Markise, Sackmarkise oder Sonnensegel: Was passt an deinen Wohnwagen?

Kassettenmarkise, Sackmarkise oder Sonnensegel am Wohnwagen: Unterschiede bei Gewicht, Preis, Aufbau und Wetterfestigkeit, dazu die Regeln für Wind und Regen.

Stand 13.10.2026 · 7 Min. Lesezeit

Wohnwagen am Strand mit aufgespanntem Sonnensegel
Wohnwagen am Strand mit aufgespanntem Sonnensegel

Am Wohnwagen ist die Sackmarkise für die meisten die vernünftige Mitte: Sie wird in die vorhandene Kederschiene eingezogen, braucht keine Bohrung, wiegt gut zehn Kilo und kann zu Hause bleiben, wenn du sie nicht brauchst. Ein Sonnensegel ist noch leichter und deutlich billiger, hält aber weniger Wetter aus. Die fest montierte Kassettenmarkise ist am bequemsten, kostet aber am meisten Geld und Zuladung und muss fachgerecht befestigt werden.

Die drei Lösungen im Vergleich

Kassettenmarkise Sackmarkise Sonnensegel oder Sonnendach
Befestigung fest verschraubt oder mit Adapter am Fahrzeug Keder in der Kederschiene, abnehmbar Keder in der Kederschiene, abnehmbar
Aufbau auskurbeln, Stützbeine setzen Hülle öffnen, abrollen, Stützen und Spannarme setzen einziehen, zwei oder mehr Stangen stellen, abspannen
Gewicht am höchsten, dauerhaft am Fahrzeug gut zehn Kilo (promobil) am leichtesten, kleines Packmaß
Preis (Stand Oktober 2026) Händlerpreise je nach Länge etwa 400 bis 1.500 Euro, dazu die Montage zwischen Sonnensegel und Kassettenmarkise ab rund 60 Euro, Mittelfeld 100 bis 250 Euro, darüber Systeme mit Wänden
Wind empfindlich, bei stärkerem Wind einrollen empfindlich, abbauen dauert länger am empfindlichsten, bei Starkwind sofort abbauen
Regen leichter Regen mit Gefälle leichter Regen mit Gefälle nur gelegentlicher Schauer
Erweiterbar Front- und Seitenwände zum Markisenvorzelt Varianten mit einkederbaren Seitenwänden teils Seitenteile oder absenkbare Front

Die Preise für Kassettenmarkisen stammen aus dem Angebot eines großen Zubehörhändlers und ändern sich laufend. Nimm sie als Größenordnung, nicht als Angebot.

Kassettenmarkise

Die Kassettenmarkise ist die verbreitetste Form, vor allem am Wohnmobil. Das Tuch sitzt aufgerollt in einem schlanken Gehäuse an der Wand oder auf dem Dach und wird mit einer Kurbel ausgefahren, bei teureren Modellen mit Motor. Üblich sind Längen von 2,6 bis 6 Metern. In den Gelenkarmen sitzen ausklappbare Stützbeine, die du auf den Boden stellst und mit Heringen sicherst oder an der Fahrzeugwand einhängst.

Am Wohnwagen gibt es zwei Dinge zu bedenken:

  • Befestigung. Die Wand eines Wohnwagens ist ein dünnes Sandwich. Die Halter müssen dort sitzen, wo der Hersteller Verstärkungen vorgesehen hat, oder es wird eine durchgehende Schiene mit Durchgangsschrauben gesetzt. Jede Bohrung ist eine mögliche Eintrittsstelle für Wasser. Diese Montage gehört in den Fachbetrieb. Frag vorher beim Wohnwagenhersteller nach, ob die Dichtigkeitsgarantie davon berührt wird, siehe Dichtigkeitsprüfung.
  • Gewicht. Die Markise fährt immer mit, auf einer Seite und weit oben. Das Gewicht steht im Datenblatt und geht voll von der Zuladung ab. Bei Wohnwagen mit knapper Zuladung ist das oft das entscheidende Argument gegen die Kassette. Rechne es mit dem Zuladungsrechner durch.

Wie die Kassettenmarkise am Wohnmobil montiert und zum Vorzelt erweitert wird, steht im Beitrag Vorzelt und Markise am Wohnmobil.

Sackmarkise

Die Sackmarkise ist im Kern ein aufgerolltes Tuch mit Tuchwelle, Stützbeinen und Spannarmen, das in einer länglichen Stoffhülle steckt. Die Hülle hat einen Keder und wird wie ein Vorzelt in die Kederschiene eingezogen. Dort kann sie die ganze Saison bleiben, auch während der Fahrt, oder nach dem Urlaub wieder herausgezogen werden.

So läuft der Aufbau ab:

  1. Reißverschluss der Hülle öffnen.
  2. Tuch an der Tuchwelle herausziehen und abrollen.
  3. Stützbeine ausklappen, auf Höhe einstellen und mit Heringen sichern.
  4. Spannarme zwischen Tuchwelle und Wohnwagen setzen und das Tuch spannen.
  5. Bei Wind zusätzlich abspannen.

Vorteile: kein Bohren, wenig Gewicht, deutlich günstiger als die Kassette, und du kannst sie zu Hause lassen. Nachteile: Der Aufbau dauert länger und findet auf Höhe der Dachkante statt, was ohne Tritt unbequem ist. Bei einem plötzlichen Gewitter ist eine Sackmarkise nicht in dreißig Sekunden verschwunden.

Achte beim Kauf auf drei Dinge: die Länge passend zum geraden Stück deiner Kederschiene, die Kederstärke passend zur Schiene und darauf, ob Tür und Fenster unter der Hülle noch frei aufgehen.

Sonnensegel und Sonnendach

Ein Sonnensegel besteht aus einem Tuch mit Keder, zwei Teleskopstangen und Abspannleinen. Es wird in die Kederschiene eingezogen, vorne mit den Stangen aufgestellt und abgespannt. Das dauert wenige Minuten. Bei tief stehender Sonne lässt sich die Vorderkante absenken.

Das Sonnendach ist die größere Variante: mit eigenem Gestänge, oft mit Seitenteilen, die bis zum Boden reichen, manchmal mit einer Vorderwand. Es steht stabiler und schützt besser, ist aber schon fast ein abgespecktes Vorzelt und braucht entsprechend länger im Aufbau.

Worauf es ankommt:

  • Breite: etwas schmaler als das gerade Stück der Kederschiene wählen. promobil nennt als Faustwert etwa 20 Zentimeter weniger.
  • Kederstärke: Wohnwagen haben laut promobil meist eine Schiene für 7 bis 8 Millimeter. Einmal nachmessen. Ein Doppelkeder passt in zwei Schienengrößen.
  • Stoff: Für gelegentlichen Regenschutz sollte die Wassersäule mindestens 1.500 Millimeter betragen. Mischgewebe ist angenehmer im Klima, aber schwerer als Polyester.
  • Gestänge: Bei manchen Segeln gehören die Stangen nicht zum Lieferumfang. Stahl ist günstig und schwer, Aluminium leichter.
  • Heringe und Leinen: Die mitgelieferten sind oft das schwächste Teil. Ordentliche Heringe für deinen Boden kosten wenig und entscheiden bei der ersten Böe.

Wind und Regen: die Regeln für alle drei

Keine dieser Lösungen ist für starken Wind gebaut. Eine Markise ist ein Segel an einem langen Hebel. Reißt eine Böe sie hoch, verbiegen die Arme, und lose Stützbeine schlagen gegen die Wand.

  • Immer abspannen, sobald die Markise länger als ein paar Minuten steht. Sturmbänder und Spanngurte fangen Böen ab, machen aber nichts sturmfest.
  • Einrollen oder abbauen bei stärkerem Wind, bei kräftigem Regen, über Nacht und wenn du den Platz verlässt. Das Wetter fragt nicht, ob du gerade am Strand bist.
  • Gefälle geben. Stell bei Regen ein Stützbein deutlich tiefer als das andere, damit das Wasser an einer Ecke abläuft. Auf einem waagerecht gespannten Tuch bildet sich ein Wassersack, der Tuch und Arme überlastet.
  • Trocken einrollen. Musst du nass einpacken, roll das Tuch bei der nächsten Gelegenheit wieder aus und lass es trocknen. Sonst gibt es Stockflecken und Schimmel.

Wenn es nicht funktioniert

  • Tuch hängt durch oder schlägt im Wind: Spannarme nachsetzen, Stützbeine fester verankern, zusätzlich abspannen.
  • Keder geht nicht durch die Schiene: Schiene auf Dellen und Schmutz prüfen, Stoßstellen der Schienenstücke ansehen, Keder mit etwas Silikonspray gleitfähig machen. Geht es gar nicht, passt die Kederstärke nicht.
  • Kassettenmarkise rollt schief ein: Tuch läuft seitlich aus, meist weil die Stützbeine ungleich hoch standen. Wieder ausfahren, Beine gleich einstellen, gleichmäßig einkurbeln. Bleibt es schief, ist ein Gelenkarm verbogen: Fachbetrieb.
  • Kurbel dreht durch oder Markise fährt nicht mehr ein: Getriebe defekt. Nicht mit Gewalt arbeiten. Für die Heimfahrt muss die Markise sicher geschlossen sein, im Zweifel mit Gurten gesichert zum Fachbetrieb fahren.
  • Wasser läuft an der Kederschiene herunter: Zwischen Hülle oder Kassette und Wand fehlt eine Dichtlippe, oder die Schiene selbst ist undicht. Das Zweite ist ein Fall fürs Abdichten.

Welche Lösung für wen

Fährst du viel und stehst selten länger als zwei, drei Tage, zählt Tempo: Sonnensegel oder Kassettenmarkise. Stehst du eine oder zwei Wochen am selben Platz und willst zuverlässig Schatten, ohne zu bohren, nimm die Sackmarkise. Brauchst du einen geschlossenen Raum für Kinder, Hund oder schlechtes Wetter, reicht keine der drei Lösungen. Dann geht es um ein Vorzelt, siehe Vorzelt für den Wohnwagen und Luftvorzelt.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Sackmarkise und Kassettenmarkise?

Die Kassettenmarkise ist fest am Fahrzeug montiert und wird aus einem Gehäuse gekurbelt. Die Sackmarkise steckt in einer Stoffhülle, wird in die Kederschiene eingezogen und lässt sich wieder abnehmen. Sie ist leichter und günstiger, der Aufbau dauert aber länger.

Reicht ein Sonnensegel am Wohnwagen als Regenschutz?

Für einen kurzen Schauer ja, wenn der Stoff dicht ist und das Wasser ablaufen kann. Für Dauerregen und Wind ist ein Sonnensegel nicht gebaut.

Ab wann muss die Markise eingerollt werden?

Bei stärkerem Wind, bei kräftigem Regen, über Nacht und immer, wenn du den Platz verlässt. Sturmabspannungen helfen gegen Böen, machen eine Markise aber nicht sturmfest.

Kann ich eine Markise am Wohnwagen selbst montieren?

Sackmarkise und Sonnensegel ja, sie werden nur in die Kederschiene eingezogen. Eine Kassettenmarkise, für die gebohrt und abgedichtet werden muss, gehört in den Fachbetrieb.

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