Darf ich den Wagenheber unter die Kurbelstütze setzen?

Nein. Der Wagenheber gehört nur an die Punkte, die der Hersteller in der Betriebsanleitung dafür vorsieht. Die Stützen und ihre Befestigung sind für das Gewicht des Wohnwagens nicht gebaut.

Darf ich die Kurbelstützen mit dem Akkuschrauber herunterdrehen?

Möglich ist es, mit passendem Adapter und viel Gefühl. Bis zum Bodenkontakt spart das Zeit, das letzte Stück drehst du besser von Hand. Mit zu viel Kraft beschädigst du Spindel und Befestigung.

Muss das Stützrad während der Fahrt ganz hochgekurbelt sein?

Ja. Es wird vollständig hochgekurbelt, das Rad zeigt nach hinten, und die Klemmung wird fest angezogen. Ein Stützrad, das sich unterwegs absenkt, schlägt auf die Fahrbahn.

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