Stützlast am Wohnwagen: Grenzwerte, messen und richtig beladen

Welche Stützlast dein Gespann braucht, wo der zulässige Wert steht, wie du sie mit Waage und Holzlatte misst und wie du den Wohnwagen dafür richtig belädst.

Stand 13.10.2026 · 7 Min. Lesezeit

Anhängerkupplung, auf der Kugel eines Zugfahrzeugs eingerastet
Anhängerkupplung, auf der Kugel eines Zugfahrzeugs eingerastet

Die Stützlast ist das Gewicht, mit dem die Deichsel des Wohnwagens von oben auf die Anhängerkupplung drückt. Sie muss mindestens 4 Prozent des tatsächlichen Wohnwagengewichts betragen, 25 Kilo genügen als Minimum, und sie darf den kleinsten Wert nicht überschreiten, den Zugfahrzeug, Kupplung und Wohnwagen zulassen. Innerhalb dieses Rahmens gilt: so hoch wie erlaubt. Eine gut ausgenutzte Stützlast ist das einfachste Mittel gegen ein unruhiges Gespann. Einstellen kannst du sie nur über die Beladung.

Mindestwert und Höchstwert

Wert Quelle
Gesetzliches Minimum 4 % des tatsächlichen Gesamtgewichts des Wohnwagens, mehr als 25 kg sind nicht gefordert § 44 Abs. 3 StVZO
Rechenbeispiel 500 kg schwerer Anhänger: 20 kg. Ab 625 kg Gewicht genügen rechnerisch 25 kg ADAC, Rechnung aus dem Gesetzeswert
Obergrenze der kleinste Wert aus Zugfahrzeug, Anhängerkupplung und Deichsel oder Auflaufeinrichtung des Wohnwagens § 44 Abs. 3 StVZO, ADAC
Übliche Werte Wohnwagenhersteller geben meist 100 kg an, Zugfahrzeuge meist 75 kg. Pkw insgesamt häufig 75 bis 100 kg PiNCAMP, ADAC
Empfehlung zulässige Stützlast möglichst voll ausnutzen ADAC, PiNCAMP

Das gesetzliche Minimum von 25 Kilo ist für einen ausgewachsenen Wohnwagen viel zu wenig, um ruhig zu laufen. Es markiert die Grenze, ab der es ein Bußgeld gibt, nicht den Wert, mit dem du fahren solltest.

Wo die Werte stehen

  • Zugfahrzeug: Zulassungsbescheinigung Teil I, Feld 13, außerdem in der Bedienungsanleitung.
  • Anhängerkupplung: Typenschild an der Kupplung, bei abnehmbaren Kupplungen am Kugelhals oder an der Aufnahme. Bei nachgerüsteten Kupplungen kann der Wert vom Feld 13 abweichen.
  • Wohnwagen: Typenschilder an Deichsel und Auflaufeinrichtung, dazu die Betriebsanleitung.

Schreib dir alle Werte einmal auf. Der kleinste ist deine Obergrenze. In der häufigen Kombination aus Wohnwagen mit 100 Kilo und Auto mit 75 Kilo darfst du also 75 Kilo fahren und solltest möglichst nah an diesen Wert herankommen. Beim Autokauf lohnt der Blick auf Feld 13 genauso wie auf die Anhängelast: Manche Autos, darunter einige Elektroautos, haben sehr niedrige Stützlasten. Mehr dazu unter Zugfahrzeug für den Wohnwagen.

Tempo 100

Wer mit Tempo-100-Zulassung fährt, ist ausdrücklich verpflichtet, sich an der größtmöglichen Stützlast von Zugfahrzeug oder Anhänger zu orientieren, wobei der kleinere Wert die Obergrenze bleibt. Das steht in § 4 der 9. Ausnahmeverordnung zur StVO. Die übrigen Bedingungen findest du unter Tempo 100 fürs Gespann.

Was zu wenig und zu viel Stützlast anrichten

Zu wenig: Die Deichsel drückt kaum oder zieht sogar nach oben. Das entlastet die Hinterachse des Zugfahrzeugs, die Hinterräder verlieren Seitenführung, und der Wohnwagen beginnt bei Seitenwind, Spurrillen oder beim Überholen eines Lkw früher zu pendeln. Je höher die Stützlast, desto geringer die Pendelneigung.

Zu viel: Kupplung, Deichsel und Hinterachse des Autos werden überlastet. Das Heck sackt ab, die Vorderachse wird leichter, Lenkung und Bremsen reagieren schlechter, und die Scheinwerfer blenden.

Dazu kommt das Bußgeld (Stand Oktober 2026): Wer die zulässige Stützlast um mehr als 50 Prozent über- oder unterschreitet, zahlt 60 Euro und bekommt laut ADAC einen Punkt. Geringere Abweichungen kosten laut ADAC 25 Euro.

Stützlast messen: Schritt für Schritt

Gemessen wird am fertig beladenen Wohnwagen, so wie er auf die Reise geht, mit Gasflaschen, Wasser und Fahrrädern. Er steht auf ebenem Boden.

Mit der Stützlastwaage

Das ist der genaueste und einfachste Weg. Eine Stützlastwaage ist ein Stab mit Feder und Skala aus dem Zubehörhandel.

  1. Wohnwagen gegen Wegrollen sichern: Handbremse anziehen oder Keile in beide Richtungen legen.
  2. Waage senkrecht unter das Kupplungsmaul stellen.
  3. Stützrad langsam hochkurbeln, bis die Deichsel auf der Waage ruht und das Stützrad frei hängt.
  4. Wert ablesen. Die Deichsel sollte dabei etwa so hoch stehen wie später am Auto.

Mit Personenwaage und Holzlatte

  1. Wohnwagen sichern wie oben.
  2. Ein Brett flach auf die Personenwaage legen, damit die Last verteilt wird.
  3. Eine Holzlatte passender Länge senkrecht unter das Kupplungsmaul stellen. Passend heißt: Das Kupplungsmaul liegt etwa auf der Höhe, auf der die Kugel des beladenen Zugfahrzeugs sitzt.
  4. Deichsel mit dem Stützrad absenken, bis sie auf der Latte steht und das Stützrad wenige Millimeter in der Luft hängt.
  5. Wert ablesen, das Gewicht von Brett und Latte abziehen.

Die Höhe ist wichtig, weil sich die Stützlast ändert, wenn die Deichsel höher oder tiefer steht. Bei Tandemachsern ist dieser Effekt besonders stark.

Was nicht funktioniert

Die Waage unter das Stützrad zu stellen, ergibt einen zu hohen Wert. Das Stützrad sitzt näher an der Achse als die Kupplung und trägt deshalb mehr Last. Man kann das über die Abstände umrechnen, aber das ist umständlich und ungenau. Manche Stützräder haben eine eingebaute Anzeige. Sie taugt als Orientierung beim Beladen, ersetzt aber die Messung am Kupplungsmaul nicht.

Richtig beladen: So stellst du die Stützlast ein

Der Wohnwagen ist eine Wippe mit der Achse als Drehpunkt. Alles vor der Achse erhöht die Stützlast, alles dahinter senkt sie. Je weiter ein Gegenstand von der Achse entfernt liegt, desto stärker wirkt er.

Die Grundregeln:

  1. Schweres nach unten und über die Achse. Konserven, Getränke, Werkzeug und Vorzeltgestänge gehören auf den Boden oder in die unteren Staufächer im Achsbereich, möglichst leicht vor der Achse.
  2. Leichtes nach oben und nach außen. In die Hängeschränke und ins Heck kommen Kleidung, Bettzeug, Handtücher.
  3. Das Heck bleibt leicht. Gewicht weit hinten senkt die Stützlast und vergrößert die Masse, die beim Pendeln ausschwingt.
  4. Links und rechts gleichmäßig.
  5. Alles sichern. Was beim Bremsen nach vorne rutscht, verändert die Stützlast während der Fahrt.
Was du änderst Wirkung auf die Stützlast
Zweite Gasflasche im Bugkasten höher
Fahrräder auf dem Deichselträger deutlich höher
Fahrräder auf dem Heckträger deutlich niedriger, Pendelneigung steigt
Voller Wassertank je nach Lage des Tanks vor oder hinter der Achse
Vorzelt und Gestänge im Heckstauraum niedriger
Schwere Batterie oder Mover vor der Achse höher

In der Praxis gehst du so vor: beladen, messen, umräumen, wieder messen. Ist die Stützlast zu hoch, wandern schwere Teile aus dem Bug über die Achse oder ins Auto. Ist sie zu niedrig, kommen schwere Teile aus dem Heck nach vorne. Gleiche eine zu niedrige Stützlast nie durch zusätzliches Gewicht im Bug aus, wenn im Heck noch Schweres liegt. Dann stimmt zwar der Wert, aber du fährst eine Hantel mit Gewicht an beiden Enden, und die pendelt besonders gern.

Ein Wort zum Fahrradträger: Zwei E-Bikes auf der Deichsel können die Stützlast allein schon über den zulässigen Wert bringen. Miss mit montierten Rädern. Mehr dazu unter Fahrradträger.

Die Stützlast belastet auch das Auto

Die Stützlast wird rechtlich dem Zugfahrzeug zugeschlagen. Praktisch heißt das: Sie drückt hinter der Hinterachse auf das Auto, zählt zu dessen Gesamtgewicht und belastet die Hinterachse überproportional. Mit vier Personen, vollem Kofferraum und 75 Kilo auf der Kugel ist die zulässige Hinterachslast bei manchem Kombi schneller erreicht als die Gesamtmasse. Der Wohnwagen selbst darf seine zulässige Gesamtmasse trotzdem nicht überschreiten. Sicherheit gibt nur die Waage: Wie du Auto, Wohnwagen und Achsen einzeln wiegst, steht unter Wohnmobil und Wohnwagen wiegen.

Wenn das Gespann trotzdem unruhig läuft

Stimmt die Stützlast und der Wohnwagen pendelt trotzdem, prüfe in dieser Reihenfolge: Reifendruck an Auto und Wohnwagen, Gewicht im Heck, Gesamtgewicht des Wohnwagens im Verhältnis zum Zugfahrzeug, Geschwindigkeit. Eine Antischlingerkupplung dämpft Pendelbewegungen, repariert aber keine falsche Beladung. Was im Ernstfall zu tun ist, steht unter Schlingern: Antischlingerkupplung und Stabilisierung.

Häufige Fragen

Wie hoch muss die Stützlast beim Wohnwagen sein?

Gesetzlich mindestens 4 Prozent des tatsächlichen Wohnwagengewichts, wobei 25 Kilo als Minimum genügen. Empfohlen wird, die zulässige Stützlast möglichst voll auszunutzen, weil das Gespann dann ruhiger läuft.

Wo steht die zulässige Stützlast?

Für das Zugfahrzeug in der Zulassungsbescheinigung Teil I, Feld 13, und auf dem Typenschild der Anhängerkupplung. Für den Wohnwagen auf den Typenschildern von Deichsel und Auflaufeinrichtung. Es gilt der kleinste dieser Werte.

Wie messe ich die Stützlast ohne Stützlastwaage?

Mit einer Personenwaage und einer Holzlatte, die senkrecht unter dem Kupplungsmaul steht und die Deichsel auf Höhe der Anhängerkupplung hält. Eine Messung direkt unter dem Stützrad zeigt zu viel an.

Was passiert bei zu wenig Stützlast?

Der Wohnwagen entlastet die Hinterachse des Zugfahrzeugs und beginnt früher zu pendeln. Zu wenig Stützlast ist deshalb gefährlicher als viele denken und kann ebenso ein Bußgeld kosten wie zu viel.

Zählt die Stützlast zur Zuladung des Autos?

Ja. Die Stützlast drückt auf das Zugfahrzeug und wird dessen Gewicht zugerechnet. Sie belastet vor allem die Hinterachse und verringert das, was du im Kofferraum laden darfst.

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